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OSV
Ermrich: Wir brauchen Ausweg aus Minuszinspolitik
Der Ostdeutsche Sparkassenverband berichtet über neue Rekorde bei Einlagen und Krediten im ersten Halbjahr. Die Nullzinspolitik der EZB gefährde die private Altersvorsorge vieler Sparer, kritisierte der Geschäftsführende OSV-Präsident Michael Ermrich.

Die 43 Mitgliedssparkassen im Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) engagieren sich weiter für die Menschen und die heimische Wirtschaft, trotz Regulierungswut, Minuszinsen und Margenverfall, sagte bei der Halbjahrespressekonferenz Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands. Ermrich und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender bekräftigten vor Journalisten in Berlin, dass die Sparkassen ihre Marktführerschaft verteidigen werden.

 

Der Geschäftsführende OSV-Präsident Michael Ermrich (rechts) und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender präsentieren in Berlin die Halbjahreszahlen.

Ermrich erneuerte seine Kritik an der Minuszinspolitik der EZB, die wesentliche marktwirtschaftliche Prinzipien aushebele. Sie treffe vor allem Kleinsparer, die nicht auf Aktien und Wertpapiere setzen könnten. Insbesondere deren Altersvorsorge werde erschwert: „Die EZB belohnt Hedge-Fonds und straft Vorsorge-Sparer. Zudem verfehlt die EZB ganz offensichtlich mit ihrer Politik deutlich ihre festgesetzte eigene Zielinflation. Wir benötigen einen breiten, gesellschaftlichen Dialog über Auswege aus der misslichen Lage.“

Die Inflation liege bei vier Prozent, fünf bis sechs Prozent seien möglich, sagte Ermrich, die Zinsen lägen deutlich unterhalb der Inflationsrate: „Damit werden alle Modelle, die neben der gesetzlichen Rente auch auf private Vorsorge setzten, beispielsweise die Riester-Rente, zur Makulatur, denn die Grundannahmen stimmen nicht mehr“, so der Geschäftsführende OSV-Präsident. Die Politik stehe in der Verantwortung, für Ausgleich zu sorgen, denn viele Rentner könnten von ihrer gesetzlichen Rente nicht mehr leben, trotz lebenslanger Arbeit.

 

Nullzinsen und Inflation machten private Sparmodelle zur Makulatur, kritisierte der Geschäftsführende OSV-Präsident Michael Ermrich.

Trotz Corona: Den Mittelstand gibt es immer noch, die Sparkassen auch

Sparen, Altersvorsorge und Sparkassen seien in Deutschland untrennbar miteinander verbunden. Der OSV erwarte von der Politik, besonders von der neuen Bundesregierung, „dass sie sich weiterhin klar zum Erfolgsmodell Sparkasse bekennen und allen europäischen Versuchen entgegentreten, einen Griff in die Geldbeutel der Sparer und der Sparkassen zu versuchen. Wir erwarten auch, dass Versuchen, unser Geschäftsmodell über europäische Gesetzgebung und Regulierung zu schädigen, ein Riegel vorgeschoben wird“, sagte Ermrich.

Sparkassen bewältigten die Pandemie und die Folgen gut und trügen mit passenden Finanzierungslösungen dazu bei, dass gut geführte, erfolgreiche Unternehmen coronabedingte Durststrecken überbrücken könnten. Zudem vertrauten die Kunden den Sparkassen mehr Geld an denn je. Die Prophezeiung, mittelständische Kunden würden die Coronakrise wegen mangelnder Aufträge nicht überleben, sodass auch Sparkassen und Volksbanken dem Untergang geweiht seien, habe die Realität widerlegt: „Sparkassen gibt es noch und an ihrer Seite ist auch der ostdeutsche Mittelstand erfolgreich.“

Ausdrücklich warnte Ermrich vor zu viel Bürokratie zulasten von Kunden und Sparkassen. Das BGH-Urteil zu AGB-Änderungen stelle ein eingespieltes System infrage. Die Kunden müssten künftig nahezu allen Entgeltänderungen schriftlich zustimmen und je nach Verfahren eine Papierflut hinnehmen. Das betreffe beispielsweise auch Stromversorger. Ermrich versprach den Kunden praktische, elektronisch gestützte Lösungen.

 

Sparkassen werden ihre Marktführerschaft verteidigen, sagte Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender.

Kreditvergabe liegt eine Milliarde Euro über dem Schnitt

  • Die Kreditvergabe der OSV-Sparkassen lag im ersten Halbjahr um knapp eine Milliarde über dem langjährigen Durchschnitt der Vorpandemiezeit. Die Sparkassen bewilligten in diesem Zeitraum neue Kredite in Höhe von 7,4 Milliarden Euro, 8,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
     
  • Auf Unternehmen und Selbstständige entfielen 3,5 Milliarden Euro, auf Privatpersonen 3.5 Milliarden Euro. Stark nachgefragt waren nach wie vor Wohnungsbaukredite. Die Sparkassen bewilligten Kredite mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von mehr als 22 Prozent.

Kreditvolumen wächst weiter

Das Kreditvolumen der 43 Sparkassen stieg im ersten Halbjahr um 2,1 Milliarden Euro auf 67,6 Milliarden Euro, ein Plus von 3,2 Prozent.

  • Bei Unternehmen und Selbstständigen wuchs das Kreditvolumen im ersten Halbjahr um 918 Millionen Euro oder 2,8 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro. 
     
  • Bei Privatpersonen wuchs das Kreditvolumen um 1,3 Milliarden Euro oder 4,7 Prozent auf 28,5 Milliarden Euro. Bei öffentlichen Haushalten/Sonstigen verzeichneten die Sparkassen einen Rückgang um 88 Millionen Euro (minus 1,5 Prozent).

 

OSV-Zentrale am Spittelmarkt in Berlin.

Einlagenwachstum weiter dynamisch – kurzfristige Anlagen gefragt

Seit Jahresbeginn stiegen die Einlagen um 4,6 Milliarden Euro auf eine neue Rekordhöhe von 125 Milliarden Euro (plus 3,8 Prozent). Der Zuwachs ist mehr als doppelt so hoch wie in Vorpandemiezeiten. Dabei hielt der Trend zu kurzfristig verfügbaren Anlagen an.

  • Sichteinlagen wuchsen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 6,1 Prozent auf 81,4 Milliarden Euro (Vorjahresmonat 70 Milliarden Euro).
     
  • Der Bestand an Spareinlagen mit normaler Verzinsung erhöhte sich um 3,6 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro (Vorjahresmonat 15,4 Milliarden Euro).

Mehr Wertpapiergeschäft, wachsende Geldvermögen

  • Sparkassenkunden kauften Wertpapiere im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro und verkauften Papiere im Wert von rund 2,4 Milliarden Euro.
     
  • Der Nettoabsatz betrug somit 1,2 Milliarden Euro und lag damit 22,3 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.
     
  • Das Geldvermögen der Kunden wuchs in den ersten sechs Monaten um 5,8 Milliarden Euro (Vorjahr 5,4 Milliarden Euro).

Rentabilität: Sparkassen rechnen mit sinkendem Betriebsergebnis

  • Aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase stellen sich die OSV-Sparkassen derzeit erneut auf ein sinkendes Betriebsergebnis vor Bewertung von 0,70 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS) ein.
     
  • Zur Jahresmitte 2020  lag der entsprechende Erwartungswert bei 0,78 Prozent der DBS. Erreichen konnten die Sparkassen zum Jahresende 2020 hingegen 0,85 Prozent der DBS.
(Bild oben: OSV)
– 31. August 2021