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Elementarpolice
Erneut Debatte um Versicherungspflicht
Die Versicherer haben nach der Hochwasserkatastrophe ihre Schadenbilanz auf 5,5 Milliarden Euro nach oben korrigiert. Dabei war nur ein relativ geringer Teil der Gebäude überhaupt versichert. Kommt eine Pflicht zur Police gegen Elementarschäden?

Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) liegt der versicherte Schaden nach der Hochwasserkatastrophe zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden Euro. Fünf bis zehn Prozent davon entfielen auf Bayern und Sachsen, die in der ersten Schätzung noch nicht enthalten waren. Vom Rest beträfen zwei Drittel Rheinland-Pfalz, ein Drittel Nordrhein-Westfalen.
 

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In einer ersten Schätzung hatte der Verband eine Größenordnung von vier bis fünf Milliarden Euro nur für Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen genannt. Jetzt hat der GDV auch einen Großteil der Schäden erfasst, die das Tiefdruckgebiet Bernd zwischen dem 13. und 18. Juli 2021 verursacht hatte.

Doch das sind lediglich die Zahlen für die versicherten Schäden. Im stark betroffenen Rheinland-Pfalz beispielsweise sind nur 37 Prozent der Häuser gegen Elementarschäden abgesichert, auch bundesweit liegt die Quote bei unter 50 Prozent. Der Gesamtschaden könnte nach Schätzungen also höher sein.

Hauptschäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Von den Gesamtschäden entfallen demnach fünf bis zehn Prozent auf Bayern und Sachsen. Von den verbliebenen Schäden wiederum entfallen etwa zwei Drittel auf Rheinland-Pfalz und ein Drittel auf Nordrhein-Westfalen.

Rund 40.000 Kraftfahrzeuge seien beschädigt oder zerstört worden, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Der versicherte Schaden für die Kfz-Versicherer liege bei 200 Millionen Euro und für die Transportversicherer bei rund 100 Millionen Euro. Mehrere Großschäden im jeweils zweistelligen Millionen-Euro-Bereich schlagen ebenfalls zu Buche.

Stürme, Überschwemmungen, Starkregen und Hagel machen dieses Jahr laut GDV zum schadenträchtigsten seit 2002 laut GDV. Damals lag der versicherte Unwetterschaden bei 10,9 Milliarden Euro. 

GDV: Pflichtversichern wäre falsch

Die Katastrophe hat gezeigt, dass Katastrophen nach Starkregen jeden treffen können. Versicherer registrieren daher zurzeit eine erhöhte Nachfrage nach Elementarschadenpolicen. Der Markt für Elementarschutz könnte also über Nacht sprunghaft angewachsen sein, auch ohne Kampagnen und Außendienstaktivität.

Gleichzeitig lebt die Debatte um verpflichtenden Elementarschutz für Gebäudeinhaber wieder auf. Der GDV lehnt eine  Versicherungspflicht gegen Elementarschäden mit Einheitstarif für alle Immobilieninhaber nach wie vor ab. Das Hauptargument lautet: Einheitstarife würden Schäden und Verantwortung auf die Allgemeinheit abwälzen.

Laut Versicherungswirtschaft schafft ein Einheitstarif für alle Immobilienbesitzer Anreize für Kommunen, hochgefährdete Gebiete zu besiedeln, etwa in Talsenken oder in der Nähe von in der Regel unauffälligen Flüssen oder Bächen, die nach Starkregen dann plötzlich ganze Landstriche überfluten können.
 

Lesen Sie zum Versicherungsthema nachfolgende Berichte aus der Sparkassenzeitung:

(Bild oben: dpa)
– 28. Juli 2021