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Beratung
Sparen in zinsloser Zeit
Zum Weitersagen für Berater: Wie sich Ertrag und Nachhaltigkeit verbinden lassen.

Trübe Aussichten für Sparer. Die Geldpolitik der Notenbanken sorgt dafür, dass die Sparzinsen auf Jahre hinaus nicht steigen. Wo früher das Geld erblühte und sich saftige Erträge auf dem Konto sammelten, breitet sich eine Wüste mit Mini-Zinsen aus.

Während Aktien, Fonds oder ETFs seit vielen Jahren boomen, hat sich das Anlageverhalten der Deutschen in den vergangenen Jahren jedoch kaum verändert. Nach wie vor lieben wir Sparbuch, Tagesgeldkonto oder Festgeld.

 

„Mehr als zwei Billionen Euro auf niedrig verzinsten Konten.“

 

Die Bundesbank schätzt, dass mehr als zwei Billionen Euro auf niedrig verzinsten Konten liegen. Dabei raten Experten für das eigene Anlageportfolio zu verschiedenen Bausteinen – eine Kombination von chancenorientierten und sicherheitsorientierten Produkten.

Unten steht in der Regel die solide Staatsanleihe oder Festgeld, in der Mitte die Immobilie und oben die Aktie oder der Aktienfonds. Staatsanleihen oder Festgeld werfen momentan kaum Zinsen ab. Was also tun, um in diesen mageren Zeiten eine ordentliche Rendite zu erzielen? Und dabei am besten noch etwas Gutes für Gesellschaft und Umwelt zu tun? 

 

Realzins im Minus

Der Realzins gibt den Zins nach Abzug der Inflation an. Ist er negativ, verlieren Zinssparer mit ihrem Investment unterm Strich an Kaufkraft. Die Deka geht davon aus, dass der Realzins von Bundesanleihen oder auch Tagesgeld in den kommenden Jahren tief im Minus verharren wird.

 

Beratung vor Anlage

Die eine Anlagestrategie, die für alle passt, gibt es sowieso nicht. „In unseren Beratungen legen wir die richtige Strategie gemeinsam mit unseren Kunden fest“, erklärt Sascha Schwörer, Regionaldirektor bei der Kreissparkasse Reutlingen.

„Die eigengenutzte Immobilie, Vermögensstrukturierung über Fonds oder Zertifikate, Sparpläne oder auch Edelmetalle – die Möglichkeiten sind vielfältig: Um hier die richtigen Empfehlungen zu geben, müssen wir die persönliche Lebensplanung, Risikobereitschaft und Erwartungen an Rendite sowie die finanziellen Spielräume und Ziele unserer Kunden kennen.“ Wer etwa ein Herz für die Umwelt hat und sich gleichzeitig Rendite wünscht, könnte in nachhaltige Fonds investieren.

Nachhaltige Fonds liegen im Trend

Insbesondere jüngere Kunden haben ein starkes Interesse an einer nachhaltigen Geldanlage. „Nachhaltiges Investieren bedeutet für uns, dass wir uns in der Anlageberatung nicht nur auf die klassischen Aspekte Rendite, Liquidität und Sicherheit konzentrieren“, erklärt Tobias Rölig, Fachberater für nachhaltiges Investment der Sparkasse Führt.

 

„Jüngere Kunden haben besonderes Interesse an nachhaltigen Geldanlagen.“

 

„Vielmehr berücksichtigen wir auch entsprechend den Kundenwünschen nicht finanzielle Aspekte. Unternehmen, die Gefahren des Klimawandels erkennen und die Herausforderungen frühzeitig angehen, minimieren unternehmerische Risiken. Anleger partizipieren somit von den Erträgen und tun gleichzeitig Gutes.“

Die Produktauswahlprozesse für Kapitalmarktprodukte im Kundengeschäft hat die Sparkasse Führt seit 2012 auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. „Dies bedeutet konkret, dass unsere Produktlieferanten Mindeststandards in Sachen Nachhaltigkeit genügen müssen, damit eine Zusammenarbeit überhaupt möglich ist.“

 

Entwicklung reales Bruttoinlandsprodukt

Die prognostizierte Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes gegenüber Vorjahr zeigt: Wer als globaler Champion in allen Weltregionen stark ist – und besonders in China –, der kommt schneller aus der Absatzkrise.

 

Verantwortung plus Rendite

Auch Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeits-Management bei der Deka Investment, kann sich Nachhaltigkeit aus dem Leben nicht mehr wegdenken. „Wir sehen im Markt zurzeit eine Sensibilisierung der Kunden im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen. Erst durch die Betrachtung von ökologischen und sozialen Aspekten der verantwortungsvollen Unternehmensführung bekommen wir ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis.“

 

„Rendite und Nachhaltigkeit passen gut zusammen.“

 

Dabei passen Rendite und Nachhaltigkeit durchaus gut zusammen: Die Performance von nachhaltigen Finanzprodukten kann mit herkömmlichen mithalten. „Studien zeigen eine positive Beziehung zwischen Rendite und guter Corporate Governance. Das heißt Unternehmen, die die Grundsätze einer guten Unternehmensführung berücksichtigen, können durchaus erfolgreicher sein, als Firmen, die sich diesen Standards nicht verpflichtet fühlen“, sagt Speich. Ein früher Einstieg bietet die Chance, von zukünftigen Wertsteigerungen in besonders wachstumsstarken Bereichen zu profitieren, und kann somit zu einer besseren Rendite führen.

Grün ist die Hoffnung

Das Hinwirken auf gute Unternehmensführung fordern schon heute 58 Prozent, also mehr als jeder zweite Wertpapierbesitzer, so eine Befragung, die die Deka von Yougov durchführen ließ. Genau darauf zielen die neuen Impact-Fonds der Deka ab.

 

„Wertpapierbesitzer fordern gute Unternehmensführung.“

 

„Das Fondsvermögen fließt ausschließlich in Unternehmen, die positive, konkrete und messbare Beiträge für eine nachhaltigere Welt gemäß den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen leisten“, erklärt Martin Käseberg, Produktmanager der Deka. Das gelte sowohl für den Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien als auch für die Anleihen im Deka-Nachhaltigkeit Impact Renten. 

Attraktive Aktien

Neben den grünen Fonds bieten sich auch bewährte Anlageformen gegen niedrige Zinsen an. Wer etwa Anfang 2009 in den deutschen Leitindex Dax investiert hatte, konnte sein Kapital bis Anfang 2019 mehr als verdoppeln. Die langfristige durchschnittliche Renditeannahme für Aktien liegt bei rund fünf Prozent.

Während der Coronazeit stieg die Gewinnrendite europäischer Aktien sogar auf sechs Prozent: Damit schlägt sie alle anderen Anlageformen. „Wir empfehlen unseren Kunden den Einstieg in Aktienfonds. Vor allem bei einem längerfristigen Anlagehorizont sind Fonds attraktiv“, erklärt Michael Maier, Direktor Produktmanagement der Sparkasse Nürnberg. „Anleger können Fonds nach präferierten Branchen und entsprechend ihrer Risikoaffinität wählen – so wird fast jeder Anlagetyp fündig. Durch eine welt- oder europaweite Streuung werden zudem Börsenschwankungen gut ausgeglichen.“

 

Die Renditen von Geldanlagen im Langzeitvergleich zeigen:

Um die Jahrtausendwende lag die Gewinnrendite von Dax-Aktien im Jahresdurchschnitt unter denen von Bundesanleihen und top bewerteten deutschen Büroimmobilien. Allerdings hat sich in der Folgezeit das Verhältnis umgedreht. Ab 2009 sank insbesondere der Zinssatz von zehnjährigen Bundesanleihen dramatisch. Deutsche Büroimmobilien in Eins-a-Lage in den sieben wichtigsten Märkten konnten lange mit den Dax-Aktien mithalten, allerdings flacht auch hier die Kurve langsam ab.

 

So ist etwa der Deka-Global-Champions-Fonds sehr gut durch die Coronazeit gekommen. Die breite Aufstellung und ein langjähriger Investitionshorizont sind Deka-Fondsmanager Mario Adorf sehr wichtig. Auch im eigenen Interesse: Seit dem Tag der Erstnotiz gehört er auch zu den Anlegern des Deka-Global-Champions: „Es ist also auch ein Teil meiner eigenen Altersversorgung.“

Beliebtes Betongold

Bei den Renditeabständen zwischen den sicheren und weniger sicheren Anlagen ist in den vergangenen Jahren eine starke Verschiebung hin zu den Sachwerten auffällig.

„Sie müssen sich bewusst machen, dass Sie die reine Geldverwahrung auf dem Konto in den 20er-Jahren teuer kommt, während Sachwerte weiterhin Renditeperspektiven oberhalb der Inflation bieten“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmarkt und Strategie im Makro Research der Dekabank. Die Investition in ein Eigenheim oder eine Wohnung gehört dabei für die Deutschen zu den beliebtesten Anlageformen. 

 

„Geldverwahrung auf dem Konto ist heute eine schlechte Wahl.“

 

Hier bestehen aber auch gewisse Risiken: Neben der Bindung großer Kapitalsummen können Immobilienpreise und Mieten im Lauf der Zeit sinken. Bei manchen Immobilien sind – abhängig von Typ und Lage – die Renditen gefallen, weil die Kaufpreise schneller gestiegen sind als die Mieten.

Doch der Rückgang war moderat, und deshalb versprechen sie heute gute Rendite. Als Alternative zur eigenen Immobilie bieten sich offene Immobilienfonds an,
mit denen sich Privatanleger schon mit kleinen Beiträgen an Geschäfts- und Wohnimmobilien beteiligen können. Sie versprechen auch in Niedrigzins-Zeiten stabile Renditen von meist zwei bis drei Prozent.

Gold nur in geringen Mengen

„Gold wird irgendwo auf der Welt aus der Erde gegraben. Dann schmelzen wir es zu Barren, bauen einen unterirdischen Tresor und graben es wieder ein. Wenn uns Außerirdische dabei beobachten, es käme ihnen reichlich obskur und seltsam vor“, sagt Starinvestor Warren Buffett über das Edelmetall. Trotzdem gehört es auch in sein Portfolio.

Die Aussichten auf lang anhaltende niedrige Zinsen haben schon seit Längerem den Goldpreis nach oben getrieben – denn Gold gilt als krisensicher. Rohstoffexpertin Gabriele Widmann arbeitet als Volkswirtin in der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Dekabank, wo sie das Sachgebiet „Makro Trends/Rohstoffe“ leitet.

 

„Gold ist kein Allheilmittel.“

 

Sie sieht Gold nicht als Allheilmittel, aber als Bestandteil des Portfolios. „In US-Dollar gerechnet hat Gold seit Anfang des 20. Jahrhunderts, also in den vergangenen knapp 120 Jahren, pro Jahr im Durchschnitt knapp vier Prozent an Wert gewonnen. Damit dürfte die Inflation in diesem Zeitraum in etwa ausgeglichen worden sein. Ob man allerdings in den aktuellen Zeiten, in denen es kaum Inflation gibt und alles für weiterhin niedrige Inflationsraten spricht, überhaupt einen Inflationsschutz braucht, sei mal dahingestellt.“

Das Element der Diversifikation

Da der Goldpreis oft einen anderen Verlauf nimmt als die Kurse von Aktien oder Anleihen, kann aber auch eine Goldinvestition die Gesamtschwankungen des Portfolios verringern.

 

„Volkswirtschaftlich betrachtet, schafft Gold keinerlei Nutzen.“

 

„Es ist also ein Element der Diversifikation. Ich persönlich halte einen Anteil von etwa fünf bis maximal zehn Prozent für sinnvoll. Gold ist kein Allheilmittel, und volkswirtschaftlich betrachtet schafft Gold keinerlei Nutzen. Wenn ich Gold kaufe, schaffe ich damit keine Arbeitsplätze, keine Produktionsmöglichkeiten, ich leihe keinem Investor Geld, der damit Schulen und Straßen baut oder neuen Wohnraum schafft. Insofern fühle ich mich sehr wohl mit meinem breit gestreuten Portfolio, in dem ein hoher Aktienanteil und nur ein winziger Goldanteil enthalten ist.“
 

Thomas Soltau
– 16. September 2020