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Wertpapiere / Corona
Angst vor neuer Welle setzt Börsen zu
Ein drohender Rückschlag bei der Erholung der Weltwirtschaft bereitet der Börsenrally ein vorläufiges Ende. Die Spannungen zwischen den USA und China trüben die Stimmung zusätzlich.

„Es setzt sich immer mehr die Meinung durch, dass die Kurse zu weit gelaufen sind“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa eineinhalb Prozent auf 12.603 und 3294 Punkte.

Im Streit um Ressourcen im Südchinesischen Meer verschärften die USA den Ton gegenüber China. Man werde nicht zulassen, dass China das Gebiet als sein Seereich behandle. Die Volksrepublik beansprucht 90 Prozent des Gebiets für sich, auf das jedoch auch andere Staaten wie Vietnam, Taiwan und den Philippinen zum Teil Anspruch erheben.

„Dies demonstriert den Willen Washingtons, China an verschiedenen Fronten zu bekämpfen“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Pandemie lähmt Weltwirtschaft

Sorge bereitete Börsianern die Entwicklung der Coronavirus-Krise, nachdem Kalifornien und Hongkong die Pandemie-Beschränkungen wieder verschärft hatten. Die große Frage sei nun, ob die neue Runde von Lockdowns so umfangreich sei, dass sie das Wirtschaftswachstum schädigt, sagte Anlagestratege Junichi Ishikawa vom Brokerhaus IG.

Unterdessen leidet die britische Konjunktur immer noch unter dem Coronaschock. „Falls es eine V-förmige Erholung gibt, befindet sich die britische Wirtschaft am unteren Ende des V“, kommentierte Ulas Akincilar, Chef-Händler des Online-Brokers Infinox, den leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung nach dem vorangegangenen Rekord-Einbruch. Das Pfund Sterling büßte jeweils 0,3 Prozent auf 1,2510 Dollar und 1,1030 Euro ein.

Vor diesem Hintergrund flüchteten einige Anleger in „sichere Häfen“ wie Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,442 Prozent. Auch die Weltleitwährung war gefragt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gewann 0,2 Prozent. Die Dollar-Stärke lastete zwar auf dem Goldpreis, weil es das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA verteuert. Mit 1798,14 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) blieb die „Antikrisen-Währung“ aber in Reichweite ihres jüngsten Neun-Jahres-Hochs.

Technologiewerte im Minus – US-Banken im Blick

Zu den größten Verlierern an den Aktienmärkten zählten die Technologiewerte, nachdem an der Wall Street der Nasdaq seine Rekordjagd vorläufig beendet und gut zwei Prozent verloren hatte. Der europäische Branchenindex büßte mehr als drei Prozent ein.

Unmittelbar vor Bekanntgabe ihrer Quartalsergebnisse gaben die Titel der Großbanken J.P. Morgan, Citigroup und Wells Fargo im vorbörslichen US-Geschäft ebenfalls nach.

Bei den Instituten müsse mit weiter steigenden Rückstellungen für faule Kredite gerechnet werden, prognostizierte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. „Wir könnten aber auch einige Lichtblicke sehen, zum Beispiel bei den Einnahmen aus dem Handelsgeschäft wegen höherer Kursausschläge an den Börsen.“ (rtr)

14. Juli 2020