Zurück
Burkerts Blick
Es gibt kein „Weiter so“!
Die Coronakrise verlangt nach einem Umdenken in der Politik, fordert LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert in seiner aktuellen Kolumne „Burkerts Blick“.

Was habe ich an dieser Stelle schon über Corona geschrieben? Vorschläge und Empfehlungen ausgesprochen, konkrete ökonomische Folgen angesprochen. Und wo stehen wir heute, ein Jahr nach dem ersten Shutdown? Vor einem Scherbenhaufen in Sachen Glaubwürdigkeit.

In Artikel 56 Grundgesetz heißt es als Amtseid für den Bundeskanzler, die Bundeskanzlerin: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Der Amtseid und Corona

Die Lockdown-Politik grenzt fast schon an Fahrlässigkeit. Sie versäumt es seit einem Jahr, das Gesundheitssystem coronatauglich zu stärken, Infektionsnachverfolgungen digital, umfänglich und zielgenau zu erfassen oder ein Testchaos zu vermeiden. Stattdessen brachte sie uns eine im Vergleich zu anderen Ländern bürokratische Impfkampagne, die zunehmend den unnötigen Tod von Bürgerinnen und Bürgern mitzuverantworten hat.

Das widerspricht aus meiner Sicht dem geleisteten Amtseid von Kanzlerin und MinisterpräsidentInnen. Dass ein verschärfter Oster-Lockdown als notwendig erachtet wurde, war nur deshalb zu verstehen, weil man sich einer Veränderung der Ausgangslage mit der – absehbar – raschen Ausbreitung der britischen Virus-Mutation nicht entsprechend gestellt hat.

Impfreserven mobilisieren – jetzt!

Aus meiner Sicht muss jetzt alles dafür getan werden, schnell und stringent nach Impfplan möglichst viele Menschen in unserem Land erstzuimpfen und dann die Zweitimpfung bei Lieferung der deutlich größeren verfügbaren Impfstoffdosen im zweiten und dritten Quartal nachzuziehen. Dazu sind die Hausärzte und Betriebsärzte mit Impfdosen auszustatten. Sofort!

Dadurch wäre analog zu den USA oder Großbritannien eine schnellere Basissicherung möglich. Damit würde der Inzidenzwert an Bedeutung verlieren und Städte und Gemeinden mehr Spielraum für Lockerungen gewinnen. Aus meiner Sicht sollten sehr schnell auch Schülerinnen und Schüler geimpft werden, denn die Schäden bei Kindern und Jugendlichen, die momentan kaum schulische Bildung erhalten und auf soziale Kontakte verzichten müssen, sind nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht die größten Schäden, die die Coronakrise uns und der Zukunft unseres Landes zufügt.

Und daher erinnere ich alle Regierungsmitglieder an ihren Amtseid – und die Bürgerinnen und Bürger an die Beachtung der notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln.

Die Politik muss umdenken und in Sachen Impfungen konsequenter handeln, fordert LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert.
Uwe Burkert, LBBW
– 26. März 2021