Zurück
Standpunkt
Deutschland braucht Investitionen
Das Fundament der deutschen Wirtschaft droht zunehmend zu erodieren, warnen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrem aktuellen Standpunkt „Private und öffentliche Investitionen stärken – Krise nachhaltig überwinden“.

Deutschland habe zwar zur Bewältigung der Coronakrise umfangreiche Mittel bereitgestellt, doch müssten für den Umbau zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zwingend öffentliche wie private Investitionen nachhaltig gesteigert werden.

„Das Fundament unserer Wirtschaft muss dringend neu gefestigt werden. Deutschland braucht deshalb eine umfassende Investitionsoffensive. Wir müssen Investitionen für eine moderne öffentliche Infrastruktur und Investitionen in einen zeitgemäßen Kapitalstock des Privatsektors zusammen denken“, so Reinhold Rickes, Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands (DSGV).

Rahmenwerk für ehrgeizige Klimazile notwendig

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe rechnen mit einem zusätzlichen jährlichen Investitionsbedarf zwischen 100 und 150 Milliarden Euro für Deutschland bis 2030, allein um den Kapitalstock CO2-neutral auszurichten. Das entspricht 2,9 bis 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2020. Ein Teil dieser Ausgaben wird nach Einschätzung der Ökonomen im öffentlichen Sektor anfallen, den Großteil wird aber der private Sektor tragen müssen.

„Wenn Deutschland seine ehrgeizigen Klimaziele erreichen möchte, sollte ein Rahmenwerk geschaffen werden, das Investitionen forciert. Notwendig sind Klarheit über die künftigen Kosten von CO2-Emissionen und steuerliche Anreize, etwa durch progressive Abschreibungen. Verschenkt wären Investitionen, die bloß regulatorische Vorgaben erreichen wollen. Echte Produkt- und Prozessinnovationen hingegen können der deutschen Wirtschaft als Technologieführer bei der ,Ökologisierung‘ langfristige Wachstumsperspektiven eröffnen“, so Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB.

Wettbewerbsposition in Gefahr

Die öffentliche Hand ist nach Ansicht der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe gefordert, die Grundlagen zu schaffen für zukunftsträchtige Investitionen des Privatsektors. Zwar haben öffentliche Investitionen in Deutschland einen deutlich geringeren Anteil an der Wertschöpfung als private, sie wirken aber neben den unmittelbaren Nachfrageimpulsen, Multiplikator- und Akzeleratoreffekten mittelfristig durch die Erhöhung des gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks.

„Öffentliche Investitionen sind das Rückgrat privaten Wirtschaftens und des gesellschaftlichen Lebens. Sie helfen, effiziente Produktionsmöglichkeiten für Unternehmen zu schaffen: Öffentliche Sachinvestitionen erhöhen den Anreize für private Investitionen; staatliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung helfen, das mittelfristige Potenzialwachstum zu steigern. Noch zehrt Deutschland von einem vergleichsweise guten öffentlichen Kapitalstock. Doch die Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft droht sich zu verschlechtern, weil die öffentliche Hand mit ihren Investitionen im weltweiten Vergleich seit Jahren zurückliegt, der internationale Wettbewerb schärfer wird und die strukturellen Herausforderungen größer werden“, so Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB.

(Bild oben: dpa)
– 21. September 2021