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Filialstrategie
Eine Frage der Vernunft
Die Sparkasse Aachen schließt in den nächsten vier Jahren ein Drittel ihrer Geschäftsstellen. In der Öffentlichkeit trifft das weitestgehend auf Verständnis.

Die Sparkasse Aachen gibt innerhalb der nächsten vier Jahre 32 ihrer jetzt 86 Geschäftsstellen auf. 16 Filialen sollen noch im vierten Quartal dieses Jahres in SB-Stellen mit Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern umgewandelt werden. 16 weitere Filialen folgen bis 2025. Gut ein Drittel aller Zweigstellen fällt damit weg, vor allem in der ländlichen Umgebung der 250.000-Einwohner-Stadt Aachen. Kündigungen soll es nicht geben.

Der Vorstand hatte sich dazu entschieden, das neue Standortkonzept vor wenigen Tagen komplett und offen darzulegen, anstatt scheibchenweise über Jahre hinweg jeweils einzelne Maßnahmen zu kommunizieren. Eine Strategie, die offenbar aufging: Die Presse berichtete über die Konsolidierungspläne in einem neutralen und tendenziell verständnisvollen Ton.

Kein medialer Aufschrei mehr

Die Zeiten, als Filialschließungen einen medialen Aufschrei auslösten, scheinen vorbei (wir berichteten). „Trotz Schließungen bleibt die Sparkasse in der Fläche“, titelten etwa die „Aachener Nachrichten“. Der als kritische geltende Branchen-Blog „Finanzszene.de“ schreibt zwar, die geplanten Maßnahmen dürften in der Bankenwelt zu den radikalsten der vergangenen Jahre gehören. Fazit des Artikels ist aber, Filialschließungen seien – auch in Anbetracht der regelmäßig guten Geschäftsergebnisse der Sparkasse Aachen – „nicht mehr unbedingt eine Frage der Not, sondern eine Frage der (zumindest von den Entscheidungsträgern so wahrgenommenen) Vernunft“.

Man stoße tatsächlich auf großes Verständnis, bestätigt Erich Timmermanns. Das liege wohl auch daran, dass andere Kreditinstitute die Zahl ihrer Standorte bereits deutlich reduziert hätten – bundesweit und in der Region. Doch natürlich seien auch schon die ersten enttäuschten Reaktionen zu verzeichnen, so der Pressesprecher der Sparkasse Aachen. In diesen Fällen versuche man, die Hintergründe noch einmal zu erklären.

Zahlen sprechen für sich

Zwei Faktoren nennt die Sparkasse für die Straffung des Filialnetzes: den Kostendruck durch die lange Niedrigzinsphase und das veränderte Verhalten der Kundschaft, die Dienstleistungen zunehmend digital abwickelt. Zahlen sprechen hier für sich: Im Jahr 2020 haben die Kunden fast 20 Millionen mal die Internetfiliale der Sparkasse Aachen besucht und über 14 Millionen mal das Onlinebanking aufgerufen. Über 600.000 mal haben Kunden die Geschäftsstellen oder das zentrale Kommunikationscenter telefonisch kontaktiert, über 60.000 Anfragen erreichten die Sparkasse über die zentrale E-Mail-Adresse.

Bei diesen Kontakten gehe es vor allem um Themen, für die der Kunde früher in seine Geschäftsstelle gegangen sei. Die Filiale nutze er heute überwiegend, um sich ausführlich beraten zu lassen. Die kleineren Standorte würden nur noch selten besucht.

Städtebauliche Aufwertung

Das neue Konzept der Sparkasse Aachen sieht demnach vor, Geschäftsstellen stärker an größeren Standorten zusammenzuführen. Dabei wird in den kommenden Jahren in Neu- und Umbauten investiert. Vorstandschef Norbert Laufs plant „moderne und kundenfreundliche Standorte, die langfristig Bestand haben“ und auch „zu einer städtebaulichen Aufwertung in den Kommunen beitragen“. Die Kunden sollen ihre gewohnten Ansprechpartner überwiegend behalten.

Eine zweite mobile Geschäftsstelle (unser Bild oben) soll eventuelle Lücken auf dem Land schließen. Die genauen Routen würden noch festgelegt, sagt Pressesprecher Timmermanns. Eine andere Alternative zur Geschäftsstelle gebe es schon länger: Berater besuchen Kunden auf Wunsch auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten zuhause.

Lesen Sie hier ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Norbert Laufs.

 

Silvia Besner
– 16. Juni 2021