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LBBW-Studie
Es geht wieder aufwärts
Die Märkte steigen und in China wird die V-förmige Erholung deutlich. Die EU geht mit eigenen Anleihen für den Corona-Hilfsfonds und eigenen Steuern voran. Das Fazit einer LBBW-Kurzstudie zu den Märkten nennt drei Faktoren für einen positiven Ausblick.

Die Finanzierung des 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds der Europäischen Union (EU) wird durch Anleihen geschehen. Die Rückzahlung durch Mitgliedsbeiträge zum EU-Haushalt. Gleichzeitig wurden beim EU-Gipfel Steuerpläne für Plastik, Digitalunternehmen, CO2 sowie Finanztransaktionen diskutiert beziehungsweise beschlossen. Das LBBW Research sieht darin einen klaren Schritt hin zu einer europäischen Fiskalunion.

Das „Durchwursteln funktioniert irgendwann nicht mehr“, so die Analysten der Landesbank. Doch gebe es weiter offene Fragen am Paket der EU, etwa wer der Schuldner bei der Konstruktion des Hilfsfonds sei. Eine „gesamtschuldnerische“ Haftung sei für die EU verboten, so die LBBW mit Verweis auf Artikel 310 des „Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union“.

Die Steuerbeschlüsse des EU-Gipfels bedürfen der Zustimmung durch die nationalen Parlamente. Die EU wird Gesetzestexte vorbereiten. Für die Plastiksteuer, die bereits ab dem 1. Januar 2021 erhoben werden soll, müsste das noch 2020 passieren. Besonders umstritten wird wohl die beschlossene CO2-Grenzsteuer für Importe aus Ländern mit niedrigeren Klimaschutz-Anforderungen.

Chinas Erholung bleibt wohl Einzelfall

Die Folgen der Coronakrise sind für viele Länder dramatisch, heißt es in der Kurzstudie weiter. Die Staatsverschuldung werde für etliche Staaten problematisch, wobei dies für Deutschland wohl nicht gelte. „Neben dem bereits sehr hoch verschuldeten Japan dürfte der weitere Anstieg insbesondere für die USA und Italien herausfordernd werden“, so die LBBW.

Eine V-förmige Erholung gebe es in China. Nach einem Konjunktureinbruch um 6,8 Prozent im ersten Quartal habe das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nun um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt. Auch die Industrieproduktion zeige einen klaren Aufwärtstrend. Die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft werde aber wohl ein Einzelfall bleiben, urteilen die Stuttgarter Analysten.

Positiv sei in jedem Fall die Stimmung an den Finanzmärkten. Der Dax habe bereits wieder die Marke von 13.000 Punkten überstiegen. Die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das Covid-19-Virus sowie die Einigung der EU auf den Wiederaufbaufonds seien vor allem für die Zuversicht der Börsianer verantwortlich. (DSZ mit rtr)

22. Juli 2020