Zurück
Nachhaltigkeit
Vier Prozent mehr Rendite mit LGBT-Investments
Unternehmen mit einem Gleichstellungsansatz in Bezug auf sexuelle Orientierung und Gender-Identität sind gemessen an ihrer Aktienkursentwicklung überdurchschnittlich erfolgreich.

Der Nutzen für Unternehmen proaktiv für eine Gleichstellung der LGBT-Community (kurz aus dem Englischen für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) einzutreten, sei offensichtlich. Anleger, die hierauf achten, hätten in den vergangenen zehn Jahren vier Prozent mehr Rendite pro Jahr im Vergleich zum Gesamtmarkt erzielt. 

So lautet ein Fazit der Analysten der Credit Suisse in ihrer aktuellen Nachhaltigkeitsstudie zum Thema Diversität. Die Autoren haben einen LGBT-350 Index entwickelt. Darin enthalten sind Aktiengesellschaften, die eine Gleichberechtigung in der Gesellschaft und unter den Mitarbeitern auch hinsichtlich sexueller Orientierung und Gender-Identität anstreben.

Die mit dem Kürzel LGBT, LGBT+ oder LGBTQ bezeichnete Gruppe umfasst fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung. Deren wirtschaftliche Bedeutung werde allein schon an jährlichen Konsumausgaben von etwa 5,6 Billionen US-Dollar deutlich. Zudem würden 86 Prozent der LGBT-Community Marken boykottieren, die diskriminierende Standpunkte einnehmen oder unterstützen. 71 Prozent der Community würden zudem Freunde und Familie auffordern, sich diesem Boykott anzuschließen.

Keine Fortschritte in Europa

Die 350 ausgewählten Unternehmen der Studie schnitten nicht nur in ihrer Aktienkursentwicklung, sondern auch in Bezug auf die Erfüllung allgemeiner Nachhaltigkeitskriterien besser ab. Die Outperformance der in der Studie herausgestellten Unternehmen betrug auf Sicht der vergangenen zehn Jahre 3,78 Prozent pro Jahr im Vergleich zum MSCI-Weltaktienindex.

Eine beeindruckende Outperformance: LGBT-freundliche Unternehmen haben eine eindeutig höhere Rendite im Vergleich zum restlichen Aktienmarkt.

Aktuell ist der von Credit Suisse ermittelte Index noch sehr US-lastig. 88 Prozent der Unternehmen sind aus Nordamerika, zwei Prozent aus Asien und zehn Prozent aus Europa. Perspektivisch werde sich das ändern, prognostizieren die Autoren der Studie. Jedoch räumen sie auch ein, dass es im laufenden Jahr in Bezug auf Europa keine nennenswerten Fortschritte gegeben habe.

Dabei gibt es Länder wie Malta, Luxemburg, Belgien, Norwegen und Dänemark, die einen hohen Gleichstellungswert gemessen an einem 69 Kriterien umfassenden Katalog erreichen. Negativbeispiele in der EU sind etwa Polen, Rumänien und Bulgarien. In Europa insgesamt weisen Russland, Armenien, die Türkei und Aserbaidschan noch schlechtere Rahmenbedingungen auf. Die Kriterien orientieren sich dabei an der Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe über Adoptionsrechte bis hin zu Gesetzgebung gegen Hasskriminalität.

3. Dezember 2020