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Interview mit Katja Schwertle und Ingrid Caillet
Generationen- und Stiftungsmanagement
Was tun, wenn man im Leben schon viel erreicht hat und der Lebensabend näherrückt? Besonders die Menschen, die über ein größeres Vermögen verfügen oder keine Erben haben, verspüren den Wunsch, etwas davon abzugeben. Folglich sollte man ihnen ans Herz legen, sich bei der Regelung ihres Nachlasses mit dem Thema „Stiftung“ auseinanderzusetzen.

Wer Gutes tun möchte, kann einen Teil seines Eigentums in eine Stiftung einbringen. Dafür braucht es kein Vermögen in sechs- oder siebenstelliger Höhe. Es gibt folglich mehr potenzielle Stifter, als man es für möglich halten könnte. Alle Kunden, die das eigene Vermögen nicht vollständig den Erben hinterlassen möchten, könnten auch eine Stiftung gründen.

Dabei ist dies weniger kompliziert, als man denken könnte. Zudem hat die Sparkasse Ulm genau für solche Fälle zwei Spezialistinnen an Bord: Ingrid Caillet und Katja Schwertle. Diese beiden sind routinierte Expertinnen, wenn es darum geht, Menschen in solch beschriebenen Fällen zu unterstützen.

Frau Schwertle, Sie sind Stiftungsberaterin der Sparkasse Ulm. Seit 2008 gibt es die „Stiftung Sparkasse Ulm“, unter deren Dach die Kundinnen und Kunden ihren eigenen Stiftungsfonds errichten können. In welchen Bereichen engagieren sich die Stifter denn?

In erster Linie geht es den meisten Stiftern darum, ihren Nachlass zu regeln und die Vermögensnachfolge zu planen. Viele sind sozial engagiert und wollen andere Menschen oder die Region unterstützen. Dabei werden die Bereiche Bildung und Erziehung, Forschung und Entwicklung, Kunst und Kultur aber auch der Tier- und Naturschutz gleichermaßen gewählt.

Ende vergangenen Jahres hat sich in Ihrem Bereich einiges geändert. Es gibt jetzt eine neue Stiftung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftungstreuhand AG (DT). Was hat sich für unsere Kundinnen und Kunden durch diese Kooperation verändert bzw. welche Möglichkeiten haben sie nun?

Diese neue Stiftung ist eine Stiftergemeinschaft. Privatpersonen, Kommunen oder Vereine können unter dem Dach dieser Stiftung ihre eigene Unterstiftung anlegen. Diese verwalten wir aber nicht mehr selbst – dies erledigt die DT für uns. Das hat den Vorteil, dass ich mich mehr um die Beratung von potenziellen Stiftungskunden kümmern kann. Außerdem war es bislang nur möglich, Geld in die Stiftung fließen zu lassen. Jetzt können auch Immobilien, Grundstücke und andere Vermögensgegenstände eingebracht werden.

Was leistet die Sparkasse Ulm bei solch einer Stiftungsgründung und welche Aufgaben übernimmt die DT?

Ich berate bei der Stiftungsgründung und bleibe auch danach Ansprechpartner für die Stifter. Die Konten und Depots werden bei uns geführt und wir übernehmen die Vermögensanlage. Der Treuhänder erledigt alle Verwaltungsaufgaben: er kommuniziert mit den Behörden, stellt Zuwendungsbescheinigungen für Spenden aus, kümmert sich um Buchhaltung und Jahresabschluss und wickelt die Ausschüttung an die begünstigten Einrichtungen ab.

Welches Vermögen muss ein potenzieller Stifter aufbringen und was sind seine Aufgaben?

Viele vermuten, dass man sehr viel investieren muss – das ist aber nicht der Fall. Bereits ab 25.000 Euro ist man dabei. Die Stiftung kann auch jederzeit zu Lebzeiten oder von Todes wegen aufgestockt werden. Der Stifter bestimmt Namen und Zweck seiner Stiftung selbst. Er muss sich dabei nicht dauerhaft festlegen, sondern kann ihn auch ändern. Nach dem Tod des Stifters wird die Stiftung in seinem Namen weitergeführt.

Was passiert mit dem Stiftungskapital?

Die Sparkasse Ulm und die DT legen das Vermögen an. Die erwirtschafteten Überschüsse werden für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben.

Frau Caillet, Sie sind Generationenberaterin. Was verbirgt sich dahinter?

Im Rahmen des Generationenmanagements berate ich die Kunden bei ihrer Nachlassplanung und zeige ihnen Möglichkeiten auf, ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten steueroptimiert in die nächste Generation zu übertragen. Wer sicherstellen möchte, dass sein Nachlass nach seinen persönlichen Vorstellungen weitergegeben wird, der sollte das möglichst frühzeitig und schwarz auf weiß festhalten. Oft hilft auch ein Notar oder der Steuerberater, dass der Nachlass korrekt und im Willen des Kunden niedergeschrieben wird.

Das bedeutet, dass Sie diese Menschen bis über den Tod hinaus hinsichtlich ihres Vermögens begleiten. Was passiert nun im Todesfall?

Hat der Erblasser zur Ausführung der letztwilligen Verfügung eine Testamentsvollstreckung angeordnet, ermittelt und verwaltet der Testamentsvollstrecker den Nachlass, löst den Haushalt auf, verteilt das Erbe und erfüllt die Vermächtnisse.

Für wen kommt die Testamentsvollstreckung über die Sparkasse Ulm denn in Frage?

Für all diejenigen mit einem umfangreichen Vermögen (>250 TE zzgl. Immobilie) oder einer komplizierten Vermögensstruktur, die sicherstellen möchten, dass ihre Vorgaben genau umgesetzt werden. Die Erben werden von umfangreichen Formalitäten entlastet, vor allem wenn es sich um geschäftlich unerfahrene und/oder minderjährige sowie behinderte oder pflegebedürftige Erben handelt.

Letze Frage an beide Kolleginnen: In welcher Rolle sehen Sie die Kundenberaterinnen und –berater in den Filialen in dieser Sache?

Ingrid Caillet: Als Spezialistinnen sind wird darauf angewiesen, dass die Beraterinnen und Berater den Bedarf bei ihren Kunden erkennen und uns zu einem persönlichen Beratungsgespräch mit dazu nehmen. Ein frühestmöglicher Kontakt zu den Erben erhöht die Kundenbindung und kann das Abfließen des Vermögens verhindern.

Katja Schwertle: Es würde uns freuen, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen das Thema Vermögensnachfolge aktiv ansprechen und bei Bedarf auf uns zukommen. Wir können die Kunden dann unverbindlich über die verschiedenen Möglichkeiten beraten. Im Rahmen der Nachlassplanung gibt es mehr potenzielle Stifter, als man denkt.

Michaela Walz
– 15. Oktober 2020