Zurück
Versicherer / aktualisiert
Der Juni wird teuer
Die Serie von Unwettern im Juni wird die deutschen Versicherer nach vorläufigen Schätzungen rund 1,7 Milliarden Euro kosten. Allein die SV Versicherung erwartet einen Schadenaufwand im dreistelligen Millionenbereich.

Hagelschlag und Starkregen hätten allein an Gebäuden einen versicherten Schaden von einer Milliarde Euro angerichtet, teilte der Versichererverband GDV am Donnerstag (8. Juli) in Berlin mit. Auf die Kfz-Versicherer kommen 700 Millionen Euro zu, weil der Hagel 275.000 Autos beschädigte. "Es hat sich erneut gezeigt, welch große Schäden Hagel und Starkregen innerhalb kürzester Zeit anrichten können", sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen.

 

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

SV geht von Aufwand von 150 bis 200 Millionen Euro aus

Besonders stark betroffen von den Unwettern war unter anderem der Südwesten Deutschlands - und damit Teile des Geschäftsgebiets der SV Versicherungen. "Für die Unwetter vom 21. bis 29.Juni haben uns inzwischen mehr als 26.000 Schadenmeldungen unserer Kunden erreicht, und täglich kommen noch weitere dazu", sagt Ralph Eisenhauer, Vorstand Schaden/Unfall der SV. "Insgesamt gehen wir aktuell von einem Gesamtschadenaufwand in der Größenordnung von 150 bis 200 Millionen Euro aus."

Die Schadenschwerpunkte der Kunden der SV liegen in Baden-Württemberg. Hier sind die Regionen Oberschwaben, Alb-Donau, Reutlingen, Stuttgart und Tübingen sowie einzelne Gemeinden im Schwarzwald besonders stark betroffen.


Nur "Andreas" hat mehr gekostet

Zwischen dem 18. und 30. Juni waren mehrere Unwetter vor allem über den Süden Deutschlands hinweggezogen. Mit solchen Unwettern müsse künftig häufiger und in größere Intensität gerechnet werden, sagte Asmussen. Für die Sachversicherer sei das der zweitgrößte Unwetterschaden der vergangenen 20 Jahre. Nur der Hagelsturm "Andreas" habe sie 2013 mit zwei Milliarden Euro mehr gekostet, einen heftigeren Starkregen gab es zuletzt 2016.

Innerhalb von zwei Wochen richteten Hagel und Überschwemmungen damit mehr Schaden an als Naturkatastrophen im gesamten Jahr 2020. Damals hatten die Versicherer laut GDV 1,95 Milliarden Euro für Naturgefahren ausgeben müssen.

Oft nicht gegen Regen und Hochwasser versichert

Insgesamt liegt der Unwetterschaden wohl noch höher. Denn in Deutschland sind zwar fast alle Häuser gegen Sturm und Hagel versichert, nur 46 Prozent aber auch gegen Regen und Hochwasser.

Im Vorjahr hatten die Versicherer für Beschädigungen durch Sturm, Hagel und weitere Naturgefahren rund 2,5 Milliarden Euro geleistet. 2020 galt als "unterdurchschnittliches Schadenjahr", vor allem, weil schwere Hagelereignisse ausgeblieben waren.

(rts, DSZ)

(Bild oben: Shutterstock)
– 9. Juli 2021