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Finanzstabilitätsbericht
Bundesbank warnt vor Insolvenzwelle
Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch empfiehlt Geldinstituten, mit Firmenpleiten und einer Zunahme von Systemrisiken im kommenden Jahr zu rechnen.

Geldinstitute müssen sich nach Ansicht der Bundesbank in der Coronapandemie auf eine Welle von Unternehmensinsolvenzen und steigende Kreditausfälle einstellen.

„Im gesamten Unternehmenssektor könnten die Insolvenzen in den ersten Monaten des Jahres 2021 auf über 6000 pro Quartal steigen“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch laut Redetext bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts.

Das wäre ein Anstieg um mehr als 35 Prozent, aber weniger als in der globalen Finanzkrise, als etwa 8000 Unternehmen pro Quartal pleitegingen. Dieses Szenario sei für die Kreditinstitute verkraftbar, doch auch ein deutlich stärkerer Anstieg der Insolvenzen sei nicht ausgeschlossen.

Buch: Suche nach Renditen erhöht systemische Risiken

„Ganz sicher werden steigende Insolvenzen Spuren in den Bilanzen der Banken hinterlassen“, sagte Buch. Der Schlüssel zu einer guten Vorbereitung auf steigende Insolvenzen für Banken, Politik und öffentliche Verwaltung liege darin, ausreichende administrative Kapazitäten zu schaffen, erfahrenes Personal bereitzustellen und die Vereinfachung von Insolvenzverfahren zu prüfen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann mit Vizepräsidentin Claudia Buch. Die Bundesbank empfiehlt in ihrem Stabilitätsbericht, Risiken genau im Blick zu behalten.

In der Coronakrise hatten die Aufseher den Geldhäusern eine Reihe von Erleichterungen gewährt, damit diese die Kreditschleusen offenhalten. „Banken sollten ihre Kapitalpuffer nutzen, um Verluste aufzufangen und die Wirtschaft weiter angemessen mit Krediten zu versorgen“, forderte Buch. „Sie sollten gleichzeitig die Ausschüttung von Gewinnen begrenzen.“

Auch wenn das Finanzsystem die Auswirkungen der Coronapandemie bisher gut verkraftet hat, dürften die bestehenden Verwundbarkeiten mittelfristig zunehmen, warnte Buch. Die weiterhin niedrigen Zinsen könnten dazu führen, dass Marktteilnehmer auf der Suche nach Rendite höhere Risiken eingehen.

„Diesen Aufbau von Risiken müssen wir weiter im Blick behalten“, sagte sie. „Die in der Krise temporär genutzte aufsichtliche Flexibilität bedeutet nicht, dass die Anforderungen an die Widerstandskraft des Finanzsystems dauerhaft sinken.“

Sparkassen haben ihr Eigenkapital in den vergangenen zwölf Jahren überproportional stark ausgeweitet, hatten auch die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe am Montag in einer Pressekonferenz mitgeteilt. Deutschlands größter Mittelstandsfinanzierer sei auch in der Coronakrise widerstandsfähig. (rtr)

13. Oktober 2020