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Finanzaufsicht
Branson soll Aufsicht Biss verpassen
Der bisherige Chef der schweizer Finanzaufsicht, Mark Branson, ist als neuer Bafin-Präsident gestartet. Er soll die Modernisierung der deutschen Finanzaufsicht vorantreiben.

Mit dem gebürtigen Briten Branson (52), der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, sei ein international erfahrener und anerkannter Finanzmarktexperte an die Bafin-Spitze gewechselt, betonte die deutsche Aufsichtsbehörde.

Finanzmarktaufseher „aus Berufung“

„Aufseher sein ist nicht nur Beruf, sondern auch Berufung“, sagte Branson bei seinem Amtsantritt am 2. August in Bonn. Zuvor leitete er sieben Jahre als Direktor die Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma in Bern, wohin er im Jahr 2010 gewechselt war

Bransons Karriere in der Finanzbranche begann bei der Großbank Credit Suisse. Von dort wechselte er 1997 zur UBS und übernahm dort verschiedene Führungspositionen. Branson hat an der Universität Cambridge Mathematik und Management studiert. 

 

„Die Bafin soll eine Aufsichtsbehörde von Weltklasse werden.“
Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bafin.


Bafin-Reformkurs: „Aufsichtsbehörde von Weltklasse“ 

Das Bundesfinanzministerium hatte im Frühjahr mit einem Sieben-Punkte-Plan und dem Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) eine Modernisierung für eine schlagkräftigere Finanzaufsicht auf den Weg gebracht. Verantwortlichkeiten sollen klarer zugeteilt und die Behörde mit modernerer Technologie
ausgestattet werden.

Die Aufsicht solle künftig für alle Geschäftsbereiche eines Konzerns zuständig sein - im Fall Wirecard war es nur die Banktochter des früheren Dax-Unternehmens. Bei Verdachtsfällen soll die Bafin mit einer Taskforce in Eigenregie eingreifen - mit Durchsuchungen und Befragungen. Für eine bessere Bilanzkontrolle werden eigene Wirtschaftsprüfer gesucht. Den Reformkurs will der neue Bafin-Präsident vorantreiben.

„Die Bafin soll eine Aufsichtsbehörde von Weltklasse werden“, gibt Branson als Ziel vor. Ihm sei bewusst, „dass die Erwartungen an die Bafin zu Recht sehr hoch sind“. Dieser öffentliche Druck eröffne Chancen, Veränderungen in der Bafin durchzubringen, die sonst länger gedauert hätten.

Bafin war in Kritik geraten

Die Bafin steht in der Kritik, im Fall der Greensill-Bank zu spät gehandelt zu haben. Schon beim Bilanzskandal um Wirecard musste die Behörde herbe Kritik einstecken. Der langjährige Behördenchef Felix Hufeld musste gehen.  Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der für die Behörde verantwortlich ist, hatte im März mit Mark Branson einen Nachfolger vorgestellt, der der Finanzaufsicht „mehr Biss“ verpassen solle.

(DSZ, rts)

(Bild oben: picture alliance)
– 2. August 2021