Zurück
NRW Bankentag / Nachhaltigkeit
„Der Zug ist losgefahren“
Auf dem NRW-Bankentag diskutierten Sparkassenvertreter mit Politik und Wirtschaft zum Thema Nachhaltigkeit. Ihr Plädoyer: Die Umstellung braucht Zeit.

Eigenanlage, Kreditvergabe, Fondsangebot und Förderkredite – das sind die Bereiche, in denen Kreditinstitute den größten Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten können. Viele Sparkassen tun das schon.

Nachhaltig im Kerngeschäft

Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, unterstrich besonders das Engagement der Sparkassen für nachhaltiges Anlegen. Bundesweit haben Sparkassenkunden inzwischen 65 Mrd. Euro nachhaltig angelegt. Der Anteil der nachhaltig orientierten Kunden steige spürbar; daher würde diese Präferenz bereits in der Beratung abgefragt. Buchholz erinnerte auch daran, dass die Leistungen der Sparkassen bei der finanziellen Bildung ebenfalls zur Nachhaltigkeit gehören.

 

Screenshot der virtuellen Veranstaltung (oben, in der Mitte: Prof. Liane Buchholz, unten rechts Michael Breuer).

 

Die Aufsicht erwartet dennoch etwas mehr Tempo. Zwei Drittel der deutschen Kreditinstitute messen ihre Klimarisiken nicht, kritisierte Bundesbank-Vorstand Sabine Mauderer. Die BaFin habe hier inzwischen klare Erwartungen.

Teilhabe sicherstellen

Die Sparkasse Gelsenkirchen gehört in Sachen Nachhaltigkeit bereits zu den fortgeschrittenen Instituten bundesweit. Vorstandsvorsitzender Bernhard Lukas forderte klare Vorgaben, was als nachhaltige Investition gelten könne. Genossenschaftliche und Sparkassenvertreter verwiesen aber auch darauf, dass harte Nachhaltigkeitskriterien oder hohe Nachweispflichten Unternehmen praktisch und wirtschaftlich überfordern können.

Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassenverbandes, warnte davor, Strukturen kaputt zu machen, die das Land Jahrzehnte getragen hätten, nur um sie danach neu wieder aufbauen zu müssen. Man dürfe jetzt Unternehmen, die in der Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften noch aufholen müssten, nicht deshalb zurücklassen oder gar „von der Transformationsfinanzierung ausschließen“. 

Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts, hatte sich kürzlich dagegen ausgesprochen, mit Mitteln der Finanzpolitik Klimapolitik zu machen. Das Ziel von Regulierung im Bankbereich müsse stets die Finanzstabilität sein. 

Schwerpunkt Transformationskredite

Die HSBC ist als globaler Konzern schon tief in die Transformationsfinanzierung eingestiegen. So will die Bank mittelfristig nicht nur die eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten messen, sondern auch die Fortschritte der Kunden nachverfolgen.

Doch auch sie wendet sich gegen einen zu engen Maßstab: „Wir dürfen nicht sagen ‚alles was nicht grün ist, ist schmutzig‘“, betonte Carola von Schmettow, Sprecherin des Vorstands bei HSBC Deutschland. Ohnehin sei „der Zug losgefahren“, und das Engagement bei nachhaltigen Finanzierungen werde sich stark beschleunigen.

Anreize statt Überforderung

Für Alexander Wuerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, darf eine ambitionierte Nachhaltigkeitsregulierung „im guten Geiste“ nicht so weit gehen, dass Einzelfälle bei Kreditentscheidungen nicht mehr bedacht werden können.

 

Ebenfalls im virtuellen Talk: Bernhard Lukas (unten links) und Alexander Wuerst (unten rechts).

 

Als Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung setzt sich die die Kreissparkasse Köln dafür ein, dass junge, nachhaltig ausgerichtete Geschäftsmodelle durch staatliche Bürgschaften besichert werden. Dies sei sinnvoll, damit neue Branchen leichter finanziert werden können.

Ähnlich argumentierte Bernhard Lukas als Erfahrung der Sparkasse Gelsenkirchen. Die politisch gewünschte Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften brauche neben dem eigenen Einsatz der Institute „die gesamte Klaviatur des Fördergeschäfts“. Bei Förderkrediten im Zusammenhang mit der Energiewende sind die Sparkassen bereits führend.

Anke Bunz
– 16. November 2020