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LBBW-Ausblick
Dax und Euro werden steigen
Der Deutsche Aktienindex Dax wird bis zum Jahresende weiter auf rund 13.000 Punkte zulegen und der Euro sich auf 1,18 US-Dollar vetreuern. So lauten zwei maßgebliche Prognosen der LBBW zum weiteren Jahresverlauf der Kapitalmärkte.

„Der Euro setzt wegen der Neubewertung von Euro und EU bei internationalen Investoren zum Höhenflug an“, sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter des LBBW Research. „Seit Anfang 2018 ging es stets abwärts, nun schwingt das Pendel wieder zurück.“ Im nächsten Jahr könnte der Euro die Marke von 1,20 Dollar je Euro wieder ins Visier nehmen, die er zuletzt Anfang 2018 gekostet hat.

Einer der wichtigsten Gründe für die Euroerholung sei die jüngste Konjunkturentwicklung. Wochenlang hatte die Corona-Zwangspause Wirtschaft und Gesellschaft lahmgelegt. Nun hätten die europäischen Volkswirtschaften den Analysten zufolge die Talsohle hinter sich gelassen, sofern keine zweite
Infektionswelle einen neuerlichen Lockdown erzwinge. In Europa lassen zudem die sinkenden Infektionszahlen bei aller Tragik für die Betroffenen auch wieder eine gewisse Normalisierung des öffentlichen Lebens zu, schreibt die LBBW.

Aktienmärkte weltweit im Aufwind

Das erklärt wohl auch die recht positive Einschätzung zum Aktienmarkt. In den vergangenen drei Monaten habe der Dax fast 4200 Punkte gutgemacht, nachdem er wegen der Pandemie zuvor binnen drei Wochen 5400 Punkte eingebrochen war, resümieren die LBBW-Analysten.

Die Hoffnung auf ein Ausbleiben einer zweiten Pandemiewelle sowie die expansive Geld- und Fiskalpolitik weltweit hätten die Bewertungen an den Aktienmärkten spürbar erhöht und zu einem deutlichen Kursanstieg geführt. Bei hoher Volatilität sieht die LBBW den Dax Ende 2020 bei 13.000 Punkten, den Dow-Jones-Index bei 27.500 Punkten. Der Eurostoxx 50 werde demnach auf 3400 Punkte ansteigen.

Hoffnung auf deutsche EU-Ratspräsidentschaft

Der Alte Kontinent, der vorübergehend das Epizentrum der Pandemie war, scheine sich überdurchschnittlich zu schlagen, so die LBBW. Die Staaten Europas hätten historisch einzigartige Fiskalpakete beschlossen. Den stark betroffenen Ländern Frankreich, Italien und Spanien könnte zudem ein europäischer „Wiederaufbaufonds“ beistehen.

„Vermutlich werden wir Mitte Juli auf einem Sondergipfel der EU unter deutscher Ratspräsidentschaft einen Durchbruch erleben und damit eine fundamentale Wende in der Finanzarchitektur Europas sehen“, fügt Uwe Burkert hinzu. Damit wird nach Ansicht des LBBW Research der Weg zu einer tieferen Integration Europas frei.

Infolgedessen werde das Risiko eines Auseinanderbrechens der Union an den Märkten ausgepreist, was den Euro stütze. Selbst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank, das ein potenzieller Sprengsatz für die Märkte war, haben Bundestag,
Bundesbank und EZB gemeinsam entschärft.

Sorgenfalten beim Blick über den Atlantik

Die EZB-Zinspolitik hält zwar die Renditen weiter im Minus. Jedoch sind US-Staatsanleihenrenditen deutlich gesunken. Sorgenfalten bereiten die USA aber auch aus anderen Gründen. Die Analysten machen nicht nur die Pandemie, die im Süden und Westen außer Kontrolle zu geraten droht, als Belastung für die US-Wirtschaft und den US-Dollar aus.

Das gespaltene Land stecke zudem bereits in einem heftiger werdenden Präsidentschaftswahlkampf. Die Umfragen führt Herausforderer Joe Biden an, dessen geplante Steuerpolitik den US-Dollar insgesamt eher schwächen dürfte, so die Stuttgarter Landesbanker.

Seine Tage scheinen derzeit gezählt: US-Präsident Donald Trump. Doch bei Herausforderer Joe Biden sorgen sich die LBBW-Analysten über das geplante Steuerprogramm. Die USA scheinen das Sorgenkind der Welt zu bleiben.

Die 2021 von den Analysten der LBBW erwartete Erholung der Weltwirtschaft um 5,9 Prozent werde zudem die Fantasie für Währungen und Staatsanleihen exportorientierter Staaten wecken – Punkt für Europa, konstatieren die Analysten. Selbst der drohende ungeregelte Ausstieg Großbritanniens aus der EU scheine für die Gemeinschaft inzwischen beherrschbar zu sein. „Ein Hard Brexit wird aber das britische Pfund zum Euro deutlich belasten“, sagt Burkert voraus.

7. Juli 2020