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Coronafolgen – Standpunkt
Die deutsche Volkswirtschaft braucht die Sparkassen
„Die Sparkassen haben geliefert!“ Dieses Zwischenfazit zieht Walter Strohmaier, Bundesobmann der Sparkassen und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederbayern-Mitte, nach den ersten Krisenmonaten. Gleichzeitig ruft er zu Vernunft und Vorsicht auf.

Die Sparkassen haben in den letzten Monaten enorm viel geleistet, um den Geschäftsbetrieb unter Berücksichtigung der Infektionsgefahren aufrechtzuerhalten und die Kunden in diesen Krisenzeiten zu begleiten. Oberstes Ziel der Sparkassen war es, alle Kunden und vor allem die mittelständische Wirtschaft aktiv und konstruktiv zu begleiten.

Das Vertrauen in die Stabilität der Sparkasse und ihrer Dienstleistungen war zu jeder Zeit gegeben und auch gerechtfertigt. Im bundesweiten Krisenstab der Sparkassen-Finanzgruppe, bis hinein in jede einzelne Sparkasse wurde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Begleiterscheinungen und Folgen der Pandemie für unsere Sparkassen ebenso wie vor allem für unsere Kunden gering zu halten.

Vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren außerordentlich gefordert und haben in der gesamten Sparkassenorganisation Großartiges geleistet. Denn zunächst galt es, die gewaltigen Unsicherheiten im Umgang mit den Infektionsgefahren für Kunden und Mitarbeiter abzuarbeiten. Denn alleine in der Sparkasse Niederbayern-Mitte war das Beratungsaufkommen in den ersten Wochen fast viermal so hoch wie in normalen Zeiten und die Mitarbeiter waren trotz Pandemie enorm gefordert. Hier zeigte sich ganz deutlich, welch bedeutende Rolle die Sparkasse für Wirtschaft und Gesellschaft hat.

Und es zeigte sich auch – und das machen immer erst die Krisen unserer Zeit vielen Kunden so richtig klar –, welch wichtige Bedeutung das Hausbankprinzip hat. Durch die sehr guten, langjährigen und vertrauensvollen Beziehungen zu unseren Firmen und Unternehmenskunden konnten viele pragmatische, kurzfristige und individuelle Lösungen entwickelt werden.

Zinssituation belastet Sparkassen stärker

Insgesamt war und ist die Sparkassen-Finanzgruppe nach wie vor stark gefordert. Die Sparkassen unterhalten Geschäftsverbindungen zu rund zwei Dritteln der deutschen Unternehmen – schon allein daran lässt sich erkennen, wie stark die bundesweite Betroffenheit ist. Wie in den letzten Wochen bereits mehrfach von verschiedenen Medien berichtet, leisten die Sparkassen den Löwenanteil in der Krise. Sowohl mit Blick auf die Kreditvergaben als auch auf die Zahl der Tilgungsaussetzungen bei Privat- und Geschäftskunden.

Die Sparkassen-Finanzgruppe hat etwa 40 Prozent aller Fördermittel vergeben und ist damit die führende Bankengruppe bei der Krisenbewältigung Deutschlands. Nicht zuletzt deshalb wage ich den selbstbewussten Ausspruch: Die Volkswirtschaft Deutschland braucht die Sparkassen!

Die Coronakrise belastet die Sparkassen. Allerdings sind die Auswirkungen aus der Zinssituation aktuell stärker als die Auswirkungen der Coronakrise. Was die Ertragskraft anbelangt, wird „die rote Laterne“ in Europa von den deutschen Kreditinstituten getragen. Die Branche geht schon heute sehr schweren Zeiten entgegen. Wenn aus dieser Coronakrise nun eine lang anhaltende Wirtschaftskrise werden sollte, könnten wir es durchaus auch mit einer Bankenkrise zu tun bekommen.

Risiken bislang überschaubar

Bei aller Betroffenheit kann ich aber bisher sagen, dass die Liquiditäts- und Risikolagen in den Bilanzen der Sparkassen aktuell überschaubar sind und sich für mich besser darstellen als ich es eingeschätzt hätte. Persönlich erwarte ich die Einschläge im vierten Quartal dieses Jahres und vor allem im ersten und zweiten Quartal 2021. Denn die Unternehmen versuchen, mit geeigneten Maßnahmen auf die Umsatzrückgänge zu reagieren. Irgendwann sind aber auch diese Möglichkeiten erschöpft. Deshalb werden wir insgesamt schwierigen Zeiten entgegengehen, die sich aber im ersten Halbjahr noch nicht so drastisch in den Bankbilanzen niedergeschlagen haben. Das ist aber zu erwarten.

Die Pandemie ist noch lange nicht überwunden. Sowohl was die gesundheitlichen als auch die wirtschaftlichen Auswirkungen betrifft. Vor allem mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen sind wir in einem kritischen und instabilen Zustand, da wir nicht wissen, wie lange diese Krise noch andauern wird.

Die Sparkassen haben geliefert! Was die Bewältigung und das Management der Krise betrifft, die umfangreiche Krisen-Beratung von Privat- und Unternehmenskunden und die Versorgung mit Förderkrediten und öffentlichen Mitteln.

Wir müssen nun dafür sorgen und aufpassen, dass die Coronakrise nicht zu einer langen Wirtschaftskrise wird. Deshalb appelliere ich dazu, vernünftig und vorsichtig zu sein, auch aus ökonomischer Sicht. Vor allem weil die Wirtschaft gerade dabei ist, sich langsam vom Schock des Lockdowns zu erholen.

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Der Autor: Walter Strohmaier ist Bundesobmann der Sparkassen und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederbayern-Mitte.

 

2. September 2020