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Infrastruktur / Serie – Teil 3
Gemeinsam für ein schnelles Netz
Mit ihrem Engagement sorgt die Sparkasse Ingolstadt Eichstätt für ultraschnelles Internet in der oberbayerischen Großstadt. Davon profitiert zum Beispiel der Autobauer Audi. Auch die DKB finanziert den Ausbau leistungsstarker Breitbandnetze in Deutschland mit.

Glasfasernetze sind zur Lebensader der digitalen Gesellschaft geworden. Dank der hohen Übertragungsleistung können so riesige Datenmengen mit extrem schneller Geschwindigkeit übermittelt werden. Im Vergleich mit bestehenden Kupferkabeln ist das ein technischer Quantensprung.

Die Versorgung der Kommunen mit modernen Glasfasernetzen ist mit hohen Investitionskosten verbunden, weil das Glasfasernetz komplett neu aufgebaut werden muss. Für den Breitbandausbau in Deutschland nimmt die öffentliche Hand viel Geld in die Hand. Doch ohne privates Kapital ist eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet nicht möglich. 

Sparkassen und Landesbanken spielen bei der Finanzierung von solchen Infrastrukturprojekten eine wichtige Rolle. Im Rahmen einer dreiteiligen Serie stellt die SparkassenZeitung vier Finanzierungsbeispiele aus der Sparkassen-Finanzgruppe vor. Im letzten Teil stehen die Sparkasse Ingolstadt Eichstätt und die DKB im Mittelpunkt.

Starke Zunahme im Breitbandgeschäft

„Die DKB gehört zu den wichtigsten Kreditgebern in der kommunalen Daseinsvorsorge in Deutschland“, sagt Axel Kasterich, Bereichsleiter Infrastruktur bei der DKB. Die  BayernLB-Tochter sei seit 30 Jahren in diesem Geschäftsfeld tätig und habe so eine große Expertise aufbauen können. Zu den Kunden der DKB zählen rund 400 Stadtwerke und mehr als 4000 Kommunen, Landkreise und Kommunalverbände in ganz Deutschland.

 

Axel Kasterich: „Die Nachfrage nach Breitband-Finanzierungen hat in den letzten eineinhalb Jahren stark zugenommen.“

 

Im Vordergrund steht dabei die Finanzierung von Bauvorhaben für Straßen, Schulen oder Krankenhäusern. Eine immer größere Rolle spielt der Breitbandausbau. „Die Nachfrage nach Breitband-Finanzierungen hat in den letzten eineinhalb Jahren stark zugenommen“, stellt Kasterich fest. Auf diese Entwicklung hat die DKB mit der Gründung eines Kompetenzcenters Breitband reagiert. 

Schnelles Internet für Schleswig-Holstein

Seit der ersten größeren Finanzierung im Jahr 2011 hat die DKB bis heute mehr als 30 Glasfaserausbauvorhaben mit einem Kreditvolumen von ungefähr 250 Millionen Euro finanziert. In diesem Geschäftsfeld kooperiert die DKB beispielsweise mit der Vereinigten Stadtwerke GmbH. Das kommunale Unternehmen in Schleswig-Holstein gehört zu 100 Prozent den Städten Ratzeburg, Mölln und Bad Oldesloe. Es versorgt die rund 70.000 Haushalte in der ländlich geprägten Region mit Energie, Wasser und schnellem Internet (bis zu ein Gigabyte Megabit/Sekunde).

Um den Breitbandausband im ländlichen Raum voranzutreiben, wurde 2009 die Tochtergesellschaft Vereinigte Stadtwerke Media gegründet. Sie ist verantwortlich für den Breitbandausbau in den Gemeinden zwischen Hamburg und Lübeck. Seit der Gründung hat das Unternehmen rund 155 Millionen Euro in den Breitbandausbau investiert. Die DKB ist als Konsortialführerin am Projekt beteiligt.

 

Die Versorgung der Kommunen mit modernen Glasfasernetzen ist mit hohen Investitionskosten verbunden, weil das Glasfasernetz komplett neu aufgebaut werden muss.

 

Starke Kooperation mit einem starken Partner

„In Sachen Breitbandversorgung nimmt unsere Region heute eine Vorbildfunktion in Deutschland ein“, sagt Fabian Caspers  von der Vereinigten Stadtwerke Media. Seit 2009 seien bereits mehr als 4000 Kilometer Glasfasernetze aufgebaut worden. Heute können 44.000 Kunden in 160 Gemeinden mit zukunftsfähigem TV-, Telefon- und Internetanschluss versorgt werden.   

Laut OECD sind lediglich vier Prozent aller stationären Breitbandanschlüsse in Deutschland mit einem Glasfaserkabel verbunden (Stand Dezember 2019). Dagegen kann das Versorgungsgebiet der Vereinigte Stadtwerke Media nach eigenen Angaben mit 70 Prozent auftrumpfen. „Ohne die Kooperation mit einem starken Partner wie der DKB wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen“, sagt Fabian Caspers.

 

Im Versorgungsgebiet der Vereinigten Stadtwerke sind 70 Prozent aller stationären Breitbandanschlüsse mit einem Glasfaserkabel verbunden. 

 

Axel Kasterich führt die positive Bilanz auf mehrere Faktoren zurück. So habe die Vereinigte Stadtwerke Media von Beginn an auf ein eigenwirtschaftliches Modell gesetzt. „Dieses ist mit einer Mindestanschlussquote von 60 Prozent sehr gut geplant und ebenso erfolgreich umgesetzt worden.“ Auf lange Sicht betrachtet können so die Kosten, insbesondere die hohen Investitionen, mit den Einnahmen der Kunden refinanziert werden. Darüber hinaus seien die DKB-Finanzierungsexperten auch Spezialisten, die sich frühzeitig mit Glasfasertechnologie zu beschäftigen begonnen haben, sagt Kasterich.

Audi fährt auf Highspeed-Internet ab

Ein weiteres Beispiel für ein erfolgreiches Engagement für den Ausbau der kommunalen Breitband-Infrastruktur in Deutschland liefert die Sparkasse Ingolstadt Eichstätt. Bereits 1998 beschloss die damalige Sparkasse Ingolstadt gemeinsam mit lokalen Partnern die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zum Aufbau eines modernen Glasfasernetzes: die Com-In Telekommunikations GmbH, kurz Com-In. Die Stadtwerke Ingolstadt sind mit einer Mehrheit daran beteiligt.

„Die Sparkasse Ingolstadt erkannte schon früh ihren eigenen Bedarf an schneller digitaler Kommunikation in ihrem gesamten IT-Netzwerk“, sagt Johannes Edler von Koch, Gruppenleiter bei der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt. Ein weiterer Grund für das Engagement der Sparkasse war die regionale Wirtschaftsförderung. Dabei hatte man besonders Audi, einen der größten Arbeitgeber in der Region, im Blick. 

 

Stammsitz von Audi in Ingolstadt. 

 

Audi hatte damals seine zahlreichen Außenstandorte im Raum Ingolstadt mit dem Com-In-Glasfasernetz angebunden. Auch heute bezieht der Autobauer noch einen Großteil der sogenannten Metroverbindungen von Com-In, erläutert eine Unternehmenssprecherin von Audi auf Anfrage. Metroverbindungen sind Verbindungen innerhalb oder nahe einer Stadt. Außerdem ist Com-In als Partner für Verbindungen zu großen Cloud-Anbietern und als Lieferant von hochperformanten Internetleitungen im Einsatz. Dabei handelt es sich um leistungsstarke und stabile Internetverbindungen mit einer Kapazität von zehn Gigabit oder mehr.

Nach Auskunft von Com-In-Geschäftsführer Christian Siebendritt hat das durch das Unternehmen verlegte Glasfasernetz mittlerweile eine Länge von über 850 Kilometern. Für über 85 Prozent der Gebäude in Ingolstadt bestehe bereits die Möglichkeit, einen Glasfaseranschluss zu buchen. Die noch verbleibenden Ausbaugebiete sollen in den kommenden drei bis vier Jahren erschlossen werden. 

Früher Markteinstieg zahlte sich aus

Die Gründung der Com-In zum Bau und Betrieb von Glasfasernetzen kann man als Erfolgsmodell betrachten. Ist es auf andere Sparkassen übertragbar? – Heute sei der Markt bereits verteilt und meist schon durch große Konzerne aus dem Telekommunikationssektor besetzt, gibt Johannes Edler von Koch von der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt zu bedenken.

 

Johannes Edler von Koch: „Die Sparkasse Ingolstadt erkannte schon früh ihren eigenen Bedarf an schneller digitaler Kommunikation in ihrem gesamten IT-Netzwerk.“

 

Grundsätzlich sei es richtig gewesen, dass der Einstieg der Sparkasse in die Beteiligung zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgt sei, als Glasfasernetze noch „Zukunftsmusik“ gewesen seien. Ein erfolgversprechender Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt sei deshalb stark von den regionalen Gegebenheiten und Akteuren abhängig, so seine Einschätzung.
 

Ricardo Tarli
– 15. September 2020