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Kooperation
Per Crowdinvesting zum Solarpark
In Kooperation mit der Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau und der Deutschen Kreditbank haben Bürger im unterfränkischen Laufach eine große Photovoltaikanlage finanziert.

Die Energiewende ist gesellschaftlicher Konsens. In Deutschland besteht Übereinstimmung darüber, dass die Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen ausgebaut werden muss. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Deutschland von derzeit 43 Prozent auf 65 Prozent deutlich angehoben werden.

Damit das gelingen kann, müssen weitere regenerative Anlagen gebaut werden. Dabei kommt den PV-Freiflächenanlagen neben der Windkraft eine herausragende Bedeutung zu. Neben einer rechtssicheren Standortauswahl und einem komplizierten Ausschreibungsverfahren ist fehlende Akzeptanz und Widerstand im lokalen Umfeld zu einer entscheidenden Ursache geworden, durch die der Ausbau Erneuerbarer ins Stocken geraten ist.

Bürger und Bürgerinnen zu Teilhabenden des Projektes machen und regionale Akzeptanz für das eigene Erneuerbare-Energie-Vorhaben schaffen. Das war die Überlegung von Bernd Büttner, als er mit der Bürgersolar Laufach GmbH & Co. KG eine Crowdinvesting-Kampagne im Landkreis auf der DKB-Crowd gestartet hat.

In sechs Wochen stand die Photovoltaikanlage

Sein Vorhaben: Ein Solarpark in Laufach, im Landkreis Aschaffenburg direkt an der Eisenbahnlinie Frankfurt-Würzburg. Im Herbst 2020 wurde mit dem Anlagenaufbau begonnen und innerhalb von nur sechs Wochen entstand eine 3750 Kilowattpeak (kWp) große Freiflächen-Photovoltaikanlage. Der Solarpark kann umgerechnet 700 Familien mit grüner Energie versorgen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.

Die vor Ort erzeugte Solarenergie wird auf Grundlage des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) ins örtliche Stromnetz eingespeist und direkt vermarktet. An diesen Erträgen möchte die Bürgersolar Laufach GmbH & Co. KG die Bürger vor Ort teilhaben lassen: in Form von verzinslichen Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt, vermittelt über die DKB-Crowd. Mit dem eingesammelten Geld aus der Crowdinvesting-Kampagne wurde die Zwischenfinanzierung der Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau zurückgeführt.

Crowdinvesting ist ein noch recht junges und komplett digitales Verfahren zu finanziellen Beteiligung von Bürgern. Dabei bilden viele Kleinanleger gemeinsam die sogenannte Crowd. Besonders im Immobilienbereich ist Crowdinvesting bereits ein etabliertes Finanzierungsmittel.

Finanzielle Beteiligung schafft Akzeptanz

Aber auch zur Finanzierung erneuerbarer Energien wird es immer beliebter. Durch die finanzielle Beteiligung der Bürger kann die Akzeptanz für das regionale Erneuerbare-Energien-Projekt gesteigert und Widerstände abgebaut werden. Durch Crowdinvesting werden Bürger zu Teilhabenden des Projekts.

Auf der DKB-Crowd können nachhaltige Projekte, wie erneuerbare Energien, schwarmfinanziert werden. Anleger beteiligen sich mit Einzelbeträgen ab 250 Euro bis zur maximal zulässigen gesetzlichen Obergrenze von 25.000 Euro an den jeweiligen Projekten. Unternehmen oder Vereine können zwischen 100.000 und sechs Millionen Euro in Form von Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt einwerben, um ihre Projekte zu realisieren.

In nur sechs Wochen entstand der Solarpark an der Eisenbahnlinie Frankfurt–Würzburg.

Das eingeworbene Nachrangdarlehen wird dem Mezzanine-Kapital zugeordnet und zeichnet sich dadurch aus, dass seine rechtliche und wirtschaftliche Ausgestaltung eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital ist. Damit kann dieses Nachrangdarlehen als finanzielles Beteiligungsinstrument nicht nur die Akzeptanz für dezentrale erneuerbare Energieanlagen steigern, sondern auch die Finanzierungsstruktur des Unternehmens optimieren.

Nachrangdarlehen ist frei gestaltbar

Das Nachrangdarlehen ist hinsichtlich Laufzeit, Verzinsung und Tilgung mit wenigen Ausnahmen frei gestaltbar. Aufgrund des Totalverlustrisikos der Anleger sollten die Zinsen dem höheren Risiko ausreichend Rechnung tragen und durch die Projektinitiatoren auch verdient werden können. Weil das Nachrangdarlehen steuerlich als Fremdkapital behandelt wird, sind die Anlegerzinsen für die Projektinitiatoren als Betriebsausgabe steuerlich abzugsfähig.

Es ist möglich, regional einzugrenzen, wer investieren darf, und den direkten Anwohnern damit die Option zum Investieren exklusiv zu geben. So war es auch beim Projekt in Laufach. Mit der regionalen Eingrenzung wurde den Einwohnern der Stadt Laufach faktisch ein bevorzugtes Zeichnungsrecht eingeräumt. Die Fremdkapitalfinanzierung übernahm die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau.

Nach drei Stunden war das Projekt finanziert

Die Zeichnungssumme betrug 252.000 Euro, Laufzeit zehn Jahre, Verzinsung vier Prozent, maximales Zeichnungsvolumen 5000 Euro. 62 Bürger zeichneten mit einem durchschnittlichen Anlagevolumen von 4064 Euro. Bereits nach drei Stunden war das Projekt finanziert – eine Rekordgeschwindigkeit, die zeigt, welches Potenzial Crowdinvesting für regionale und nachhaltige Projekte hat.

Die DKB steht den Sparkassen bundesweit bei der Umsetzung von Bürgerbeteiligungsvorhaben als Kooperationspartnerin zur Seite.  Als Ansprechpartner für die Zusammenarbeit im Sparkassenfinanzverbund steht Ihnen Peter Knoop, Bereich Unternehmensentwicklung, Sparkassen & Verbund, gern zur Verfügung; Kontakt: sparkassen@dkb.de oder +491792114994. 

Weitere Informationen: www.dkb-crowdfunding.de

Der Autor Mohamed Al-Shraydeh ist Produktverantwortlicher für Crowdinvesting bei der DKB.
Mohamed Al-Shraydeh (Bild oben: SFG)
– 14. September 2021