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Ostdeutscher Sparkassenverband
Wohin geht die Reise?
Die Coronakrise hat die gute Entwicklung des Tourismus in Ostdeutschland ausgebremst und notwendige Veränderungen deutlich gemacht.

Im Vorfeld der ITB Berlin, der Leitmesse der weltweiten Tourismusbranche, hat der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) erste Ergebnisse seines Sparkassen-Tourismusbarometers vorgestellt. Die Präsentation wurde aus dem verbandseigenen Hotel am Templiner See in Potsdam an rund 600 Teilnehmer live übertragen.

Die Coronakrise hat die Tourismusbranche in Deutschland schwer getroffen: Im Jahr 2020 verzeichneten die Beherbergungsbetriebe in Deutschland 302 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste, das sind 39 Prozent weniger als im Vorjahr, so das Statistische Bundesamt. Gegen Ende des Jahres brachen die Zahlen noch einmal richtig ein: Im November wurden 72 Prozent weniger Übernachtungen verbucht als im Vorjahresmonat, im Dezember waren es 78 Prozent weniger.

Weniger Einbußen im Osten

Das ostdeutsche Gastgewerbe ist dabei etwas glimpflicher davon gekommen als der bundesweite Durchschnitt, da die Marktanteile an Geschäftsreisenden, Messe- und Kongressbesuchern und internationalen Gästen in Ostdeutschland traditionell geringer sind – und gerade diese Segmente von der Pandemie besonders stark betroffen waren. Zwischen März und Dezember 2020 beklagten die ostdeutschen Destinationen einen Umsatzausfall von 6,7 Milliarden Euro. Bundesweit sind es 68,7 Milliarden Euro.

Die Betriebe hatten im Jahr 2020 im Durchschnitt rund 100 Tage geschlossen, an fast genauso vielen durften sie nur mit Einschränkungen öffnen. Nur etwa sechs Monate blieben, um den gesamten Jahresumsatz zu erwirtschaften.  

Die Fontane-Stadt Neuruppin wurde mit dem Marketing-Award des OSV ausgezeichnet: Es sei gelungen, so die Laudatio, das Fontane-Gedenkjahr 2019 mit frischen Ideen ins Jahr 2020 zu verlängern.

Alle Segmente mussten 2020 im Vergleich zum Normaljahr 2019 Übernachtungsrückgänge hinnehmen. In Anbetracht der regionalen Coronabestimmungen und Hygiene-Regeln verwundert es nicht, dass der geringste Umsatzrückgang im Bereich Camping und Caravaning (minus fünf Prozent) ausgewiesen wird – und der größte bei Gruppenunterkünften (minus 60 Prozent).

Eine Prognose, wie sich der Tourismus nach Abklingen der Pandemie entwickeln wird, könne nicht gegeben werden, so Lars Bengsch und Karsten Heinsohn vom Beratungsunternehmen dwif-Consulting. Von einem zögerlichen Aufwärtstrend bis zum "Revenge-Travel", einem lustvollen Nachholen alles Versäumten, sei alles möglich.

Das Qualitätsniveau unter Krisenbedingungen zu halten, ist offenbar auch nicht allen Betrieben gelungen. In Ostdeutschland ist der Trust Score, die Kennziffer für Gästezufriedenheit, um 0,8 Punkte auf 84,9 Punkte zurückgefallen. Deutschlandweit sank der Trust Score um 0,6 Punkte auf 85,8 Punkte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis, mit dem die Regionen im Osten der Republik bis vor Kurzem noch punkten konnten, wird heute sogar schlechter eingeschätzt als im Bundesdurchschnitt.

Digitale Präsenz wichtiger denn je

Das Sparkassen-Tourismusbarometer empfiehlt eine transparente Kommunikation von Maßnahmen und Reglementierungen. Die Gäste informieren sich in der Regel über Online-Kanäle. Also ist die Präsenz im Internet und in sozialen Medien wichtiger denn je, sagt der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands Michael Ermrich.

Außerdem müssen Betriebe ihre Liquidität sichern. Die Bilanzzahlen müssen exakt analysiert werden, so Ermrich. Instrumente wie Kennzahlenmonitoring oder eine Business Impact Analyse sollten genutzt werden, um die strategische Ausrichtung des Betriebs festzulegen. Mehr als drei Viertel der Gastronomiebetriebe und mehr als zwei Drittel der Beherbergungsbetriebe in Ostdeutschland geben an, in den nächsten Jahren keine Investitionen tätigen zu können.

Marketing-Award soll Mut machen

Besonderen Ideenreichtum in dieser Zeit prämierte der OSV-Marketing-Award „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft 2021“. Michael Ermrich zeichnete je einen Preisträger aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. In Thüringen wird dieser Wettbewerb vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen ausgelobt. Preisträger sind unter anderem ein Hotel, dessen außergewöhnliches Interior Design gleich käuflich erworben werden kann, und eine Kulturreihe, die Social Distancing mithilfe schwimmender Inseln im Stausee sicherstellte. Porträts der Sieger gibt es hier als Videoclips.

Ausführliche Informationen finden Sie im angehängten Dokument unten.

Silvia Besner
– 4. März 2021
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