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Existenzsicherung
Die Krise schweißt zusammen
Firmenkunden der Sparkasse Gießen und der Kreissparkasse Steinfurt machen die Bedeutung der Sparkassen für die Existenzsicherung von kleinen und mittleren Unternehmen in der Coronakrise deutlich.

Als Unternehmer hat Björn Heinzmann schon einige Krisen durchgemacht. „Die Coronapandemie stellt aber alles in den Schatten“, sagt der 40-jährige Geschäftsführer der HOF Alutec Metallverarbeitungsgesellschaft.

Die Firma mit Sitz in Mettingen bei Osnabrück ist spezialisiert auf Aluminium­schweißarbeiten und Messebau. Sie betreibt einen Fachgroßhandel für Bühnen- und Veranstaltungstechnik. Der mittelständische Betrieb beschäftigt rund 40 Mitarbeiter.

Die drastischen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung haben sein Unternehmen hart getroffen. „Von heute auf morgen sind uns die Aufträge weggebrochen, weil alle Veranstaltungen wie Messen oder Konzerte abgesagt wurden“, sagt Heinzmann.

Berater stand jederzeit für Rückfragen zur Verfügung

Heinzmann ist seit über 20 Jahren Firmenkunde der Kreissparkasse Steinfurt. Dort stellte er Mitte März einen Antrag auf einen KfW-Hilfskredit. Bereits nach wenigen Wochen konnte er über das Geld verfügen. „Damit ist die Liquidität des Unternehmens vorerst gesichert. Der finanzielle Puffer verschafft mir Luft, um den Betrieb in der Krise neu aufzustellen.“

Firmenchef Björn Heinzmann ist seit 20 Jahren Kunde der Kreissparkasse Steinfurt – das vertrauensvolle Verhältnis zahlt sich jetzt aus.

Das enge und vertrauensvolle Verhältnis zu seiner Hausbank empfindet der langjährige Sparkassenkunde als Vorteil: „Von meinem Firmenkundenberater bin ich fortlaufend über bestehende oder geplante Hilfsmaßnahmen des Bundes und des Landes informiert worden. Er stand mir für sämtliche Rückfragen jederzeit zur Verfügung.“

Die für den Kreditantrag notwendigen Unterlagen lagen der Sparkasse bereits vor Antragsstellung vor. Das habe den ganzen Prozess zusätzlich vereinfacht, so Heinzmann. Seiner Hausbank gibt er deshalb nur gute Noten: „Auch in schwierigen Zeiten ist die Kreissparkasse Steinfurt ein verlässlicher Partner, der mich nie im Regen stehen lässt.“

Sechsstelliger Hilfskredit für den Schnäppchenmarkt

Fabian Wedemann schildert ein weiteres Beispiel eines KMU, das wegen der Corona­krise in Liquiditätsnot geraten ist. Wedemann leitet in Gießen das Gewerbekunden- und Freiberuflercenter der Sparkasse. Als Firmenkundenberater betreut er unter anderem einen Unternehmer, der einen Schnäppchenmarkt mit sechs Mitarbeitern führt. Der betroffene Unternehmer aus dem Landkreis Gießen in Hessen will anonym bleiben und stand für ein Interview nicht zur Verfügung.

Durch den wochenlangen Lockdown sind auch ihm die Einnahmen weggebrochen. Als erste Sofortmaßnahme sorgte die Sparkasse für eine Erhöhung der Kreditlinie. Zudem ist eine Tilgungsaussetzung für die bestehenden Verbindlichkeiten vereinbart worden. Der Unternehmer beantragte zusätzlich einen KfW-Hilfskredit in sechsstelliger Höhe. „Das Unternehmen ist gesund“, sagt Fabian Wedemann. Das belegten die vorgelegten Jahresabschlüsse und Planzahlen. Deshalb habe man den Kredit vergeben können. Nach zehn Tagen wurde das Geld überwiesen.

Fabian Wedemann, Firmenkundenexperte der Sparkasse Gießen, kennt die Zahlen der regionalen Mittelständler und kann die Lage einschätzen.

Die Auswirkungen der Coronakrise seien in der Region Gießen weniger zu spüren als anderswo, stellt Firmenkundenexperte Wedemann fest. Den Grund dafür sieht er in der kleinteiligen und vielfältigen Wirtschaftsstruktur, die vom Kleingewerbe, Einzelhandel und der Bauwirtschaft geprägt sei.

„Im Vergleich zu Regionen mit produzierendem Gewerbe oder Industrie hat uns der Wirtschaftseinbruch weniger stark getroffen. Die Kreditanträge in meinem Bereich lassen sich deshalb zum aktuellen Zeitpunkt noch an einer Hand abzählen“, so Wedemann.

Ist das nur die Ruhe vor dem Sturm? Wedemann: „Je länger die Pandemie andauert, umso mehr wird sich die Situation verschärfen. Noch kommen viele Betriebe dank ausreichender Rücklagen gut über die Runden.“

Hohe Liquidität und gesunde Kapitalbasis fangen vieles auf

Im Landkreis Steinfurt im nördlichen Westfalen sieht die Situation ähnlich aus. „Die überwiegende Mehrheit der Firmenkunden hat die Krise bislang gut überstanden“, so die Einschätzung von Stefan Krakofsky. Er ist Firmenkundenberater bei der Kreissparkasse Steinfurt in Ibbenbüren und betreut auch den Unternehmer Björn Heinzmann aus Mettingen. „Dank hoher Liquidität und einer gesunden Kapitalbasis können die Betriebe den Ertragseinbruch vorerst mit eigenen Mitteln ausgleichen.“

Bis Mitte Mai haben ungefähr 80 Unternehmen einen Antrag für einen KfW-Kredit gestellt. Das von der Kreissparkasse Steinfurt bewilligte KfW-Kreditvolumen beläuft sich auf 24 Millionen Euro. Weiter zählt die Sparkasse knapp 400 Tilgungsaussetzungen bei gewerblichen Kunden. Dazu kommen die Soforthilfe des Bundeslands und die hauseigenen Darlehen.

Firmenkundenberater Stefan Krakofsky geht davon aus, dass die Anzahl der eingereichten Kreditanträge in den nächsten Wochen und Monaten steigen wird. Er rechnet auch mit Kreditausfällen und Privatinsolvenzen.

Carl-Christian Kamp, Vorstand der Kreissparkasse Steinfurt, setzt auf das Firmenkundenportal. Kreditanträge können dort einfach online gestellt werden.

Zur rascheren Bearbeitung der Kreditanträge bietet die Kreissparkasse Steinfurt über das Firmenkundenportal die Möglichkeit der Online-Antragsstellung. „Alle Onlinebanking-Kunden können ihren Förderkredit direkt online anfragen“, sagt Vorstand Carl-Christian Kamp. Das bedeutet, dass alle Unterlagen elektronisch eingereicht werden können. 

Obwohl die Sparkassen-Geschäftskunden aus Gießen und Steinfurt einen massiven Umsatzeinbruch zu verkraften haben, gibt es für die Firmenkundenberater Krakofsky und Wedemann Anlass zur Hoffnung: „Vom Schnäppchenmarkt erwarte ich bald wieder hohe Umsätze“, sagt Wedemann. „Die Verbraucher werden sparen müssen, weil sie die Folgen des Wirtschaftseinbruchs im Portemonnaie zu spüren bekommen. Schnäppchenmärkte und Discounter locken mit tiefen Preisen.“

Auch die HOF Alutec wird sich nach Einschätzung von Stefan Krakofsky vom Coronaschock rasch erholen. „Das Unternehmen steht auf festen Füßen. Vor der Krise waren die Kennzahlen gut.“ Der Geschäftsführer zeige zudem ein erfolgreiches Krisenmanagement: „In der Vergangenheit hat er bewiesen, dass er auch schwierige Situationen meistern kann“, so Krakofsky.

Umstellung auf die Produktion von Spuckschutzwänden

HOF-Alutec-Chef Heinzmann kann deshalb zuversichtlich in die Zukunft blicken. „Das Geschäft ist zum Glück nicht komplett zum Erliegen gekommen.“ Innerhalb kürzester Zeit hat er die Produktion auf die Herstellung von Virenschutzprodukten umgestellt. Zum Sortiment gehören neuerdings Spuckschutzwände oder Ständersysteme für Desinfektionsspender.

Björn Heinzmanns Betrieb ist auf Bühnen- und Veranstaltungstechnik spezialisiert – ein Geschäft, das während des Lockdowns brachliegt. Derzeit stellt die HOF Alutec Spuckschutzwände her.

Als Kunden hat Heinzmann bekannte Unternehmen aus der Lebensmittelbranche gewinnen können. So ist es ihm gelungen, den coronabedingten Umsatzverlust zur Hälfte zu kompensieren. „Wir sind in der komfortablen Lage, den Kredit noch nicht antasten zu müssen.“

Jörn-Axel Meyer, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz in Berlin, sieht die große Mehrheit der KMU in Deutschland in guter Verfassung: „Gesunde Betriebe werden die Krise überstehen.“ Meyer ist ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaft für KMU an der Universität Flensburg. Seine Einschätzung begründet er mit dem zu erwartenden Nachholeffekt in vielen Branchen, selbst in der Gastronomie und in der Veranstaltungsbranche. 

Gleichwohl sind zahlreiche Firmen auf finanzielle Hilfe angewiesen. Auf die Rolle der Sparkassen als „Retter in der Not“ angesprochen, sagt der Mittelstandsexperte: „Die Sparkassen befinden sich in einem Dilemma.“ Einerseits seien die Geldinstitute mit der Erwartung der Politik konfrontiert, die mittelständischen Betriebe rasch mit genügend Liquidität zu versorgen, um sie vor der Insolvenz zu schützen. Andererseits sei eine gründliche betriebswirtschaftliche Analyse unumgänglich, um zu verhindern, dass nicht die falschen Unternehmen mit Krediten versorgt werden.

Als alternativen Weg aus der Krise empfiehlt Meyer die Vermittlung kurzfristiger Darlehen für die Liquiditätssicherung, kombiniert mit einer langfristigen Kreditfinanzierung und einer eventuellen strategischen Neuausrichtung der betroffenen Betriebe. Davon verspricht er sich eine nachhaltige Existenzsicherung der Unternehmen.

Ricardo Tarli
– 27. Mai 2020