Zurück
DSGV
Hoppenstedt feiert 80.
Dietrich H. Hoppenstedt, langjähriger Präsident des Niedersächsischen und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), wird am 16. September 80 Jahre alt.

„Falls Sie glauben, dass er ein beschauliches Rentnerdasein führt, dann täuschen Sie sich!“, hört man aus dem Umfeld von Dietrich H. Hoppenstedt. So gesehen hat sich für den gebürtigen Osnabrücker wenig verändert. Denn auch seine Zeit an der Spitze des DSGV in den Jahren 1998 bis 2006 war nicht von Beschaulichkeit geprägt – zumal das wirtschaftspolitische Klima damals überaus sparkassenkritisch war.

In den Jahren vor der Jahrtausendwende herrschte eine merkwürdige Goldgräberstimmung. Der Siegeszug des Internets und das Schlagwort von den „globalen Märkten“ erhitzten die Fantasien. Der Shareholder Value galt als höchster Unternehmenszweck, die Kapitalmärkte wurden zum neuen Maß aller Dinge.

Den Sparkassen war dieser Zeitgeist nicht hold. Als öffentlich-rechtliche Institute mit ihrer physischen Präsenz vor Ort, dem Regionalprinzip und ihrer Gemeinwohlorientierung schienen sie vielen aus der Zeit gefallen. Was nicht an der Börse gehandelt werden konnte, war schlicht suspekt.

Spätestens die Finanzkrise ab 2007 hat diese Ansichten als Mode-Torheiten entlarvt. Dennoch: Die Sparkassen standen Ende der 1990er-Jahre vor großen Herausforderungen, auf die der neue DSGV-Präsident Dietrich H. Hoppenstedt Antworten finden musste.

Kräfte bündeln

Eine dieser Antworten lautete: Die Kräfte im Verbund bündeln. Dies wurde eines der zentralen Themen von Hoppenstedts Amtszeit als DSGV-Präsident. Ein erstes Resultat daraus war die Fusion der Deutschen Girozentrale und der Deka-Bank im Jahr 1999. Im selben Jahr erwarben die Sparkassen die Deutsche Leasing.

Untrennbar verbunden ist seine Amtszeit mit der Brüsseler Verständigung über Anstaltslast und Gewährträgerhaftung. Die privaten Banken hatten diese als unerlaubten Wettbewerbsvorteil betrachtet und waren damit bei der EU-Kommission vorstellig geworden. Nach langem zähen Ringen kam es im Juli 2001 zur „Brüsseler Konkordanz“ über die Änderung der Haftungsgrundlagen für öffentlich-rechtliche Institute, die 2005 in Kraft trat.

Hoppenstedt stellte die Sparkassen-Finanzgruppe mit einer gemeinsamen Strategie, einem veränderten Haftungsverbund und der Einholung eines Mindest-Ratings auf die veränderten Rahmenbedingungen ein.

Ein Highlight zur Jahrtausendwende: Dietrich H. Hoppenstedt (rechts) beim Weltkongress der Sparkassen in Berlin mit Königin Sophia von Spanien und dem späteren Friedens-Nobelpreisträger Muhammad Yunus.

Geboren wurde Dietrich H. Hoppenstedt am 16. September 1940 in Osnabrück. Nach seinem Jura-Studium, das er mit dem 2. Juristischen Staatsexamen abschloss, erfolgte 1971 die Promotion zum Dr. jur. Anschließend arbeitete er als Rechtsanwalt und war Geschäftsführer des Landesverbands Niedersachsen der Wasser- und Bodenverbände. 1977 übernahm er das Amt des Oberkreisdirektors des Landkreises Uelzen, 1979 wurde er Staatssekretär des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Niedersachsen.

Von 1983 bis 1998 war er Präsident des damaligen Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbands (heute SVN) und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. 1998 wurde Hoppenstedt als Nachfolger von Horst Köhler zum Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gewählt. Das Amt hatte er bis April 2006 inne. Ihm folgte Heinrich Haasis.

Nach seiner Pensionierung hat Hoppenstedt Aufsichtsrats- und Beiratsmandate in mehreren Wirtschaftsunternehmen wahrgenommen. Die aktuelle Politik sowie die Entwicklung der Wirtschaft und der Währungspolitik verfolgt er stets aktuell. Bis heute ist sein Rat in der Finanzwirtschaft gefragt.   

Ungebrochenes Interesse an Kultur

Sein Interesse für Kultur, das er in seiner aktiven Zeit durch die Ausrichtung der Sparkassen-Finanzgruppe zum größten nichtstaatlichen Kulturförderer zum Ausdruck brachte, ist ungebrochen. Das kommt durch seine Mitwirkung in den Gremien zahlreicher Kulturinstitutionen zum Tragen. So gehört er heute den Kuratorien des Humboldtforums Berlin, der G+D Stiftung München und der „Freunde der Herrenhäuser Gärten“ sowie dem Aufsichtsrat der Niedersächsischen Staatstheater GmbH an.

Als Präsident der Freiherr vom Stein-Gesellschaft e. V. setzt sich Hoppenstedt in einem bundesweiten Netzwerk mit Grundsatzfragen von Staat und Gesellschaft auseinander. Vor allem der Entwicklung der Bundesrepublik als föderalen Staat mit einer ausgeprägten kommunalen Selbstverwaltung, auch im europaweiten Rahmen, gilt die Auseinandersetzung vor allem in den „Berliner Hauptstadtgesprächen“. Sie finden wechselnd im Deutschen Sparkassen- und Giroverband und in der KfW statt.

Privat hat Hoppenstedt viel Freude an seiner Kunstsammlung, die er mit seiner Frau in 30 Jahren zusammengetragen hat. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der Fotografie, der Farbmalerei und der Bronzeskulptur. Pflege und Entwicklung eines größeren Landschaftsparks, den er mit seiner Frau aus einer bäuerlichen Kulturlandschaft geschaffen hat, fordern ihn auch körperlich. Seine sechs Enkelinnen, die in unmittelbarer Nähe wohnen, beginnen ihm dabei zu helfen.

Die Hoppenstedts wohnen in Burgwedel und Berlin.

15. September 2020