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Wertpapierberatung
Mit nachhaltiger Beratung punkten
Seit einigen Wochen ist die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen bei der Wertpapierberatung in den Sparkassensystemen hinterlegt. Pilotsparkassen berichten, wie sie die Anwendung einsetzen und wie sie beim Kunden ankommt.

Der europäische Gesetzgeber plant ein umfassendes Gesetzgebungspaket zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum. Die ersten regulatorischen Maßnahmen zu „Sustainable Finance“ betreffen überwiegend das Wertpapiergeschäft. Kunden sollen zum Beispiel nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragt werden. Das ist in den OSP-Anwendungen bereits hinterlegt und kann von den Häusern individuell freigeschaltet werden. Ab dem 1. Mai 2021 ist die Nutzung der Anwendung für alle Institute verpflichtend.

24 Sparkassen haben als Pilotanwender den „Institutsschalter“ schon umgelegt. Die Häuser berichten, dass die Prozesse gut laufen und auch von den Beratern gut angenommen werden. „Die Benutzerführung ist einfach und intuitiv“, bestätigt Sabine Johann-Castor, die im Vertriebsmanagement der Sparkasse Koblenz die Einführung betreut. „Das Problem für die Berater ist derzeit die Produktseite – denn sie müssen erklären können, wie der Hersteller zu der Einschätzung kommt, dass das Produkt nachhaltig ist.“

Den Beraterteams Vorlauf geben

Der Schwerpunkt der Umsetzung lag daher auch auf der Beraterschulung. Dafür stellt das Projekt „Kapitalmarktunion“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) Leitfäden und Beraterhilfen zur Verfügung, die durch Schulungsunterlagen der Regionalverbände sowie Unterstützungsleistungen der Dekabank und der Landesbanken ergänzt werden können. „Wir empfehlen anderen Sparkassen, auch die sogenannte Nachhaltigkeits-PGA zu nutzen“, sagt Birgit Seydel, Expertin für Kapitalmarktrecht im DSGV. „Diese ‚Produktspezifischen Geeignetheitsargumente‘ erklären, warum das Produkt als nachhaltig ausgewiesen wird.“

Es sei wichtig, dass sich die Beraterteams gezielt mit Nachhaltigkeit befassen können, bevor sie mit dem kommenden OSPlus-Release 20.1. weitere Vorgaben zum Wertpapiergeschäft verarbeiten müssen, bestätigt Thomas Lenz, Leiter Produktmanagement der Sparkasse Heidelberg. „Es ist gut, wenn man mit diesem Thema früh anfängt und nicht auf die gesetzliche Vorgabe wartet.“ Das gibt den Beraterteams den nötigen Vorlauf, um sich gezielt in die Bewertungskriterien für nachhaltige Anlageprodukte einarbeiten zu können.

Kunden reagieren sehr positiv

Die Sparkassen berichten, dass die Abfrage, ob sie Interesse an nachhaltigen Produkten haben, bei den Kunden sehr positiv ankommt. „Negative Reaktionen zu dem Thema hat es nicht gegeben“, sagt Kerstin Erens, Leiterin Beauftragtenwesen und Wertpapier-Compliance-Beauftragte der Sparkasse Salem-Heiligenberg. „Etliche Kunden haben hingegen Interesse an nachhaltigen Anlagen bekundet.“ Den meisten Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenzen konnten auch nachhaltige Produkte empfohlen werden. Die Deka und die Landesbanken bauen ihre Portfolien in diesem Bereich kontinuierlich aus. Für das erste Halbjahr 2021 plant die Deka, auch nachhaltige offene Immobilienfonds anzubieten, die als sogenanntes „Impact Investment“ mit dem Schwerpunkt „Ökologisch“ eingestuft werden können.

Bei den Kunden der Pilotsparkassen kommt gut an, dass sie trotzdem auch weiterhin die freie Wahl haben. „Die Kunden finden es gut, wenn wir sie zu Nachhaltigkeitspräferenzen fragen, aber sie treffen Anlageentscheidungen auch anhand anderer Kriterien“, sagt Benjamin Schrader, Marktbereichsleiter und Verbundbeauftragter für das Dekabank-Retail-Geschäft der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen. „Wenn jemand sagt, dass er beispielsweise auf ökologische Aspekte wenig Wert legt, können wir sowohl ein nachhaltiges als auch ein nicht-nachhaltiges Produkt ohne gesonderte Begründung empfehlen.“

Ressourcen sparen

„Wir profitieren sehr von den Rückmeldungen der Sparkassen aus diesen Pilotanwendungen“, sagt Yannick Potthoff, Fachverantwortlicher in der Abteilung Geldanlage- und Wertpapierprozesse bei der Finanz Informatik. Sie geben uns Hinweise, wie wir den Prozess weiter verschlanken können – sodass zum Beispiel nachhaltige Produkte schon in der Produktübersicht erkennbar sind.“ Diese Verbesserungen sind bereits in Arbeit.

Für alle Sparkassen, die jetzt die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen fest in der Beratung etablieren wollen, ergibt sich übrigens noch ein interessanter Nebeneffekt: Sie können Kunden, die nachhaltige Anlagen wünschen, aber noch kein elektronisches Postfach haben, auf dieses ressourcenschonende Angebot der papierlosen Kommunikation hinweisen. So können Sparkassen ihre nachhaltigkeitsaffinen Kunden nicht nur mit Lösungen in der privaten Vermögensbildung, sondern auch für digitale Angebote begeistern.

Anke Bunz
– 30. Juli 2020