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| Nachhaltige Anlagen

Berater können viel bewegen

Kunden erwarten bei Fonds und Aktien nachhaltige Produkte. Die Debatte um Sustainable Finance bietet eine ideale Basis für gute Kundengespräche.

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Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt an Relevanz. Schon jetzt stehen Kundenberater im Anlagegespräch Rede und Antwort, während die Häuser im Verbund ihre Strategie an den politischen Neuerungen ausrichten.

Wie reagieren Sparkassenberater, wenn Anlagekunden nachhaltige Finanzprodukte wünschen?

Nachhaltigkeit im Fondesgeschäft

Nachhaltiges Investieren umfasst deutlich mehr als Klima- und Umweltschutz; nachhaltig orientierte Fonds werden auch ESG-Fonds genannt; das Kürzel steht für Environment, Social, Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Will ein Unternehmen als nachhaltig gelten, muss es darauf achten, umweltfreundlich zu produzieren, ein positives Betriebsklima zu schaffen, die Mitarbeiter zu fördern und der Gesellschaft gegenüber verantwortungsvoll zu agieren.

Es geht zum Beispiel um den Ausschluss totalitärer Staaten, der Kinderarbeit sowie der Rüstungs-, der Glücksspiel- und der Tabakindustrie - und um die Förderung der regenerativen Energiewirtschaft und den Schutz nachhaltiger Ressourcen. Unternehmen werden dahingehend bewertet, wie nachhaltig ihre Geschäftsmodelle und ihr Handeln sind.

 
Greenwashing - eine verbreitete Praxis. Ein ESG-Fonds ist indes nicht nur grün angestrichen, sondern genügt bestimmten Kriterien. © Shutterstock

EU-"Taxonomie" soll Greenwashing vermeiden

Derzeit ist noch nicht geregelt, wie Nachhaltigkeit im Fondsgeschäft exakt zu definieren ist. Für Anleger und Berater ist es deshalb schwierig zu erkennen, ob es sich um einen ESG-Fonds im oben beschriebenen Sinne handelt oder ob lediglich ein Art grüner Anstrich vorliegt. Ein „Greenwashing“ wird in der Branche teilweise angewendet, weil es verkaufsfördernd wirkt. Letztlich entscheidet jede Fondsgesellschaft selbst, welches Etikett sie verwendet.

Bei der Europäischen Union arbeitet man zwischenzeitlich an einer einheitlichen Klassifizierung für den Nachhaltigkeitsbegriff bei Investmentfonds. Diese Taxonomie der Nachhaltigkeit soll helfen, das Greenwashing zu vermeiden und die Fonds vergleichbarer zu machen. Ziel ist, den Anlegern mit einem solchen Gütesiegel einen besseren Überblick zu verschaffen und eine Entscheidungshilfe zu bieten.

824 nachhaltige Fonds in Deutschland zugelassen

Die Zahl und das Volumen der nachhaltigen Fonds steigen rasant, was die Beratung nicht einfacher macht. Laut Ratingagentur Scope sind in Deutschland 824 nachhaltige Fonds zum Vertrieb zugelassen. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden rund 330 Milliarden Euro in diese Fonds investiert.

Hauptverantwortlich für dieses Wachstum sind die institutionellen Investoren, wie Versicherungen, Versorgungswerke, Stiftungen und kirchliche Institutionen. Schwerpunkt des nachhaltigen Investierens sind Aktienfonds. Angesichts der Fülle der Angebote besteht für Investoren inzwischen kein Mangel an passenden Produkten. Dies gilt sowohl für gemanagte Fonds wie für ETFs. Vor diesem Hintergrund ist Nachhaltigkeit vom Angebot her auch für Privatanleger keine Nische mehr.

Angesichts der neuen Produktfülle kann leicht der Eindruck entstehen, Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug seien etwas Neues. Dem ist nicht so. Schon in den 1980er- und 1990er-Jahren wurden einige Produkte mit nachhaltiger Ausrichtung aufgelegt und schon damals waren grüne Investments ein von den Medien stark beachtetes Thema.

ESG-Fonds sind sehr wohl ertragreich

Jahrelang hielt sich die Befürchtung, dass die nachhaltigen Aktienfonds nicht so ertragreich seien wie die herkömmlichen Fonds. Unterschiedliche Statistiken belegen mittlerweile, dass dem nicht so ist.

 
Auch Green Finance ist renditeträchtig, wie Statistiken belegen. Doch die Anforderungen an die Produkttransparenz erhöhen sich. © Shutterstock

Die Zahlen von Scope zeigen für die Zeiträume von fünf, drei und einem Jahr, dass die Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug leichte Performancevorteile verbuchten gegenüber solchen ohne diesen. Nachhaltige Ausrichtung steht einem hohen Wertzuwachs demnach nicht entgegen.

Nicht jede Fondsgesellschaft bietet nachhaltige Produkte an, also Fonds, bei denen bei der Wertpapierauswahl die ESG-Kriterien klar im Fokus stehen. Viele Gesellschaften arbeiten vielmehr daran, Nachhaltigkeitsaspekte in ihren üblichen Anlageprozess einzubinden, ohne diese in den Mittelpunkt zu rücken. Welchen Einfluss ESG dann tatsächlich auf die Portfolios hat und welche ESG-Kriterien überhaupt eine Rolle spielen, variiert von Gesellschaft zu Gesellschaft.

Folgen für die Strategie von Sparkassen

In den vergangenen Jahren ist deutlich geworden, dass bei Sparkassenkunden die Nachfrage nach Geldanlagen steigt, die die Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen. Die Häuser stellen sich diesen veränderten Prioritäten in mehrfacher Form:

  • Sie bieten entsprechende Fonds ihrer Verbundpartner an, vorrangig solche der Deka.
  • Sie offerieren in der hauseigenen Vermögensverwaltung oder in der der Landesbanken nachhaltig orientierte Kriterien für die Geldanlage.
  • Sie unterstützen bei den hauseigenen Musterdeopots und Anlageempfehlungen den strategischen Ansatz der Nachhaltigkeit.
Diese anlagespezifischen und kundenorientierten Ausrichtungen ergänzen viele Sparkassen um geschäftspolitische Aktivitäten:
  • Gezielte Weiterbildungsmaßnahmen, speziell für Berater
  • Eigenes Rating durch eine oder mehrere Nachhaltigkeitsagenturen
  • Deutliches Kommunizieren des nachhaltigen Engagements in die Öffentlichkeit
  • Installation eines speziellen Teams, welches die Nachhaltigkeitsthemen koordiniert.

Kreissparkasse Köln arbeitet im Regierungsbeirat mit

Ein Beispiel zeigt, dass das Engagement für Nachhaltigkeit zu weitreichenden Folgen und zu übergeordneter Anerkennung führen kann: Die Kreissparkasse Köln wurde von der Bundesregierung in deren Beirat für nachhaltige Finanzen berufen.

Dieser Beirat soll die Regierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung strategischer Eckpunkte für einen nachhaltigen Finanzsektor beraten. Auf erste Ergebnisse des Beirats hat die Deutsche Kreditwirtschaft bereits reagiert.

Aus dem magischen Anlagedreieck wird ein Viereck

Für Anleger sind
⇒Ertrag,
⇒Sicherheit und
⇒Liquidität

seit jeher die wichtigsten Kriterien bei Anlageentscheidungen. Nicht alle drei Ziele waren in diesem magischen Dreieck gleichermaßen zu erreichen. Ausschlaggebend war immer die Prioritätenskala. .

Die Nachhaltigkeit der Vermögensanlage hat aus dem Dreieck nun ein Viereck gemacht. Für Investoren sind Entscheidungen damit nicht einfacher geworden, auch deshalb, weil der Markt angesichts der Vielzahl von Varianten und Ausrichtungen immer unübersichtlicher geworden ist.

Für die Dekabank stehen das langfristige und das regelmäßige Investieren der Anleger im Vordergrund der Aktivitäten. Diese Bemühungen zeigen Wirkung: Im ersten Halbjahr 2019 schlossen die Kunden rund 200.000 neue Wertpapiersparpläne ab.

Kunden erwarten Engagement der Fondsgesellschaft

Auch das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Deka und des Marktforschungsinstituts You-Gov zeigt Erfreuliches: In Deutschland wollen sieben von zehn Befragten, dass sich ihre Fondsgesellschaft aktiv für das Thema Nachhaltigkeit engagiert. Die Mehrheit der Befragten traut den Sparkassen und ihrem Wertpapierhaus eine nachhaltige und an den Grundsätzen guter Unternehmensführung ausgerichtete Anlagepolitik zu.

Für die Sparkassen wird die geschäftspolitische Dimension des Themas zunehmend deutlicher. Als zentrale Basis der hausspezifischen Geschäftsmodelle gilt es, Nachhaltigkeit umzusetzen und mit dem öffentlichen Auftrag der Sparkassen in Einklang zu bringen.

Berater können Punkte machen

In dieser Situation sind Berater gefordert, sich mit dem Thema eingehend auseinanderzusetzen und mit zielgerichteten Informationen zu punkten. Die augenblickliche gesellschaftspolitische Diskussion bietet jetzt eine hervorragende Plattform für kundenorientierte Gespräche.

Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins „SPrivatkundenberatung“ erschienen, Herausgeber ist die ISM International School of Management in Dortmund.