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Finanzbildung
Die Geldbildungslücke
Finanzfachmann und Selfmade-Millionär Philipp J. Müller plädiert für eine fundierte und umfassende Geldbildung in den Schulen, von der ersten Klasse bis zum Abschluss.

Vor ein paar Jahren rief die Mathelehrerin meines Sohnes, eine sehr gute und engagierte Lehrerin, bei uns zu Hause an. „Herr Müller, wir müssen reden!“ Bei dem Gespräch kam heraus, dass mein Sohn in einer der etwa zehn bis 15 Stunden, die es in der gesamten Schullaufbahn unserer Kinder zum Thema „Geld“ gibt, vor der ganzen Klasse bemerkt hatte: „Aber da fehlen die großen Scheine ab dem Fünfziger aufwärts.“ 

„Und?“ fragte ich ratlos zurück. „Ich habe ihm gesagt, dass das noch nichts für ihn ist.“ Ich erklärte ihr, was das aus meiner Sicht bei den Kindern bewirkt. Kinder glauben dann, dass das echte Geld nur was für Erwachsene ist und verlieren das Interesse.

Münzen aus dem Pappbogen

Nach dem Telefonat erinnerte ich mich an meine eigene Schulzeit. Auch bei mir kamen die großen Scheine nicht vor. Wir haben – wie heute meine Söhne in der Grundschule – aus einem vorgestanzten Pappbogen Münzen und Scheine herausgedrückt. Das machte Spaß, auch das Kopfrechnen mit dem Münzgeld und den kleinen Scheinen. Aber es hatte für mich nichts mit dem echten Leben zu tun. In dem Moment wurde mir klar, was ich lange Zeit nicht genug bedacht habe, obwohl ich täglich mit Geldthemen beschäftigt bin.

In den Schulen findet kaum echte finanzielle Bildung statt. Große Scheine kommen gar nicht erst vor.

Was habe ich in der Schule gelernt über Geldverdienen, Steuern, Vermögensaufbau und Investitionen? Über das Finanzsystem, in dem wir leben? Nichts. Und es hat sich seit meiner Schulzeit auch fast nichts verändert. Bisher fehlt fast alles, was bereits Kinder lernen könnten, um auf ein erfolgreiches, freies Leben vorbereitet zu werden, mitten in einem kapitalistischen, von Geld angetriebenen System.

Ein eigenes Schulfach

Wenn man danach geht, wie sehr Geld unser Leben, die Politik und alle Arten von Entscheidungen in der Welt beherrscht, müsste Geld ein eigenes Schulfach sein. Wie Mathematik, Deutsch, Englisch und Biologie. Was könnte sich für die Menschen alles verbessern, wenn echte finanzielle Bildung in den Schulen stattfinden würde?

Kinder und Jugendliche sollten mehr lernen dürfen, als Münzen und Scheine zusammenzuzählen und Euro in Dollar umzurechnen. Auch Themen wie Kaufen, Verkaufen, Kapitalismus, Steuern, Sparen, Spenden, Schulden und Schuldenabbau, Zinsen, Börse und Bilanzen-Lesen gehören dazu. Des Weiteren Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, Rhetorik, Unternehmertum, Verhandeln, Menschen begeistern und Menschen führen.

Konkret wären das zum Beispiel folgende Inhalte für Geldbildung in den Schulen:

  • Ein Bewusstsein für Geld als wichtigen Teil unseres Lebens entwickeln.
  • Eine gute Beziehung zu Geld entwickeln: Geld ist weder schmutzig, noch kann man nur durch Betrügen zu viel Geld kommen, auch wenn viele so denken.
  • Auf die Monetarisierung von Wert fokussieren, mit der Leitfrage: „Was ist meine Leistung wert und wie kann ich dafür sorgen, dass die Leistung angemessen honoriert wird?“.
  • Bewusster Umgang mit Schulden: Schon Kinder sollten lernen, wie man zum Beispiel Konsumschulden vermeiden kann und ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Schulden enorm belasten können.
  • Das Finanzsystem verstehen, mit Banken und Sparkassen, mit Börse und Aktienhandel, mit unserem Steuersystem sowie den staatlichen und privaten Sicherungssystemen.
  • Die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge verstehen.
  • Die wichtigsten Anlagekategorien für Vermögen kennen: Sparen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe.

Mehr Eigenverantwortung und eine positive Beziehung zu Geld sind die Basis, um sich mit dem Thema Geld weiterzuentwickeln.

Durch die Investition von Zeit und positiven Emotionen entwickelt sich die Beziehung weiter, vertieft und festigt sich. In der Regel ist dann auch „wie von selbst“ nach und nach mehr Geld vorhanden. Eine fundierte und umfassende Geldbildung in den Schulen, von der Grundschule bis zum Abschluss, würde die Menschen daher von klein auf in die Lage versetzen, sich ihr Leben lang in Gelddingen besser aufzustellen und in größerer finanzieller Fülle zu leben.

Über den Autor

Philipp J. Müller ist Unternehmer und Selfmade-Millionär und hilft dabei, ein neues Geldbewusstsein zu entwickeln und ein wohlhabendes Leben zu führen. In seiner Investmentakademie und mit seinem Bestseller „GeldRICHTIG“ gibt er sein in 25 Jahren entwickeltes Wissen weiter. www.philippjmueller.de

 

Philipp J. Müller
– 4. Januar 2021