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Identitätsdienst yes
Warum Sparkassen an yes aktiv teilnehmen sollten
Bereits 280 Sparkassen bieten Kunden an, sich über den Identitätsdienst yes im Netz zu identifizieren. Ein Gespräch mit SFP-Produktmanagerin Annika Birglmaier über den Entwicklungsstand von yes und die Marktsituation bei digitalen Identitätslösungen.

Der Identitätsdienst yes setzt ohne zusätzliche Verfahren wie VideoIdent auf der bereits erfolgten Kunden-Identifizierung der Banken auf. Damit vereinfacht yes den Abschluss von Online-Verträgen für Kunden, Händler und Dienstleister.

Zurzeit nutzen 280 Sparkassen yes, das sind 75 Prozent der Häuser. Eine Teilnahme weiterer Sparkassen ist für das gesamte yes-Ökosystem von hoher Relevanz. Annika Biglmaier, Produktmanagerin yes-Identitätsdienst im Sparkassen-Finanzportal (SFP), zum Entwicklungsstand von yes.
 

Frau Birglmaier, mit einem sogenannten Third-Party-Provider (TPP+) hat yes eine neue Projektstufe erreicht. Welche Auswirkungen hat TPP+ auf den Identitätsdienst yes?

Der Third-Party-Provider ist ein Drittanbieter, der über die PSD2-Schnittstelle Daten vom Endkunden erhebt und speichert und damit ermöglicht, dass jeder Kunde mit deutschem Online-Banking-Konto yes nutzen kann.

Seit Juli bietet der IT-Dienstleister Crifbürgel diesen Dienst an. Das mildert die bisherige Herausforderung deutlich ab, weil Kunden von nicht teilnehmenden Banken und Sparkassen nun keine Fehlermeldung mehr erhalten und die Reichweite für potenzielle Partner deutlich attraktiver wird.


Noch nicht an yes teilnehmende Sparkassen und deren Kunden haben also keinen Nachteil mehr. Was raten Sie diesen Sparkassen jetzt?

Biglmaier: Der Prozess über den TPP+ ist bei der Erstnutzung für den Endkunden nicht ganz so einfach und schön wie bei teilnehmenden Banken. Das heißt für ein optimales Kundenerlebnis und auch aus Erlössicht ist es weiterhin ratsam und wichtig für Sparkassen, aktiv an yes teilzunehmen.

Denn nicht teilnehmende Sparkassen profitieren in diesem Fall nicht von den Erlösen, sondern der Drittanbieter. Zudem positionieren sich yes-Sparkassen als ID-Pioniere und stärken damit ihre Wahrnehmung als moderner, digitaler Finanzdienstleister.

 

Merkt man durch TPP+ schon den Rückenwind beim Thema Partnerakquise? Ist schon Zulauf spürbar?

Biglmaier: Da der TPP+ erst seit Mitte Juli live ist und die Partneranbindung meist ein mehrmonatiger Prozess ist, werden wir die positiven Auswirkungen erst in den kommenden Monaten spüren.

Allerdings haben wir in früheren Akquise-Gesprächen häufig vernommen, dass interessierten Partnern die Reichweite nicht ausreichend war und sie ihre Kunden nicht bei mehr als 50 Prozent der Transaktionen in eine Sackgasse mit Fehlermeldung schicken wollten.

Daher versprechen wir uns mit der neu gewonnen Reichweite durch den TPP+ eine große Hebelwirkung in Sachen Partneranbindung.

 

Wie viele neue Marktteilnehmer konnten bisher gewonnen werden?

Biglmaier: Begonnen hatte alles mit dem Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de und der Provinzial Rheinland im März 2020. Mittlerweile haben sich andere Unternehmen wie smartsteuer, weltsparen oder WISO Steuer angeschlossen, so dass wir aktuell bei 15 Partnern sind.

In den vergangenen Monaten zeichnete sich eine sehr positive Entwicklung bei den Transaktionen ab. Nicht nur die Anzahl stieg kontinuierlich, sondern auch der Anteil bezahlter Transaktionen konnte um rund 50 Prozent gesteigert werden.

 

Die Kooperation von yes und Buhl, Anbieter für die digitale Einkommensteuererklärung, ist sehr erfolgreich. Was können Sie über diese Partnerschaft berichten?

Biglmaier: Buhl hat yes für das Produkt WISO Steuer im März dieses Jahres eingeführt, so dass sich Personen bei Abgabe ihrer Steuererklärung nun auch mit ihrem Onlinebanking identifizieren können.

Hier hatten wir in den ersten fünf Monaten rund 11.000 bezahlte Transaktionen. Das Schöne an diesem Beispiel ist, dass es sich um einen bundesweiten Anwendungsfall handelt, von dem alle Sparkassen profitieren.

 

Welche Vorteile sind für die Sparkassen bereits sichtbar?

Biglmaier: Neben den bundesweiten, erlösbringenden Transaktionen bestätigt der WISO-Case, dass yes funktioniert – denn die Kunden verstehen intuitiv, dass sie mit ihrem Online-Banking eine einfache Möglichkeit haben, sich zu identifizieren.

Buhl teilte mit, dass yes bereits zu dem beliebtesten Identifizierungsverfahren ihrer Kunden geworden ist. Zudem strahlt dieser Anwendungsfall auchauf andere Unternehmen aus.

Wir nennen WISO deshalb unseren Leuchtturmpartner. Ein paar Anwendungsfälle mehr dieser Art und yes kann für alle ein gewinnbringendes Geschäftsmodell sein.

 

Mit welchen weiteren Maßnahmen sollen neue Partner ins Boot geholt werden?

Biglmaier: Im Frühsommer dieses Jahres haben wir einen gemeinsamen Vertriebssprint mit der Genossenschaftliche Finanzgruppe, yes, Crifbürgel und einer unabhängigen Beratung gemacht, um neue Potenziale bei der Partnerakquise zu nutzen und den Vertrieb voranzutreiben.

Hieraus sind verschiedenste Arbeitspakete entsprungen, wie die gemeinsame Ansprache von hochrelevanten Partnern, die Aufbereitung von einheitlichen Unterlagen und ein komplett neuer Webauftritt seitens yes.

Diese und viele weitere Themen werden von allen Ökosystem-Teilnehmern in den nächsten Monaten verstärkt bearbeitet und umgesetzt. Auch Sparkassen wurden mittels der sogenannten Firmenkundeninitiative dazu befähigt, selbst auf interessierte Firmenkunden in ihrem Bestand zuzugehen.

Mit Hilfe weiterer Ausbaustufen, beispielsweise Zahlfunktion und GWG-Identität, und dank der neu gewonnenen Reichweite durch den TPP+ wollen wir nun weitere vielversprechende Märkte erreichen, denn viele Unternehmen wünschen eine ganzheitliche Lösung.

 

Oliver Hepfner, Geschäftsführer Sparkassen-Finanzportal: „Für die Steuererklärung kooperieren wir bereits mit WISO Steuer. Endkunden können über ihre teilnehmende Sparkasse Personen- und Umsatzdaten aus ihren Konten direkt in die Steuererklärung bei Buhl übernehmen. Die Nutzung des Onlinebankings über Yes zur Freischaltung der papierlosen Abgabe ist ein weiterer wichtiger Schritt, um es unseren Kunden so einfach wie möglich zu machen, digitale Dienste zu nutzen – sicher, verlässlich und transparent.”


 

Wie sieht die technische Weiterentwicklung aus. Welche Ausbaustufen sind für yes in Planung?

Biglmaier: Ende 2020 wurde die qualifizierte elektronische Signatur bei den Sparkassen ausgerollt, die mittlerweile 85 Prozent aller teilnehmenden yes-Institute eingeführt haben. Technisch bereit ist zudem die QID, das ist ein GwG-konformes Identifizierungsverfahren, bei dem eine Signatur eines Standarddokuments erfolgt.

Ergänzend dazu soll in den kommenden Monaten eine Überweisungsfunktion ausgerollt werden, so dass eine GWG-konforme Legitimation eines Kunden für Partner möglich ist. Damit wird die Tür zum großen GWG-Markt eröffnet.

Zudem finden bereits Workshops zu künftigen Themen wie Account-Information-Services und  Bonität statt, die im kommenden Jahr erarbeitet werden sollen, weil auch hier ein vielversprechender Markt vorliegt.

 

Was heißt das für die Suche von Geschäftspartnern und für die Kunden?

Biglmaier: Durch die kommenden Produktausbaustufen können sehr attraktive Märke adressiert werden, so dass sich große Potenziale bei der Partneranbindung eröffnen. Wir haben regelmäßig das Feedback erhalten, so auch bei Verbundpartnern, dass insbesondere die GWG-konforme Legitimation und die Alternative zur Videoidentifikation einen riesigen Mehrwert stiften würden. Dies wird schon in wenigen Monaten möglich sein.

Hinzu kommt, dass Unternehmen gerne ein Gesamtpaket bei einem Anbieter erhalten möchten und bei zunehmenden Ausbaustufen eher von einem Anbieter überzeugt sind. Nachfolgend kann dies auch zur höheren Nutzung der Basisprodukte von yes führen.

 

Wie ist der Wettbewerb in diesem Marktsegment insgesamt?

Biglmaier: Im Markt für digitale Identitätslösungen herrscht aktuell große Dynamik, auch wenn der Durchbruch für dieses Geschäftsfeld auch bei Wettbewerbern wie beispielsweise Verimi noch immer nicht erfolgt ist.

Große Anbieter wie Google und Apple sind parallel mit eigenen Identitätslösungen in den Markt eingestiegen. Auch die Bundesregierung hat das Thema aufgegriffen und setzt auf dem sogenannten Self-Souvereign-Identity-Ansatz (SSI) auf, das ist eine Weiterentwicklung der Online-Funktion des Personalausweises auf einem Smartphone.

Die Konkurrenz schläft nicht: Vor kurzem hat IDNow die GWG-konforme Identitätsprüfung eingeführt, so dass es nun für das gesamte yes-Ökosystem und Sparkassen heißt, möglichst schnell den eigenen Marktanteil zu sichern.
 

Alle Informationen zu yes finden Sparkassen im ROLF
www.umsetzungsbaukasten.de.

Antwort auf Fragen gern unter YES@sparkassen-finanzportal.de
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Thorsten Herold (Foto oben: getty images)
– 29. September 2021

Sönke S.

..wäre ja klasse, wenn die Zahl der Einsatzfälle nun deutlich ausgebaut werden könnte, vielleicht gelingt es ja auch, ein paar „Zugpferde“ zu generieren, um YES auch erleben zu können. Das fehlt leider…. ….und die Wahrnehmung, was YES bietet, schwindet deutlich….