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OSV-Tourismusbarometer
Vorläufiges Ende einer Erfolgsgeschichte
2019 war zwar wieder ein Rekordjahr, doch die Coronakrise hat den ostdeutschen Tourismus ausgebremst. Die Branche hofft auf einen Neustart – auch mithilfe neuer Arbeitsweisen.

Das soeben erschienene Sparkassen-Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) beschreibt 2019 als sechstes Rekordjahr in Folge. 80 Prozent der ostdeutschen Reisegebiete meldeten 2019 ein Übernachtungsplus.

Leuchtturm auf der Insel Hiddensee. Trotz Corona hofft die Tourismusbranche auch für 2020 auf gute Erträge.

Die Übernachtungen stiegen im Vorjahresvergleich um 2,6 Prozent auf 84,8 Millionen, die Besucherzahlen in der Freizeitwirtschaft um vier Prozent auf rund 30 Millionen. Die stabile Entwicklung spiegelte sich auch im Arbeitsmarkt wider. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im ostdeutschen Gastgewerbe nahm 2019 im Vorjahresvergleich um 2200 zu, hinzu kamen 400 geringfügig Beschäftigte.

Coronakrise trifft Tourismus hart – keine Reserven

Die Auswirkungen der Coronapandemie haben im Zeitraum von März bis Mai 2020 zu Umsatzeinbußen von rund 3,8 Milliarden Euro in den ostdeutschen Destinationen geführt, 2,2 Milliarden Euro im Übernachtungstourismus, 1,6 Milliarden Euro im Tagestourismus.

Beispielsweise entgingen den ostdeutschen Freizeit- und Kultureinrichtungen im Zeitraum von März bis Mai geschätzte 7,3 Millionen Besucher. Besonders für das ostdeutsche Gastgewerbe ist die Coronakrise eine harte Belastungsprobe. Angesichts der vergleichsweise niedrigen Eigenkapitalquoten von durchschnittlich rund 13 Prozent haben die meisten Betriebe kaum Reserven, um eine derartige Krise monatelang durchzustehen.

Qualität und Investitionen bleiben Erfolgsfaktoren

Umso mehr gilt es, sich auf Stärken zu besinnen. Das Tourismusbarometer nennt Qualität und Investitionen als entscheidend für die Gästezufriedenheit und eine höhere Wertschöpfung für den eigenen Betrieb.

Erfreulich ist, dass die Zufriedenheit der Übernachtungsgäste in Ostdeutschland nach dem aktuellen Trust Score um 0,8 Punkte weiter auf 84,7 Punkte gestiegen ist. Häufig kritisiert wurden in Ostdeutschland die Zimmerqualität und die Internetversorgung.

Mit agilem Arbeiten flexibler und schneller

Das Schwerpunktthema des Sparkassen-Tourismusbarometers behandelt „Agilität und New Work“. Die touristische Arbeitswelt verändere sich, heißt es, agiles Arbeiten werde auch im Tourismus immer wichtiger. Eine Mitarbeiterbefragung für das Tourismusbarometer ergab, dass 30 Prozent der Mitarbeiter in touristischen Betrieben in Ostdeutschland bereits agil arbeiten.

Im Gastgewerbe sind es 54 Prozent, gefolgt von 30 Prozent im Destinationsmanagement. Schlusslichter sind die Kultur- und Freizeiteinrichtungen (zehn Prozent) und die Verwaltung (vier Prozent). Agiles Arbeite helfe bei der Bewältigung von Krisensituationen und diene dazu, sich flexibler auf geändertes Gästeverhalten einzustellen.

Hoffen auf volle Strände: Um den neuen Gegebenheiten aktiv begegnen zu können, setzen Gastgewerbe und Destinationsmanagement verstärkt auf agiles Arbeiten im Tourismus.

Mensch im Fokus

Beim agilen Arbeiten stehe der Mensch im Fokus. Künftig zähle, gemeinsam etwas für den Erfolg des Betriebs zu erreichen. Dazu übernehmen Mitarbeiter mehr Verantwortung, alleine und in Teams. Sie werden von den Führungskräften in Entscheidungsprozesse einbezogen und an der Gestaltung von Lösungen beteiligt, ihr Potenzial besser genutzt.

Chefs werden zu Coaches. Das Sparkassen-Tourismusbarometer liefere für dieses Zukunftsthema Leitsätze und einen agilen Fahrplan für den Start in die Praxis. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.

In den kommenden Monaten sollen die Tourismusbarometer der verschiedenen ostdeutschen Bundesländer erscheinen. Auch unter tourismusbarometer.de gibt es aktuelle Informationen.

3. Juli 2020