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Brexit
Gespräche kommen kaum voran
Mit wachsender Sorge blicken Börsianer auf die nächste Runde der Brexit-Verhandlungen. Der britische Premierminister Boris Johnson fordert eine Einigung bis zum 15. Oktober, sonst werde es einen harten Bruch mit der EU geben.

Die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU sind seit Monaten festgefahren. Ein Knackpunkt ist die Ausgestaltung der Grenzkontrollen zwischen Irland und dem britischen Nordirland.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Spannungen jetzt durch ein Ultimatum verschärft. Johnson verlangte einen Tag vor der neuen Gesprächsrunde in London eine Einigung bis zum 15. Oktober. Andernfalls könne es kein Handelsabkommen zwischen beiden Seiten geben.

Fordert eine Einigung bis zum 15. Oktober, sonst könne es kein Handelsabkommen zwischen beiden Seiten geben: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson.

Die britische Regierung wies unterdessen einen Medienbericht zurück, sie werde sich nicht an die Brexit-Vereinbarungen mit der Europäischen Union halten. Die Regierung bleibe den Abmachungen über das Ausscheiden aus der EU sowie den Festlegungen bezüglich Irlands verpflichtet, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme aus London.

Zuvor hatte die „Financial Times“ geschrieben, komme es nicht zu einem Vertrag über die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit, wolle die Regierung in London Teile des Vertrages über die Abspaltung des Vereinigten Königreichs nicht umsetzen.

Übergangsphase läuft noch bis Jahresende

Großbritannien ist im Januar aus der EU ausgetreten. Bis Jahresende gilt aber noch eine Übergangsphase, in der die künftigen Beziehungen etwa im Bereich Handel geklärt werden sollen. EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte kürzlich darauf verwiesen, dass bis spätestens Ende Oktober eine Vereinbarung stehen müsse, damit der Ratifizierungsprozess rechtzeitig bis Jahresende abgeschlossen werden könne.

Gelingt keine Einigung, droht ein ungeregelter Austritt Großbritanniens. Experten warnen in einem solchen Fall vor schweren wirtschaftlichen Folgen für beide Seiten. Die Sorgen machten sich auch am Finanzmarkt bemerkbar: Das Pfund Sterling fiel um rund ein halbes Prozent zu Dollar und Euro.

Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), teilte mit: „Ein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ist ein Gebot der ökonomischen Vernunft. Angesichts der Herausforderungen der Coronapandemie wäre ein No-Deal-Szenario für alle Beteiligten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch ein schlechtes Signal.“ (rtr)

7. September 2020