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Coronahilfe
Sparkassen unterstützen Gesundheitsämter
Sparkassen leisten in einigen Landkreisen überlasteten Gesundheitsämtern Amtshilfe. In den Regionen Neunkirchen, Esslingen und Heilbronn werden die Corona-Hotlines von der ortsansässigen Sparkasse mitbedient.

Mitte Oktober starteten die ersten Amtshilfen von Sparkassen bereits in den Landkreisen Esslingen und Heilbronn. „Unser Verwaltungsratsvorsitzender, Landrat Heinz Eininger, hat dem Vorstand unserer Kreissparkasse die Herausforderungen bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten geschildert“, erklärt Ulrich Unger, Pressesprecher der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

Das Hauptproblem sei gewesen, dass fehlende Ressourcen im Gesundheitsamt es erschwerten, Verdachtsfällen telefonisch nachgehen zu können. Der Vorstand habe spontan die Unterstützung der Sparkasse zugesagt. 

Ähnlich verlief es im saarländischen Neunkirchen, wo die Sparkasse Neunkirchen seit Anfang November die Corona-Hotline des Landkreises unterstützt. Die Mitarbeiterinnen der Direkt-Filiale der Sparkasse, die sonst Kunden der Sparkasse per Telefon, Videoberatung und Chat betreuen, erhielten seitens des Gesundheitsamtes vorab einen Handlungsleitfaden über die wichtigsten Infos und die am häufigsten gestellten Fragen, erläutert Pressesprecher Marko Becker. Zudem gebe es einen direkten Ansprechpartner im Gesundheitsamt, der dem Callcenter bei spezifischen Rückfragen zur Verfügung stehe. 

Im Kunden-Center der Kreissparkasse Heilbronn wurden 20 Mitarbeiter auf die Arbeit für die Corona-Hotline des Gesundheitsamtes vorbereitet und stehen nun bis auf Weiteres der Sparkasse und dem Amt zur Verfügung.

In Heilbronn betraf die Überlastung der Ämter sowohl den Landkreis als auch die Großstadt selbst. „Seit die Coronazahlen so deutlich in die Höhe gehen, sind die Gesundheitsämter der Stadt und des Landkreises Heilbronn am Limit“, sagt Sprecher Joachim Schmutz. Die Kreissparkasse Heilbronn sei deshalb mit ihrem Kunden-Center eingesprungen. 

Auch Entscheidungen über häusliche Quarantäne

Bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen hat Stefan Kaupp, Teamleiter des Kunden-Service-Centers, zusammen mit dem Gesundheitsamt ein Telefonkonzept für die Mitarbeitenden der Sparkasse erarbeitet. „In diesem Konzept wurde definiert, wie ein Telefonat mit den angefragten Personen abläuft“, sagt Unger.

Der standardisierte Vorgang sei deshalb wichtig, da die Mitarbeiter im Zuge des Gesprächs die Entscheidung treffen müssen, ob eine häusliche Quarantäne angeordnet werde und diese gegenüber der angerufenen Person auch aussprächen. 

In Heilbronn ist die Zusammenarbeit gewissermaßen automatisiert. Wenn die Hotline des Amtes überlastet ist, springen die Mitarbeiter der Sparkasse ein. „Mit unserem Kunden-Center verfügen wir über die Infrastruktur und die Technik, um die Gesundheitsämter wirksam zu unterstützen“, erläutert Schmutz. „Wenn die Hotline der Ämter besetzt ist, laufen die Anrufe automatisch in das Kunden-Center der Sparkasse über.“ 20 Mitarbeiter der Kreissparkasse wurden vom Amt mit Schulungsunterlagen auf den Einsatz vorbereitet und unterstützen nun die Hotline der Ämter.

Die Erleichterung seitens der Kommunalpolitiker angesichts dieser Amtshilfe ist spürbar. „Die Unterstützung des kommunikativ geschulten Personals der Sparkasse stellt eine Erleichterung für die Mitarbeiter unseres Gesundheitsamtes dar“, so Sören Meng, Landrat im Kreis Neunkirchen. „Damit können wir die enorm hohe Anzahl an Anrufern entzerren. Davon profitiert unser Gesundheitsamt, aber auch die Bevölkerung.“

Finanz Informatik ermöglicht schnelle Umsetzung

Die Verknüpfung von Gesundheitsamt und Sparkasse bringt einige technische und datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich. Doch auch hierbei zeigte sich das Zusammenspiel im Sparkassenverbund als unkompliziert. „Mit der schnellen und unkomplizierten Hilfe der Sparkassen Finanz Informatik wurde ein Zugang zum IT- und Telefonsystem des Gesundheitsamtes bewerkstelligt“, erläutert Unger.

Der punktuelle Zugriff auf die benötigten persönlichen Daten zur Kontaktverfolgung sei somit möglich. „Selbstverständlich unter Einhaltung der entsprechenden Datenschutzbestimmungen“, fügt der Pressesprecher hinzu.

Die Anrufer bekommen von diesen Fleißarbeiten im Hintergrund nichts mit. „Beim Angerufenen erscheint die Telefonnummer des Gesundheitsamtes auf dem Display“, sagt Unger. „Und die Kollegen melden sich als Mitarbeitende des Gesundheitsamtes.“

Getreu dem Motto „Gemeinsam da durch“

Stolz und ein gutes Gefühl über die Hilfe in der Pandemiezeit herrscht bei den Instituten und ihren Mitarbeitern vor. „Die Sparkasse Neunkirchen hilft in dieser Pandemielage gerne“, sagt Vorstandschef Markus Groß. Das Motto der Sparkassen laute „Gemeinsam da durch“. Die engagierten und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten in kurzer Zeit die technische Möglichkeit realisiert, um das Gesundheitsamt entlasten zu können, so Groß. Die ersten Erfahrungen und Rückmeldungen sind positiv, betont er. Derzeit beantworten vier Mitarbeiterinnen der Direkt-Filiale insgesamt durchschnittlich weit über 100 Anrufe am Tag.

Stolz auf die Amtshilfe der Sparkasse für das Gesundheitsamt im Landkreis Neunkirchen: Landrat Sören Meng, Sparkassenpräsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider und Sparkassenvorstand Markus Groß (von links).

Durchweg positive Reaktionen sieht auch Pressesprecher Unger in Esslingen. „Selbst die regionalen Tageszeitungen haben über den Einsatz der Kolleginnen und Kollegen berichtet“, sagt er. In Neunkirchen gab es ebenfalls positives Presseecho aus der „Saarbrücker Zeitung“. Und in Heilbronn betont man neben der traditionellen Presse das Feedback auf weiteren Kanälen. „Unsere Kooperation fand breite Resonanz in der Öffentlichkeit“, so Schmutz. „Die Presse hat ausführlich berichtet und wir haben viele zustimmende Kommentare in den sozialen Netzwerken erfahren.“

Cornelia Hoffmann-Bethscheider, Präsidentin des Sparkassenverbands Saar, begrüßt das Engagement. Die Unterstützung des Landkreises durch die engagierten Mitarbeiter der Direkt-Filiale unterstreiche die besondere Beziehung der Sparkasse Neunkirchen zur eigenen Region, sagt Hoffmann-Bethscheider. Das sei eine Zusammenarbeit, von der die Bevölkerung und das Gesundheitsamt profitieren. „Einmal mehr sieht man, dass die Sparkasse auch in dieser außergewöhnlichen Zeit für die Menschen da ist“, so die Sparkassenpräsidentin.

Auf die Frage, wie lange eine Sparkasse das leisten könne, antwortet Unger entschieden: „Solange die Unterstützung vonseiten des Landratsamtes gewünscht ist.“ Ähnlich dezidiert lautet die Aussage der Kreissparkasse Heilbronn. „Die Zusammenarbeit haben wir Mitte Oktober gestartet und auf unbestimmte Zeit vereinbart“, sagt Schmutz. „Die Dauer wird vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen.“

3. Dezember 2020