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Smart Region
Eine Region will pfiffiger werden
Landrat Markus Bauer hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will seinen Salzlandkreis in Sachen Innovation und Attraktivität für Bürger und Unternehmen nach vorn bringen. Die Sparkasse spielt dabei eine wichtige Rolle.

Anfang 2017 entrollte Bauer ein Banner, das den Salzlandkreis zur „Smart Region“ erklärte. „Viele haben damals die Augen verdreht“, erinnert sich der Landrat. Bis dahin hatte es nur den Begriff der „Smart City“ gegeben, mit dem sich Metropolen wie Barcelona schmücken – was aber sollte eine „Smart Region“ sein? Und wieso gerade der Salzlandkreis im Herzen Sachsen-Anhalts?

Vorhandenes Wissen vernetzen: Landrat Markus Bauer.

Bauer unterstreicht, es gehe darum, die Assets der Region miteinander zu verknüpfen, das vorhandene Wissen zu vernetzen. Die Digitalisierung biete dem Landkreis dabei Chancen, die er früher so nicht hatte. Besonders hebt Bauer drei Punkte hervor, die er „die drei Ws“ nennt: Wirtschaft, Wissenschaft und Wohnen. „Mit diesen drei Ws müssen wir aus der Region heraus etwas Neues entwickeln, Innovation schaffen, den Standort stärken.“

Dafür knüpft der Landrat Netzwerke in seinem Landkreis und weit darüber hinaus. So präsentiert er den Salzlandkreis bei nationalen und globalen Unternehmen als mögliche Modell- und Pilotregion für Innovationen. Gleichzeitig wendet er sich auch an die Bürger, um ihnen die Vorteile der Digitalisierung aufzuzeigen und Berührungsängste zu nehmen.

Sparringspartner Sparkasse

„Außerdem“, hebt Bauer hervor, „habe ich eine starke Sparkasse an meiner Seite, mit einem umtriebigen Vorstandsvorsitzenden. Wir sind gute Sparringspartner.“

Hans-Michael Strube, Vorstandsvorsitzender der Salzlandsparkasse, erläutert: „Der Landrat hat uns den Auftrag gegeben, zu regionalisieren. Und das tun wir.“ Strube konzentriert sich dabei auf drei Bereiche: die Landwirtschaft, die regenerativen Energien und die Zahlungsströme.

In der Landwirtschaft ist der Salzlandkreis eine Referenzgröße: Die Flächen erreichen teilweise die Bodenwertzahl 100 und damit den Höchstwert – ein natürlicher Reichtum der Region. Allerdings werden derzeit rund 30 Prozent der Flächen an Investoren verkauft, vorwiegend aus Westdeutschland. „Von denen haben wir als Sparkasse aber nichts. Sie haben hier kein Konto, und sie zahlen hier keine Steuern“, sagt Strube.

Deshalb hat sich die Salzlandsparkasse erfolgreich um eine Sondergenehmigung bemüht – denn laut Sparkassengesetz darf sie eigentlich keinen Boden kaufen. Wenn jetzt ein Landwirt in Schwierigkeiten gerät – zuletzt meist wegen Dürre –, kann er den Boden befristet an die Sparkasse veräußern. Nach zehn Jahren kann er ihn zurückkaufen. „Wir sichern damit die Böden für die Region“, sagt Strube und unterstreicht: „Mit Zustimmung des Finanzministeriums und der Sparkassenaufsicht.“

Die Wirtschaft im Salzlandkreis stärken: Sparkassenchef Hans-Michael Strube.

Bei den regenerativen Energien liegt der Fall ähnlich wie bei den Böden: 280 Windräder drehen sich im Salzlandkreis, zudem produzieren mehr als 100 nicht private Photovoltaikanlagen Strom – aber von den Erträgen bleibt fast nichts in der Region. Finanziert und geplant werden die Anlagen meist von Fonds aus westdeutschen Finanzzentren. Strube: „Alles, was die Region bislang davon hat, ist ein Windrad, das sich tagsüber dreht und nachts blinkt. Das wollen wir ändern.“

Zwar bekommen die Landwirte eine Pacht, aber die Gewerbesteuer und die Erträge fließen aus der Region ab. „Also haben wir gesagt: Auf diesem Feld müssen wir uns als Sparkasse betätigen.“
Bei einem Finanzierungsvolumen von fünf bis sechs Millionen Euro pro Stück stehen die knapp 300 Windräder für rund 1,5 Milliarden Euro. „Wir als Sparkasse haben 2,8 Milliarden Euro Sparvermögen von unseren Kunden – davon würden wir gerne auch etwas in Windrädern anlegen, denn das gehört zur Region“, sagt Strube. „Wir wollen bei der Entwicklung von Photovoltaikanlagen und Windparks mit dabei sein, wir erobern diesen Markt gerade.“

Und die Sparkasse möchte die Bürger beteiligen – „nicht in dem Sinne, dass wir einen ‚Windbrief‘ machen und der Bürger dafür einen Zins bekommt. Sondern: Die Bürger betreiben das Windrad, und die Sparkasse finanziert es.“ Bislang machten das Geschäft mit dem grünen Strom die großen Energiekonzerne.

Während die Regionalisierung von Ackerflächen und Windenergie nicht überall ein so brisantes Thema ist wie im Salzlandkreis treibt der dritte Punkt wahrscheinlich die ganze Republik um: Die Regionalisierung der Zahlungsströme. „Bislang kaufen die Menschen unheimlich viel bei großen Konzernen wie Amazon ein, von denen die Region ebenfalls nichts hat“, so Sparkassenchef Strube. „Deswegen haben wir gesagt: Wir gründen eine Salzlandkarte, eine Art Amazon für den Salzlandkreis.“ (siehe Interview).

Die Attraktivität von Großstädten bieten

Landrat Bauer setzt große Hoffnungen in die Salzlandkarte. Damit bleibe das Geld in der Region. „Das stärkt nicht nur die Attraktivität des Landkreises, es bringt den Unternehmen auch Wertschätzung entgegen.“

Mit der Karte und dem Marktplatz 4.0 könnten auch solche Geschäfte im ländlichen Bereich eine Chance bekommen, die sonst zu wenige Kunden erreichten. „Wir eröffnen den Unternehmen ein größeres Kundenpotenzial. So kann auch in einem Dorf mit 500 Einwohnern ein Geschäft aufmachen, das einen größeren Kundenkreis braucht“, sagt Bauer. Und ergänzt: „Wir stellen mit der Salzlandkarte die Attraktivität her, die bisher nur Großstädte bieten.“

Peter Müller
– 8. Juni 2021