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Niedersachsen-Tourismus
Pandemie hinterlässt tiefe Spuren
Hohe Fixkosten und geringe Liquidität erschweren die Krisenbewältigung, doch die Ferienwohnungen in Niedersachsen geben Grund für Optimismus. Das ergab das Sparkassen-Tourismusbarometer 2020 für Niedersachsen.

Niedersachsens rund 5700 gewerbliche Beherbergungsbetriebe verzeichneten 2019 knapp 1,3 Millionen Übernachtungen mehr als im Vorjahr (plus 2,8 Prozent) und verbesserten ihr Übernachtungsvolumen auf 46,2 Millionen. In elf der 13 niedersächsischen Tourismusregionen stieg die Nachfrage.

„Auch, wenn die Stimmung in der Tourismusbranche im Moment sehr verhalten ist, machen die gute Entwicklung in 2019 und die positive Stimmung in der Branche bis Anfang 2020 Hoffnung auf einen dynamischen Wiedereinstieg des Niedersachsen-Tourismus in die Phase nach der Coronakrise“, kommentiert Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen, die Ergebnisse des Tourismusbarometers 2020. Die Entwicklungsspanne reichte von minus 2,4 Prozent (Region Unterelbe-Unterweser) bis plus 6,0 Prozent (Oldenburger Land).

Nach einem guten Start ins Jahr 2020 mit plus 4,4 Prozent bei den Übernachtungen im Januar und Februar trafen die Auswirkungen der Coronakrise die Branche mit voller Wucht: Für den März weist das Statistische Landesamt minus 48,2 Prozent, für den April in der Lockdown-Phase minus 90,2 Prozent aus. Nach einer Hochrechnung der Tourismusberatung DWIF ist für den Zeitraum März bis Mai 2020 mit Umsatzeinbußen von rund drei Milliarden Euro in den niedersächsischen Destinationen zu rechnen (davon Übernachtungstourismus 1,4 Milliarden und Tagestourismus 1,6 Milliarden Euro).

Existenzen trotz Soforthilfen bedroht

Die niedersächsischen Hotel- und Gaststättenbetriebe weisen im Durchschnitt eine Eigenkapitalquote von rund 16 Prozent auf und sind damit im Mittel besser aufgestellt als der Bundesdurchschnitt. „Bei insgesamt eher niedrigen Eigenkapitalquoten weist das Gastgewerbe aber traditionell hohe Fixkosten und eine geringe Liquidität auf. Dadurch verfügen die meisten Betriebe kaum über die notwendigen Reserven, um derartige Krisen monatelang durchzustehen“, bilanziert Mang.

„Personal- und Mietaufwandsquoten von etwa 40 Prozent binden Liquidität und niedrige Cashflow-Raten erschweren notwendige Modernisierungsmaßnahmen. Unsere Sparkassen haben daher in den vergangenen Monaten rund 200.000 Beratungsgespräche allein zu dieser Thematik geführt“, so Mang weiter.

 

 

Qualität ist so wichtig wie eh und je

Investitionen in die Qualität der Ausstattung und Verbesserungen der Serviceleistungen sind die Basis für zufriedene Gäste. 2019 hat sich die Kundenzufriedenheit um 0,5 Punkte auf 85,2 von maximal 100 Punkten verbessert (Bundesdurchschnitt: Erhöhung um 0,7 Punkte auf 85,8 Punkte).

Besonders deutlich stieg die Zufriedenheit in Niedersachsen mit dem Preis und der Ausstattung, allen voran bei Zimmern und Außenlagen. Positive Qualitätssignale kommen von den Küsten sowie aus dem Flach- und Hügelland vom Emsland bis zur Lüneburger Heide. Die niedersächsischen Mittelgebirge und Städteregionen platzieren sich schlechter als der Bundesdurchschnitt.

Ferienwohnungsmarkt liegt im Trend

Ein wichtiges touristisches Segment ist in Niedersachsen der Ferienwohnungsmarkt. „Vor allem in den ländlich geprägten Regionen, an den Küsten und in den Mittelgebirgen schafft die Vermietung von Ferienwohnungen und -häusern Arbeitsplätze, ermöglicht Existenzgründungen, stützt die Auslastung von kommunalen und privaten Einrichtungen und birgt Entwicklungspotenzial für strukturschwache Regionen“, so Mang.

Bereits in den letzten Jahren lag der Ferienwohnungsmarkt im Trend und jetzt hat diese individuelle und autarke Urlaubsform auch beste Chancen, gemeinsam mit dem Campingtourismus als Gewinner aus der Coronakrise hervorzugehen, denn sie ermöglicht es insbesondere, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Laut amtlicher Statistik gab es im Juli 2019 in Niedersachsen über 1700 Ferienhäuser und -wohnungen mit knapp 65.000 angebotenen Betten. Hinzu kommen sechs Ferienzentren mit über 11.000 Betten und viele Tausend Privatvermieter sowie das Sharing-Segment, die in keiner Statistik erfasst sind.

Ferienwohnungsmarkt: Erlebnisse machen den Unterschied

Für die Buchung von Ferienunterkünften sind Online-Portale weiter auf dem Vormarsch und seit einigen Jahren mischen Global Player wie booking.com im Ferienwohnungsmarkt mit. Die Vermieter sind gefordert, den jeweils erfolgversprechendsten Vertriebsmix für das eigene Angebot zu suchen.

Mit der reinen Standard-Übernachtungsleistung werden sich Anbieter in den kommenden Jahren kaum noch von der Konkurrenz absetzen können. Um am Markt erfolgreich zu sein, seien ein klares Profil, zielgruppenspezifische Angebote und entsprechende Zusatzservices erforderlich. Der Erlebnisfaktor zählt und hierfür identifiziert das Sparkassen-Tourismusbarometer sechs zentrale Handlungsfelder.

 

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17. Juli 2020