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Kreditmarktausblick
Mehr Geschäft dank längerer Laufzeiten
Das Kreditneugeschäft der Banken und Sparkassen mit heimischen Unternehmen und Selbstständigen ist im zweiten Quartal um sechs Prozent gestiegen. Treiber des Neugeschäfts seien langfristige Finanzierungen, ermittelte die KfW.

Zwischen April und Juni haben die Finanzinstitute sechs Prozent mehr Kredite ausgereicht als im Vorjahreszeitraum, so die KfW. Das Wachstumstempo habe sich gegenüber dem Jahresbeginn (plus 7,3 Prozent) kaum verlangsamt.

Nachdem die Unternehmen demnach zunächst auf kurzfristige Kreditinstrumente, etwa Auslastung vorhandener Kreditlinien, zurückgegriffen haben, waren im abgelaufenen Quartal die langfristigen Finanzierungen die Treiber des Kreditneugeschäfts. Im zweiten Quartal legten sie mit einem Plus von 17 Prozent außergewöhnlich stark zu.

Stundungsvereinbarungen führen zum Anstieg

Ein Teil des Anstiegs sei sicherlich auf Stundungsvereinbarungen zurückzuführen, so die KfW. Darüber hinaus dürfe diese Entwicklung aber auch durch die Nutzung staatlicher Kreditgarantien, darunter die KfW-Corona-Hilfe-Programme, erleichtert worden sein.

„Für die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung ist die starke Zunahme langfristiger Finanzierungen eine gute Nachricht“, kommentiert Friederike Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, diese Entwicklung.

„Für die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung ist die starke Zunahme langfristiger Finanzierungen eine gute Nachricht“: Friederike Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Die längeren Fristen erhöhten die Finanzierungssicherheit für die Unternehmen und streckten die Belastung aus den Krisenverlusten über die Zeit. Das verbessere die Aussichten für eine nachhaltige Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs.

Noch keine restriktivere Kreditvergabepraxis bei Banken

Die Finanzierung von Investitionen, die laut den Meldungen des Statistischen Bundesamtes dramatisch eingebrochen sind, dürfte laut KfW-Research für die Zunahme bei den langfristigen Finanzierungen allenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Trotz des kräftigen Wachstums ist die Dynamik des Kreditneugeschäfts im zweiten Quartal etwas hinter den Erwartungen von KfW-Research zurückgeblieben. Angesichts der Finanznöte der Unternehmen und der steigenden Ausfallrisiken stelle sich die Frage, ob die Banken das  Kreditangebot übermäßig einschränken.

Dafür gebe es bislang keine Anzeichen. Zwar haben die Schwierigkeiten beim Kreditzugang etwas zugenommen, die Verschärfungen seien bislang aber nur moderat. Bei der Befragung zur KfW-Ifo-Kredithürde Ende Juni klagte lediglich ein Fünftel der Mittelständler über restriktive Banken. Während der globalen Finanzkrise war dieser Anteil mehr als doppelt so hoch.

Weitere Wege zur Beschaffung von Finanzmitteln

Die Gründe für das etwas schwächer als erwartete Kreditwachstum dürften vielmehr darin liegen, dass die Unternehmen neben dem Bankkredit weitere Wege zur Beschaffung von Finanzmitteln beschritten haben, etwa die Nutzung staatlicher Zuschussprogramme oder die Ausweitung der Anleiheemissionen.

Im weiteren Jahresverlauf dürfte das Kreditneugeschäft deutlich abflauen, auch ein Rückgang ist im Bereich des Möglichen. KfW-Research rechnet für das dritte Quartal derzeit mit einer Zunahme von 3,5 Prozent.

Prognosen nur begrenzt möglich

Dank der weitgehenden Lockerung der Coronamaßnahmen hat bereits im Verlauf des zweiten Quartals die wirtschaftliche Erholung eingesetzt und die Liquiditätslücken werden kleiner. Gleichzeitig dürften die Investitionstätigkeit und der damit verbundene Finanzierungsbedarf länger schwach bleiben.

Die Prognoseunsicherheit sei jedoch angesichts der Einzigartigkeit der Coronakrise außergewöhnlich hoch, so KfW-Research.

1. September 2020