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Nachhaltigkeit
Regelungen praxistauglicher gestalten
Die Europäische Kommission hat den delegierten Rechtsakt veröffentlicht, der die ersten beiden ökologischen Nachhaltigkeitsziele der Taxonomie-Verordnung konkretisiert. Der DSGV und die Deutsche Kreditwirtschaft insgesamt beziehen Stellung.

Die nun festgelegten technischen Kriterien bestimmen, wann eine Wirtschaftstätigkeit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel leistet.

Die Deutsche Kreditwirtschaft bezeichnete den Rechtsakt als weiteren wichtigen Schritt zu einem einheitlichen europäischen Verständnis von Nachhaltigkeit.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und Federführer der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) in diesem Jahr, sagte: „Mit den nun festgelegten Kriterien und Messwerten besteht einerseits mehr Klarheit zu zentralen Umsetzungsfragen der ökologischen Nachhaltigkeit, andererseits aber angesichts ihrer zu hohen Komplexität eine riesige Herausforderung für die Anwender der Taxonomie. Deshalb benötigen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft eine Taxonomie mit technischen Screening-Kriterien, die klar, schlank und einfach in der Praxis anwendbar sein sollten.“

Die DK unterstütze den Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Die ehrgeizigen Zeitpläne der europäischen Sustainable-Finance-Agenda stellten jedoch Banken und Sparkassen in Anbetracht zu kurzer Umsetzungsfristen vor hohe Hürden. Der finale Entwurf des delegierten Rechtsakts einschließlich Anlagen erschwere aufgrund seines Umfangs und seiner Komplexität mit zahlreichen Querverweisen die Verständlichkeit und vor allem die Anwendbarkeit.

Späteren Starttermin gewünscht

Aufgrund der Verzögerung bei der Ausarbeitung des delegierten Rechtsakts zur Taxonomie-Verordnung und der hohen Komplexität plädiert die DK für einen späteren Anwendungszeitpunkt als den bisher vorgesehenen 1. Januar 2022 – denkbar wäre die Verschiebung der Berichts- und Transparenzpflichten um ein Jahr.

Für Banken und Sparkassen sei die Prüfung der technischen Bewertungskriterien herausfordernd. Schwierig gestalte sich zudem der ebenfalls erforderliche Nachweis, dass eine nachhaltige Wirtschaftsaktivität andere Umweltziele nicht negativ beeinträchtigt („Do no significant harm“-Kriterien).

Differenzierter vorgehen

Der hohe Anspruch der Taxonomie werde anfangs dazu führen, dass nur wenige Aktivitäten als nachhaltig klassifiziert werden können, obwohl sie wesentliche Bewertungskriterien erfüllen. Damit in den Berichten kein falsches Bild erzeugt wird, sei es aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft sinnvoll, differenzierter vorzugehen.

Die aktuell diskutierte Green Asset Ratio könnte sich in einem ersten Schritt auf die technischen Bewertungskriterien und in einem zweiten Schritt dann auf alle Kriterien beziehen. Das würde die Vergleichbarkeit der vorgeschlagenen Kennzahl für Kreditinstitute erhöhen und damit die Anwendbarkeit verbessern.

Die DK regt zudem an, dass die EU-Kommission mehr Klarheit und Unterstützung für die Anwendung der Taxonomie schafft. „Zur Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit werden vor allem nachhaltige Projekte und Investitionen der Realwirtschaft gebraucht. Es darf nicht sein, dass eine Umsetzung der Taxonomie für die meisten Unternehmen – und insbesondere für den Mittelstand – nur unter unverhältnismäßig großem Aufwand möglich ist. Letztendlich müssen alle Unternehmen verstehen, welche Aktivitäten als grün gelten, um den Stein ins Rollen zu bringen“, so DSGV-Präsident Helmut Schleweis für die DK.

DSGV: Mehr Sparkassen berichtspflichtig

Über die gemeinsame Erklärung der Deutschen Kreditwirtschaft hinaus veröffentlichte der DSGV eine eigene Pressemitteilung. Darin weist der Verband darauf hin, dass mit dem Legislativvorschlag der EU-Kommission zur Corporate Sustainability Reporting Directive deutlich mehr Sparkassen berichtspflichtig würden.

DSGV-Präsident Schleweis fordert: „Bei der Ausweitung des Kreises der Berichtspflichtigen sollte der Proportionalitätsgedanke im Auge behalten werden. Der Legislativvorschlag bedeutet erheblichen Mehraufwand für die Sparkassen, auch weil die Umsetzungsfristen kurz bemessen sind und die durch die Kommission geplanten Zeiträume zwischen Veröffentlichung der Standards und der Erstanwendung zusätzlich sehr kurz sind. Insgesamt sollte ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der gewünschten Transparenz und den Regulierungskosten für die Sparkassen gewährleistet bleiben.“

Zum Paket gehöre ebenfalls der lang erwartete delegierte Rechtsakt der die ökologischen Umweltziele „Klimaschutz“ und „Anpassung an den Klimawandel“ der EU-Taxonomie detailliert spezifiziert. Zu erwarten sei, dass die Taxonomie in den kommenden Monaten noch komplexer wird, da noch in diesem Jahr die weiteren vier ökologischen Umweltziele konkretisiert werden sollen.

Breiten Ansatz wählen

Darüber hinaus geraten – „zu Recht“, wie der DSGV kommentiert – auch die soziale Nachhaltigkeit und deren Messung in den Fokus. Die Sparkassen setzten sich dafür ein, hier einen breiten Ansatz zu wählen und auch durch soziale Nachhaltigkeit intendierte Geschäftsmodelle im Rahmen der sozialen Taxonomie zu berücksichtigen.

„Es darf keine Definitionen von sozialer Nachhaltigkeit und keine Messsysteme sozialer Taxonomie geben, die ihre wichtigsten Akteure nicht mitberücksichtigen“, so Schleweis. „Wir wünschen uns, dass die Taxonomie und die technischen Kriterien praxistauglich, nachvollziehbar und mittelstandsfreundlich ausgestaltet werden“, so Schleweis weiter.

Es müsse darum gehen, Anreize für Verbesserungen zu setzen, statt Bürokratie zu schaffen, die nachhaltiges Verhalten eher als Last empfinden lässt. Der jetzt veröffentlichte Vorschlag der Kommission sei allerdings sehr komplex und erfülle diese Anforderungen nicht.

22. April 2021