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Immobiliengeschäft
„Wir brauchen die Energieausweise“
Im Anlagegeschäft sind grüne Kriterien längst ein Marktstandard. Bauen und Wohnen könnte das nächste große Geschäftsfeld für nachhaltige Engagements sein. Dabei kommt es auf die Mithilfe der Sparkassen an.

Was ist eine grüne Immobilie und woran erkennt man sie? Mit dieser Frage befasst sich derzeit eine Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Die wichtigste Botschaft dieser Studie richtet sich an die Sparkassen“, sagt Maik Grabau, Leiter Strategische Banksteuerung im DSGV: „Wir müssen anhand der aktuellen Energiedaten systematisch Wissen über den Bestand aufbauen.“

Im Klartext: Die in vielen Fällen verfügbaren Energieausweise müssten elektronisch erfasst werden, „und zwar sauber und in hoher Qualität“. Denn nur so können Informationen später automatisiert ausgelesen, ausgewertet und zu großen Datenbündeln anonymisiert zusammengeführt werden.

 

Maik Grabau, Leiter Strategische Banksteuerung im DSGV: „Wir müssen anhand der aktuellen Energiedaten systematisch Wissen über den Bestand aufbauen.“

Regulierung bedienen – Vertriebschancen nutzen

Das hat einen aufsichtlichen und einen vertrieblichen Hintergrund. Auf das Immobiliengeschäft kommen eine Reihe von Offenlegungs- und Reporting-Pflichten zu. Die Sparkassen müssen etwa angeben, wie viele und welche Immobilienfinanzierungen als grün zu klassifizieren sind. Ziel des DSGV-Projekts ist daher, einen Datensatz zu definieren, der den Sparkassen diese Meldungen erleichtert.

Dieser regulatorisch bedingte Aufwand lässt sich aber auch vertrieblich nutzen. Mit einer ausreichenden Zahl an Objekten, die nach festen Kriterien als nachhaltig klassifiziert sind, könnte sich die Sparkassen-Finanzgruppe den stark wachsenden Markt grüner Refinanzierungsinstrumente erschließen.

Datenbasis ist verbesserungsfähig

Damit die vertrieblichen Chancen voll genutzt werden können, müssen aber zunächst einmal Daten erhoben werden, und das möglichst automatisch. Die technischen und konzeptionellen Vorarbeiten dazu laufen derzeit im Projektteam des DSGV mit mehr als 20 Vertretern aus Sparkassen, Landesbanken und weiteren Dienstleistern aus dem Verbund.

Das Projektteam bittet die Sparkassen um möglichst umgehende Mithilfe: Die Energieausweise müssen bei allen Erst- und Folgefinanzierungen von Immobilien eingeholt werden, so Grabau. Mit keinem anderen Dokument lassen sich im Mengengeschäft so viele relevante Informationen zur späteren Klassifizierung von grünen Immobilien und Finanzierungen gewinnen.

Screening nur mit maschinenlesbaren PDF-Dateien im Archiv

Etwa 30 bis 40 Prozent der Sparkassen holen den Gebäude-Energieausweis derzeit nicht konsequent ein. Dies sollte aber mit Blick auf das neue Geschäftsfeld ab jetzt Routine werden. Denn nur wenn jetzt ein Bestand an Energieausweisen aufgebaut wird, ist ein späteres Screening des Finanzierungsbestands auf grüne Assets sinnvoll möglich.

Hierbei sollte auf die hohe, und damit künftig automatisiert verarbeitbare Qualität der Ausweise geachtet werden. Idealerweise werden die Original-PDF-Dokumente des Energieausweis-Ausstellers archiviert. Gescannte Schwarz-Weiß-Kopien oder unprofessionelle Handyfotos werden nur schwer maschinell auswertbar sein und könnten zu hohen Aufwänden bei der manuellen Nacherfassung führen.

Sparkassen, die Energieausweise einheitlich und konsequent erfassen, sind letztlich auch in einer erheblich besseren Position, grüne Anteile ihres Geschäftes gegenüber Kunden, der Aufsicht und interessierten Marktteilnehmern auszuweisen. Vor allem aber tragen sie dazu bei, dieses Geschäftsfeld für die Sparkassen-Finanzgruppe zu ermöglichen und das traditionelle Immobiliengeschäft um neue vertriebliche Ansätze zu erweitern.

Anke Bunz (Foto oben: dpa)
– 22. Juli 2021