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Internationales Geschäft
Grün in alle Welt
Bürgschaften und Kredithilfen für Exporte sollen verstärkt für grüne Projekte vergeben werden, sagt die „Sustainable Finance-Strategie“ des Bundes. Die ABO Wind AG, Kundin der Naspa, sieht den Handlungsbedarf jedoch woanders.

Seit 25 Jahren projektiert die ABO Wind AG Windparks und zunehmend auch Fotovoltaikprojekte überall auf der Welt. Deutschland und Frankreich sind die Hauptmärkte, aber auch in Finnland, Irland, Spanien, Ungarn oder Tunesien wurde schon gebaut. In Südamerika und Afrika hat das Unternehmen Erneuerbare-Energie-Parks in der Planung.

 


Für so ein Unternehmen könnte die neue „Sustainable Finance-Strategie“ der Bundesregierung attraktiv sein. Denn bei der Vergabe von Exportkreditgarantien wird in Zukunft stärker auf den Klimabeitrag geachtet – und besonders grüne Projekte können Sonderkonditionen erhalten.

Alexander Koffka findet grüne Exportförderung nett, aber ein bisschen das Pferd von hinten aufgezäumt. Koffka ist Mitglied der Geschäftsleitung der ABO Wind mit Sitz in Wiesbaden. Er sagt: „Uns fehlt nicht so sehr die Förderung für das Ausland, denn viele Ländern haben inzwischen gute Bedingungen für den Ausbau der Solar- und Windenergie geschaffen. Uns fehlen Flächen und Genehmigungen für Wind- und Solarparks hier in Deutschland, um die immer ehrgeizigeren Klimaziele überhaupt erreichen zu können.“

Die Nutzung von erneuerbaren Energien ist Voraussetzung für den Kohleausstieg, der in Deutschland beschlossene Sache ist. „So, wie der CO2-Preis derzeit steigt, wird Kohle vielleicht sogar noch früher vom Netz gehen“, meint Koffka.

 

Alexander Koffka, Mitglied der Geschäftsleitung der ABO Wind AG, findet grüne Exportförderung gut – andere Ansätze aber dringlicher.


Den Umbau beschleunigen

Um diese Transformation zu schaffen, geht es nicht so sehr um „nachhaltige Finanzierungsangebote“ (Sustainable Finance), sondern darum, den Umbau zu beschleunigen. „Viele Windkraftprojekte in Deutschland benötigen mittlerweile fünf Jahre vom Beginn der Planung bis zur Einspeisung der ersten Kilowattstunde“, berichtet der Manager. Die ABO Wind hat erst kürzlich die Genehmigung für einen Windpark in Baden-Württemberg erhalten, an dem sie seit 2013 arbeitet. Das Verfahren wurde gerichtlich geklärt, nachdem die zuständige Behörde die Genehmigung mit Verweis auf den Artenschutz zunächst verweigert hatte.

Wind und Sonne sind am günstigsten

Koffka ist allerdings zuversichtlich, dass es bei zukünftigen Projektierungen schneller geht. „Der Stromverbrauch steigt – weltweit. Und Strom aus erneuerbaren Energien ist heute – je nach Land – für zwei bis sieben Eurocent die Kilowattstunde herstellbar. Das ist auch für Deutschland attraktiv, wo frühere Förderzusagen bisher den Preis für Strom sehr verteuern. Und für Länder, die erst noch eine flächendeckende Stromversorgung herstellen müssen, sind Wind und Sonne ohnehin die günstigste Lösung.“ 

 


Die ABO Wind zielt daher auch auf afrikanische Länder. Allerdings bietet nicht jedes Land ausreichend Rechtssicherheit, und ein einmal aufgebautes Windkraftwerk kann man im Zweifel nicht einfach abbauen und wieder nach Hause tragen. „Politische Hilfe brauchen wir nicht so sehr auf der Finanzseite, sondern bei der Absicherung“, erklärt Alexander Koffka. Sein Petitum: Investitionsschutz statt grüner Exportkredite.

Nachhaltige Hausbank erwünscht

Ökologisches Bewusstsein ist für die ABO Wind ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Finanzpartners.


Ilja Oswald ist der Firmenkundenberater der ABO Wind und betreut sie gemeinsam mit Hüseyin Demir, Auslandsfachberater im Internationalen Geschäft der Naspa. Das übliche Geschäft sind Betriebsmittelfinanzierungen, Projektfinanzierungen, Auslandszahlungen, Akkreditive, Garantien, Wechselkursabsicherungen und Fremdwährungskonten.

Doch bald werden Kunde und Berater auch vor der Aufgabe stehen, die Nachweispflichten aus der EU-Taxonomie oder aus dem Lieferkettengesetz sowie eine stärkere Gewichtung von Nachhaltigkeitsrisiken umzusetzen.

„Ich denke nicht, dass das die Hausbankbeziehung grundsätzlich verändern wird, dafür ist unser Kontakt zu eng und lange Jahre gewachsen“, meint Oswald. „Aber es hilft sicher, dass wir uns in der Naspa selbst intensiv mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen und schon heute viel an die Gesellschaft zurückgeben.“

Kompromisse sind immer mit an Bord

Für Alexander Koffka sind Gemeinwohlorientierung und ökologisches Bewusstsein tatsächlich wichtige Kriterien für die Wahl seines Finanzpartners. „Wenn wir in dem Punkt auf Gleichgültigkeit stoßen würden, das wäre schwierig“, meint er. Die eigene Lieferkette jedoch kann er nur bedingt nach den Welt-Entwicklungszielen gestalten. „Für die Solar-Module gibt es am Weltmarkt ausschließlich chinesische Angebote. Wir können dem nicht ausweichen, auch wenn wir bezüglich dortiger Arbeitsbedingungen Bedenken hätten“, räumt er ein.

Ilja Oswald ist der Firmenkundenberater der ABO Wind AG und betreut sie gemeinsam mit Hüseyin Demir, Auslandsfachberater im Internationalen Geschäft der Naspa.


Markt für nachhaltige Kapitalanlagen zieht an

Firmen wie die ABO Wind erleben beispielhaft die Chancen und Schwierigkeiten einer Wirtschaft im Umbruch. Während auf der einen Seite Genehmigungsverfahren und Interessenskonflikte bremsen, zieht auf der anderen Seite der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen an.

Die teuren Erstinvestitionen bei Ökostrom-Projekten werden damit günstiger und bieten gerade in Schwellenländern auch die Chance für einen gesellschaftlichen Entwicklungsschub. Koffka sagt es so: „Wenn man sicher sein will, dass in Tansania beim Kochen der Strom hält, dann muss man mit Sonne tanken.“

Das Wissen und die technischen Lösungen dazu bietet die ABO Wind weltweit. Die Nassauische Sparkasse unterstützt das Unternehmen gemeinsam mit weiteren Partnern aus der Sparkassen-Finanzgruppe.

Mit dem E-Smart grün unterwegs

Und übrigens: Wenn Ilja Oswald zu Besuch in der Firmenzentrale ist, dann fährt er dort im Elektro-Smart der Nassauischen Sparkasse vor. Ein Firmenkundenberater, der „grün unterwegs" zum Kunden ist, ist schließlich auch „Sustainable Finance“.

Anke Bunz
– 2. Juni 2021