Zurück
Nachhaltigkeit / Interview
Die unterschätzte Stärke
Die LBS West sieht bei „grünen Immobilien“ neue geschäftliche Chancen. Auch in das eigene Nachhaltigkeitsmanagement investiert die Bausparkasse. Ein Gespräch mit Marcel Leez, Leiter Vorstandsstab/Unternehmenskommunikation, und Nachhaltigkeitsmanager Carsten Lessmann.

Viele Sparkassen verstärken derzeit ihre Anstrengungen, im eigenen Geschäftsbetrieb nachhaltig zu handeln. Tun Sie das als Bausparkasse auch?
Marcel Leez: Wenn Sie so wollen, ist Bausparen als zukunftsgerichtetes Gemeinschaftssparen von Geburt an nachhaltig. Diese Stärke haben wir nur lange Zeit kaum genutzt und uns zu selten zu eigen gemacht. Das hat sich 2017 geändert. Da waren die „nichtfinanziellen Berichtspflichten“ für uns als großes Haus tatsächlich ein positiver Anstoß, unsere DNA wiederzuentdecken.

Wir mussten unsere Nachhaltigkeitsleistung berichten und hätten sie im Lagebericht mitlaufen lassen können. Wir haben uns aber entschieden, uns nicht nur am Gesetz entlangzuhangeln, sondern das als Ansporn für einen echten Change-Prozess zu nehmen. Der läuft bis heute und wird auch vom Vorstand aktiv betrieben.

Was hat sich in diesem Change-Prozess intern wirklich verändert?
Carsten Lessmann: Vor allem wurde Nachhaltigkeit als gleichwertiges strategisches Handlungsfeld neben zum Beispiel der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells im Nullzinsumfeld verankert. Das war ein wichtiges Zeichen und hat auch ermöglicht, Ressourcen auf das Thema zu setzen.

Den entscheidenden Schritt intern haben aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch eigene Initiativen erreicht. Sie haben beispielsweise einen Social Day organisiert, „RestCents“ vom Gehalt aufgerundet und gespendet, ein Bienenprojekt gestartet und die Reduzierung von Plastikmüll angestoßen. Das hat gezeigt: Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht nur Strategie von oben – das wird auf allen Etagen gewollt.

 


„Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht nur Strategie von oben – das wird auf allen Etagen gewollt.“

Carsten Lessmann, Nachhaltigkeitsmanager bei der LBS West.


Und wie macht sich das beim Kunden bemerkbar?
Leez: Die Nachhaltigkeit einer Bausparkasse ist eine Daueraufgabe. Unsere Kernkompetenz als Immobilienfinanzierer und gleichzeitig der größte Hebel liegen dabei auf dem Wohnungsmarkt, denken Sie nur an die aktuelle Diskussion um das Eigenheim. Durch Studien und Begleitung des politischen Diskurses schauen wir, wo Umwelteinflüsse, Klimaschutz oder auch gesellschaftliche Veränderungen den Wohnungsmarkt beeinflussen. Vor allem aber prüfen wir, wo sich im privaten Gebäudebestand Ansätze für ökologische Sanierungen finden lassen. Aus Sicht der LBS West sind „grüne“ und energieeffiziente Immobilien ein großes, attraktives  Feld – auch für Sparkassen.

Worin liegt die geschäftliche Chance?
Lessmann: Der Gebäudebestand ist für mehr als 30 Prozent der bundesweiten CO2-Emmissionen verantwortlich, davon machen Wohngebäude knapp zwei Drittel aus. Die Klimaziele des Bundes sprechen von 55 Prozent weniger Treibhausgasen schon in neun Jahren (verglichen mit 1990). Das geht nur mit der Modernisierung von Gebäuden. Unsere Kunden sind ein Schlüssel zum Klimaerfolg.

Leez: Modernisierte Häuser und Wohnungen halten länger, verbrauchen weniger Energie, können barrierefrei umgebaut und so länger genutzt werden. Es gibt viele Möglichkeiten. Schon eine kleinere bis mittlere Finanzierungssumme reicht aus, das macht es gerade auch für Bausparer attraktiv. Denn: Oftmals bieten andere Kreditinstitute solche Darlehenssummen gar nicht oder nur mit erheblichem Zinsaufschlag an. Komplett nachhaltige Bauspar- und Finanzierungsprodukte können ein nächster Entwicklungsschritt sein. Da sind wir als Haus – und auch im gesamten Verbund – gerade erst am Beginn unserer Möglichkeiten.

 


„Bausparen als zukunftsgerichtetes Gemeinschaftssparen ist von Geburt an nachhaltig.“

Marcel Leez, Leiter Vorstandsstab/Unternehmenskommunikation bei der LBS West.


Aber in Deutschland wird doch solide gebaut. Ist der Sanierungsbedarf wirklich so hoch?
Leez: Absolut. 70 Prozent aller Wohngebäude sind vor der ersten Wärmeschutzverordnung und damit ohne Energiestandards erbaut worden. Und etwa 87 Prozent aller Wohngebäude sind nur zu Teilen oder gar nicht saniert. Es gibt also viel zu tun. Die LBS West hat rund zwei Millionen Kunden. Wenn davon jeder 100 Euro im Monat spart, kommen im Jahr 2,4 Milliarden Euro zusammen, die zinsgünstig in den Wohnungsmarkt investiert werden können. Sehr oft übrigens in Bestandsimmobilien, also ohne dass neues Bauland erschlossen wird.

Es liegt ja bei vielen Finanzinstituten gerade voll im Trend, den grünen Mantel umzuwerfen. Wie erreicht man eine positive Außenwirkung?
Leez: Aus unserer Sicht: durch ehrliche Arbeit. Wir wollen nicht angeben, sondern anfangen. Nicht von Anfang an perfekt sein, sondern immer besser werden.

Lessmann: Viele gute Ideen entstehen übrigens im direkten Austausch mit unseren Stakeholdern, den Verbänden und Sparkassen.  Alle zwei Jahre starten wir für den Austausch mit den gesellschaftlich relevanten Gruppen einen „Vorausdenker-Wettbewerb“, beim wir nachhaltige Ideen aus der Community sammeln und prämieren. Für jede LBS-Finanzierung wandern fünf Euro in den Topf, welchen wir an die Sieger ausschütten.  

Was ist aus Ihrer Sicht das stärkste Argument für den weiteren Ausbau der Nachhaltigkeitsstrategie in der LBS West?
Lessmann: Zunächst einmal: Überzeugung, das Richtige zu tun und damit das Engagement vieler Kundinnen und Kunden zu unterstützen. Als öffentlich-rechtliche Institute mit breiter Kundenbasis haben wir die Chance, einen Unterschied zu machen. Die wollen wir nutzen.

Leez: Zudem wirkt Bausparen auch ökonomisch nachhaltig. Es erleichtert die Eigentumsbildung für einkommensschwächere Familien und sorgt auch dafür, dass staatliche Förderung wirkungsvoll eingesetzt wird, Stichwort „Altersvorsorge durch ersparte Miete“. Jeder in Bausparen investierte Euro nützt dem Einzelnen und der Gemeinschaft. So gesehen ist Bausparen per se nachhaltig – sozial und wirtschaftlich gesehen schon lange. Und durch energetische Sanierung und Modernisierung auch mit positivem Klimabeitrag. Darauf setzen wir.

Anke Bunz
– 24. März 2021