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Nachhaltigkeit / Selbstverpflichtung
„Echte ökologische Erneuerung geht nur mit den Sparkassen“
Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung für mehr Klimaschutz erweitert die Sparkassen-Finanzgruppe ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit. 172 Sparkassen sowie acht Verbundunternehmen – darunter Deka, LBBW und Helaba – sind als Erstunterzeichner vom Start weg dabei. DSGV-Präsident Helmut Schleweis zu den Hintergründen und Inhalten.

„Die Sparkassen-Finanzgruppe will aktiv den Klimaschutz voranbringen und dazu beitragen, dass Deutschland ein führender Sustainable-Finance-Standort wird“, sagt Schleweis. Die Selbstverpflichtung sei ein guter Weg für Verbesserungen – unabhängig davon, wie weit jedes einzelne Institut heute bereits vorangeschritten ist.

Geschäftsbetrieb CO2-neutral gestalten

„Wir wollen kontinuierlich vorankommen und möglichst viele Institute erreichen“, so der DSGV-Präsident. Wer die freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichne, bekenne sich zu dem Ziel, bis spätestens 2035 den eigenen Geschäftsbetrieb CO2-neutral zu gestalten, auch indem unvermeidbare Restemissionen durch geeignete Maßnahmen kompensiert würden.

Sparkassen seien vor über 200 Jahren aus einer Grundidee der Nachhaltigkeit heraus gegründet worden, ergänzte Schleweis in einem Interview mit der „Börsenzeitung“: heute schon die Grundlagen für ein gutes Leben morgen zu legen. Dies gelte in wirtschaftlicher, sozialer und auch ökologischer Hinsicht. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit. 

Basis für die Selbstverpflichtung sind die Ziele des Pariser Klimaabkommens und die „Principles for Responsible Banking“ der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Der DSGV ist den sogenannten „UN-Principles“ im Mai 2020 als Unterstützer beigetreten.

Fünf Handlungsfelder

Die fünf Handlungsfelder der Selbstverpflichtung zielen darauf ab,

  • Klimaschutzaspekte im Kredit- und Anlageportfolio zu berücksichtigen,
     
  • die CO2-Emissionen im Geschäftsbetrieb zu verringern,
     
  • die Kundschaft bei der Transformation zur klimafreundlichen Wirtschaft zu begleiten und zu unterstützen,
     
  • Führungskräfte und Mitarbeitende zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu befähigen und
     
  • Fördermaßnahmen und lokale Kooperation stärker auf Umwelt- und Klimathemen auszurichten.
     

Viele Institute dürften später zeichnen

Die gemeinsame Selbstverpflichtung ist im Verbund erarbeitet und in den Gremien intensiv behandelt worden. Ein solch langfristiges geschäftspolitisches Anliegen müsse vor Ort breit getragen werden, so Schleweis. Diese Gespräche führten derzeit viele Institute noch und würden die Selbstverpflichtung daher später zeichnen.

 


„Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit.“

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.


Sparkassen sind wirkmächtig

Durch ihre tiefe Verankerung in Wirtschaft und Gesellschaft könnten Sparkassen viel bewirken. So sei es zwar „schön, wenn eine Bank selbst nachhaltig investiert“, so Schleweis gegenüber der „Börsenzeitung“.

Noch wirkmächtiger sei jedoch, wenn schrittweise Millionen Kunden von nachhaltigen Investments überzeugt werden. „Oder wenn wir als Geschäftspartner der meisten deutschen Unternehmen entsprechende Finanzierungen auf die Beine stellen.“ Der DSGV-Präsident stellte klar: „Echte ökologische Erneuerung in ganz Deutschland geht nur mit den Sparkassen.“

Keine Umweltpolizei

Gegenüber einer grünen Regulierungswelle äußerte sich Schleweis kritisch. Die Sparkassen wollten aus eigenem Antrieb den Kunden den Weg in eine ökologische Erneuerung, in die Dekarbonisierung, ebnen. „Wir wollen aber nicht von der Politik als Umweltpolizei eingesetzt werden.“ Der Ehrgeiz sei nicht, vornehmlich Vorgaben, Reportings und Berichte zu füllen.

Er halte es auch nicht für effizient, wenn Kreditinstitute die Investitionen ihrer Kunden ökologisch beurteilen sollen. „Das können sie nicht, das sollten sie nicht – und dafür fehlen ihnen meist auch die erforderlichen Daten.“ Der bessere Weg sei, den Umweltverbrauch in wirtschaftliche Kosten einzubeziehen, durch eine klare CO2-Bepreisung.

Übergang sozial gestalten

Mit Blick auf den unterschiedlich hohen Transformationsbedarf einzelner Regionen machte Schleweis klar, dass ein sofortiges Umschalten auf ökologische Kriterien der Kreditvergabe Gefahren birgt. „Wenn ökologische Nachhaltigkeit bedeuten würde, ganzen Regionen und Bevölkerungsschichten die ökonomischen Lebensgrundlagen zu entziehen, wird das nicht gelingen.“

Vielmehr müsse man für eine gewisse Zeit auch sogenannte braune Industrien finanzieren, um ihnen die Transformation zu ermöglich. RWE und viele Automobilkonzerne machen es vor – sie bieten noch die „alten“, aber auch schon viele neue, klimafreundliche Lösungen an. „Die reale Welt ist weder schwarz-weiß, noch braun-grün.“

Schleweis betonte, die ökologische Erneuerung der Wirtschaft sei einer der größten Wachstumstreiber mit enormen Wachstumspotenzialen. „Am liebsten wäre mir, wir müssten uns nicht mehr ,verpflichten‘, sondern würden uns um die Marktchancen reißen.“ Die Selbstverpflichtung zeige, dass diese Bewusstseinsveränderung begonnen habe.

 

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Anke Bunz
– 8. Dezember 2020