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Elementarschäden / Versicherer
Münchener Rück offen für Versicherungspflicht
Münchener-Rück-Vorstandschef Joachim Wenning hätte laut Medienberichten nichts gegen die Einführung einer Versicherungspflicht für Hausbesitzer gegen die Folgen von Hochwasser und Starkregen. Aber der Anstoß müsse von der Politik kommen. Gleiche Prämien für alle lehnt Wenning ab.

„Wenn der Staat meint, jetzt ist es Zeit, stehen wir bereit“, sagt Münchener-Rück-Vorstandschef Joachim Wenning im Interview mit der  „Süddeutschen Zeitung“. Machbar wäre eine Elementarschaden-Pflichtversicherung für die private Versicherungswirtschaft, ein Allheilmittel sei sie aber nicht: „Entscheidend dabei ist, dass die Prämien das jeweilige Risiko widerspiegeln, das heißt: individuelle statt identischer Prämien“, so Wenning.

99,5 Prozent des Wohnungsbestands in Deutschland ließen sich problemlos versichern, sagte Wenning. Nur bei Gebäuden in Hochrisikogebieten, für die sich eine Versicherung wegen der sehr hohen Prämien nicht lohne, könne es sinnvoll sein, dass der Staat einen Teil des Risikos abdecke.

Im Interview warnt Wenning die Versicherungsbranche aber davor, selbst nach einer Pflichtversicherung zu rufen. Sonst wecke sie Begehrlichkeiten, dass die Versicherer alle finanziellen Lasten einer Naturkatastrophe abdeckten: „Wenn es zu einer solchen Katastrophe kommt, dann werden die Schadenzahlungen der Versicherer nur einen Teil der Probleme lösen können. Vieles andere bleibt ungelöst.“

 

Münchener-Rück-Chef Joachim Wenning: 99,5 Prozent des Wohnungsbestands in Deutschland ließen sich problemlos versichern.

Nicht einmal die Hälfte der Häuser in Deutschland sind gegen Elementarschäden versichert

Die Milliardenschäden nach den Überflutungen vor allem im Rheinland und in der Eifel hatten die Debatte um eine Pflichtversicherung gegen Naturgefahren neu entfacht. Denn nur 46 Prozent der deutschen Häuser sind nicht nur gegen Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschäden, sondern auch gegen Hochwasser und Sturzfluten abgesichert.

Der Versicherer-Branchenverband GDV wehrt sich bisher gegen eine Elementarschaden-Pflichtversicherung, weil er fürchtet, dass sie falsche Anreize schaffen könnte, in hochwassergefährdeten Gebieten zu bauen. Das ließe sich durch unterschiedliche Prämien lösen, so der Münchener-Rück-Chef.

(Bild oben: dpa)
– 2. August 2021