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Stadtsparkasse Wuppertal
Coronajahr der Innovationen
Die Pandemie habe die digitale Entwicklung im Geschäftsjahr 2020 beschleunigt, teilt das Institut mit.

Die Stadtsparkasse Wuppertal konstatiert im Rückblick auf das Geschäftsjahr 2020 eine deutlich gestiegene Sparneigung, eine spürbare Konsumzurückhaltung und die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik.

All das treibe die Kundeneinlagen und damit die Bilanzsumme nach oben von 7269 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019 auf 8049 Millionen Euro im Jahr 2020. Der Jahresüberschuss des Instituts blieb mit elf Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr fast konstant.

Die Kundenverbindlichkeiten stiegen um elf Prozent auf 6,3 Milliarden Euro, die Ausleihungen an Kunden legten um 1,7 Prozent auf sechs Milliarden Euro zu.  

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Gunther Wölfges, Vorstandschef der Stadtsparkasse Wuppertal: „Wertpapiersparen muss selbstverständlich werden.“

Die Coronakrise habe die Kunden in ihren finanziellen Vorsorgeplänen bestärkt. Die durchschnittliche Sparquote sei von 10,9 Prozent auf 16,6 Prozent der verfügbaren Einkommen gestiegen.

Zudem wuchsen die Kundeneinlagen bei der Sparkasse wegen der Konsumzurückhaltung an. Viele Kunden transferierten zudem ihre Einlagen zur Sparkasse, weil Mitbewerber Verwahrentgelte erhoben. Vorstandsmitglied Axel Jütz spricht von einer „Einlagenflut“.

„Der Vermögensaufbau in Wertpapieren muss bei dem dauerhaft niedrigen Zinsniveau zur Selbstverständlichkeit werden, um den Wert des eigenen Vermögens zu sichern“, sagt Vorstandschef Gunther Wölfges. Zurzeit bleibe die stark wachsende Vermögensvorsorge häufig zinslos auf Giro- und Tagesgeldkonten liegen.

Vorstandsmitglied Jüx bekräftigte den Anspruch des Instituts, Kunden werterhaltende und wertsteigernde Anlagemöglichkeiten zu bieten. Alle Wuppertaler könnten ihr Geld über den neuen Wuppertaler Zinsmarktplatz einfach, sicher und zinsbringend bei anderen europäischen Banken anlegen.

Sparkasse kooperiert mit Weltsparen

Der Zinsmarktplatz der Stadt sei in Kooperation mit dem Weltsparen-Portal entstanden und stehe allen Einwohnern im Geschäftsgebiet zur Verfügung, auch Nichtkunden der Sparkasse. Der Nutzen liege im einfachen Zugang zu einem breiten Angebot an Anlagemöglichkeiten, gesichert durch die europäische Einlagensicherung, erläuterte Vorstandschef Wölfges.

Wenn sich die Privatkunden der Sparkasse selbst nach intensiven Beratungen über solche oder andere Anlagealternativen dennoch ihr Geld auf den Konten liegen ließen, sehe die Sparkasse leider keine andere Möglichkeit, als die Berechnung von Verwahrentgelten vorzubereiten.

Dann müssten Privatkunden exakt die 0,5 Prozent bezahlen, die die Sparkasse selbst mangels anderer Alternativen bei der Deutschen Bundesbank auch bezahlen müsse. Die Grenze werde bei 100.000 Euro je Kunde liegen. Die Sparkassen werde bei Neukunden mit Verwahrentgelten beginnen.

Hohe Nachfrage nach Sach- und Lebensversicherungen

Das Vorsorge- und Sicherheitsbedürfnis der Kunden habe bei den Lebens- und Sachversicherungen zu einem deutlichen Plus geführt. Mit insgesamt 76.300 Versicherungsverträgen sei ein neuer Höchststand erreicht worden.

Mit dem neuen Versicherungsmanager habe die Sparkasse eine weitere Produktinnovation an den Markt gebracht. Der Manager biete eine komplette Übersicht über die vorhandenen Versicherungen, könne diese analysieren und Verbesserungen vorschlagen. Nutzer könnten aus einem Pool verschiedener Versicherer das für sie passendste Produkt auswählen.

Hauptstelle der Stadtsparkasse Wuppertal.

Gestiegene Immobilienpreise und 11.000 Firmenkundengespräche

Viele Menschen nutzten die anhaltenden Beschränkungen des täglichen Lebens zum Renovieren und Modernisieren ihrer Wohnungen. Auch die Nachfrage nach Immobilien liege auf einem sehr hohen Niveau, was zu deutlichen Preissteigerungen geführt habe, teilt die Sparkasse mit. 1700 Familien verwirklichten 2020 mithilfe der Sparkasse den Traum von den eigenen vier Wänden.

Als Partner der Wirtschaft war die Sparkasse im Coronajahr 2020 besonders gefordert. Insgesamt wurde den Kunden mit Coronadarlehen von nahezu 150 Millionen Euro zur Liquiditätssicherung geholfen und tausendfach Tilgungserleichterungen ermöglicht.

Die Beraterinnen und Berater der Sparkasse führten allein mit ihren Firmenkunden mehr als 11.000 Gespräche zu den wirtschaftlichen Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten der Coronakrise.

Die größte Aufmerksamkeit habe die Sicherung der Arbeitsplätze erhalten. Die Anzahl der Firmenkunden sei auf mehr als 21.100 angestiegen: „Wir sind stolz darauf, dass uns die Wuppertaler Unternehmen auch und gerade in Krisenzeiten ihr Vertrauen zeigen und unsere Unterstützung wertschätzen“, so Vorstand Jütz.

Stabile Kreditnachfrage trotz verhaltener Konsumausgaben

Die Sparkasse registrierte im vergangenen Geschäftsjahr eher verhaltene Konsum- und Investitionsentscheidungen. Die Summe der Konsumentenkredite habe sich dennoch auf hohem Niveau stabilisiert.

Bei den Bezahlverfahren seien die kontaktlosen Zahlungen mit SparkassenCard und Smartphone stark angestiegen, Bargeldverfügungen an den Geldautomaten seien dagegen deutlich zurückgegangen.

Wegen des Wegfalls eines langjährigen externen Dienstleisters sei es im vergangenen Jahr zu „erheblichen Störungen in der Bargeldversorgung“ mit leeren Geldautomaten und langen Warteschlangen gekommen. Vorstandschef Wölfges bat die Sparkassenkunden dafür um Entschuldigung.

Sehr erfreulich habe sich der Bestand an Privatgirokonten weiterentwickelt auf nunmehr 183.500. Vor allem das besondere Preis-Leistungs-Verhältnis beim Modell GiroPremium habe fast 1500 weitere Kunden mehr als im Jahr zuvor überzeugt.

Schub für Sparkassen-App und Digitalausbau

„Eine absolute Erfolgsgeschichte“ sei die Sparkassen-App, so der Vorstand. Im vergangenen Jahr habe die Nutzerzahl um mehr als ein Drittel auf nun 73.000 zugenommen. Ebenfalls sehr deutlich seien die digitalen Kontakte um 14 Millionen auf nunmehr insgesamt 59 Millionen Kontakte angestiegen.

„Wir haben das Coronajahr genutzt, um unsere digitalen Angebote deutlich auszubauen. Mittlerweile bieten wir unseren Kunden auch digitale Beratungsmöglichkeiten“, sagt Patrick Hahne, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse. Insgesamt habe die Digitalisierung im Coronajahr einen kräftigen Schub bekommen.

Vorstand der Stadtsparkasse Wuppertal (von links): Vorstandsmitglied Axel Jütz, Vorstandsvorsitzender Gunther Wölfges, stellvertretendes Vorstandsmitglied Patrick Hahne.

Nachhaltigkeitskomitee unterstützt Arbeit der Sparkasse

Die Sparkasse Wuppertal habe erneut einen Großteil der erwirtschafteten Überschüsse zur Stärkung der Gemeinschaft verwendet. Rund 1000 Projekte gemeinnütziger Vereine und Institutionen seien unterstützt worden.

Darüber hinaus sei das Gesamtspendenvolumen auf der Spendenplattform „gut-fuer-wuppertal.de“ erneut um gut eine halbe Millionen Euro angewachsen auf nunmehr 2,6 Millionen Euro. Insgesamt 538 Spendeninitiativen seien mittlerweile auf der Plattform registriert.

Im vergangenen Jahr gründete die Sparkasse ein Nachhaltigkeitskomitee, das bei der Nachhaltigkeitsarbeit beratend und unterstützend tätig werden solle. Die Sparkasse verspreche sich Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung von Privat- und Firmenkunden. Die Sparkasse selbst werde in diesem Jahr Klimaneutralität erreichen.

Das Nachhaltigkeitskomitee der Stadtsparkasse Wuppertal mit:
Thomas Schindler, Leiter Abteilung Unternehmenskunden bei der Sparkasse Wuppertal;
Jochen Stiebel, Geschäftsführer des Unternehmens Neue Effizienz;
Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts;
Estelle Herlyn, wissenschaftliche Leitung des KompetenzCentrums für nachhaltige Entwicklung, FOM Düsseldorf;
Gunther Wölfges, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wuppertal;
Anke Kahl, Prorektorin für Planung, Finanzen und Transfer, Bergische Universität;
Constanze Klee, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Sparkasse;
Michael Kuhndt, Gründer und Geschäftsführer des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production;
Sarah Kückmann, Nachhaltigkeitsspezialistin bei der Sparkasse.

Wuppertal-App in Kooperation mit der Stadt

Mit der Markteinführung der Wuppertal-App Bliggit sei im vergangenen Jahr ein „Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Wuppertals im digitalen Zeitalter“ geleistet worden.

Mit der Stadt Wuppertal und den Wuppertaler Stadtwerken als strategischen Partnern sei eine App entwickelt und an den Start gebracht worden, die das analoge Angebot der Stadt in allen Lebensbereichen digital transparent und verfügbar, also „auf einen Bligg“ sichtbar mache. Die App sei gleichsam das digitale Tor zur Stadt und ein digitaler Lotse durch das städtische Angebot.

Gerade in der Coronazeit könne es lokalen Anbietern helfen, in virtuellen Schaufenstern sichtbar zu bleiben, um mit ihrem Angebot wahrgenommen zu werden. Digitale Bestellungen seien per Bliggit-App ebenso möglich wie die Nutzung von Lieferdiensten.

Aber auch die digitale Nutzung von Bankdienstleistungen, die Vorbereitung von Behördengängen, die Regelung der Energieversorgung sowie der Abfallentsorgung seien möglich, ebenso die Buchung von Veranstaltungen in der Stadt.  

„Mit Bliggit helfen wir gerade auch der Gastronomie und dem Einzelhandel in dieser schweren Coronazeit und können die Kaufkraft sowie Wertschöpfung in unserer Stadt halten“, sagt Vorstandschef Wölfges. Bliggit vereine die digitale Welt mit dem analogen Lebensraum und schaffe so zukunftsfähige Lebensbedingungen.

5. Januar 2021