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EU-Nachhaltigkeitsplan
Kleinteilige Erfassung setzt Fondsbranche unter Druck
Zu komplex, detailliert und für Investmentfonds unpassend. So lautet die deutliche Kritik von Spitzenverbänden der Fonds- und Immobilienbranche zur von der EU für den 10. März 2021 angestrebten Offenlegungs-Verordnung als Teil des EU-Nachhaltigkeitsplans.

„Transparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen, ist dazu grundlegend wichtig“, sagt Jochen Schenk, Vizepräsident des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA). „Ob die Offenlegungs-Verordnung Klarheit bringt, ist zweifelhaft – zumal sie nicht mit der Taxonomie synchronisiert ist.“ Die Vorgaben seien viel zu einseitig auf Unternehmensbeteiligungen zugeschnitten, wohingegen Immobilien keine Berücksichtigung finden.

Der vorgesehene Zeitraum sorgt nicht nur beim ZIA für Unmut. Auch der Hauptgeschäftsführer des Investmentverbands BVI kritisiert, die Umsetzung stelle Fondsgesellschaften „in der Praxis vor unlösbare Probleme“.

Unklare Regeln für Nachhaltigkeitsprodukte

Die Fondsanbieter würden die endgültigen Vorlagen für Informationen zur Nachhaltigkeit erst Ende Januar 2021 erhalten. Sie sollten diese aber bis zum 10. März in ihre Verkaufsprospekte einarbeiten. Das ließe den Gesellschaften gerade einmal fünf Wochen.

Der ZIA bemängelt insbesondere die Komplexität und den Detailgrad der Vorgaben, aber auch die fehlende Proportionalität der Regelungen nach Größe und Ausrichtung der verpflichteten Unternehmen. Demnach müssen Fondsmanager und andere Finanzmarktakteure künftig umfassend und detailliert über Nachhaltigkeitsaspekte auf ihrer Webseite, in Verkaufsprospekten und Jahresberichten informieren.

Beide Verbände bemängeln zudem, dass Taxonomie beziehungsweise Kriterien zur Nachhaltigkeit in den diversen EU-Regelwerken unterschiedlich geregelt sind. Dadurch sei es unklar, wann welche Anbieter Nachhaltigkeitsprodukte im Portfolio haben. Auch forderte der BVI, dass die Regeln ebenso für Anbieter außerhalb der EU gelten müssen, wenn diese ihre Produkte in der EU vertreiben.

3. September 2020