Zurück
White-Label-Fonds
Maßanfertigung statt Konfektionsware
Eine wachsende Zahl von Sparkassen nutzt die Möglichkeit, Investmentfonds auf das eigene Institut in Namen und Ausrichtung anpassen zu lassen. Das sogenannte White-Labeling kann helfen, eigene Akzente zu setzen.

Ein Anzug von der Stange ist gut, ein Maßanzug ist jedoch meistens besser. Das gilt auch für Fonds. Immer mehr Sparkassen entscheiden sich daher für White-Label-Fonds. Sie bieten den Instituten die Möglichkeit, sich in ihrer Region als kompetentes Wertpapierhaus mit spezifischem Know-how zu positionieren und tragen so dazu bei, das Provisionsgeschäft nachhaltig zu stärken und zu verstetigen.

White-Label-Fonds sind im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig: Sie werden individuell auf die Anforderungen der jeweiligen Sparkasse und deren Produktkörbe zugeschnitten. Vom Anlageziel über die Auswahl der Anlageklassen bis hin zur Selektion gewünschter Nachhaltigkeitskriterien – den Möglichkeiten sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

Ein Fonds für den Rems-Murr-Kreis

„Individualisierung ist für Sparkassen ein entscheidender Faktor, um ihre regionale und persönliche Note ausspielen zu können“, erklärt Uwe Adamla, CEO des Geschäftsbereichs  LBBW Asset und Wealth Management innerhalb des LBBW-Konzerns. „Die Individualisierung erhöht die Kundenidentifikation mit dem Produkt und kann insgesamt das Interesse an Fondslösungen steigern.“ Hinzu kommt, dass White-Label-Fonds in der Regel attraktive Konditionen für die Sparkasse und die Anleger bieten.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Implementierung eines White-Label-Fonds ist der RM Vermögensstrategie Nachhaltigkeit der Kreissparkasse Waiblingen (KSK WN). „RM“ steht dabei für den Rems-Murr-Kreis, den Heimatlandkreis der Kreissparkasse Waiblingen. Seit der Zeichnungsphase im Februar 2020 hat die Kreissparkasse Mittel in Höhe von mehr als 80 Millionen Euro für den Fonds eingesammelt. Die KSK WN hatte sich für eine White-Label-Lösung entschieden, um ihre Position im Wertpapiervertrieb zu stärken und auszubauen. 

Nachhaltig ausgerichtet und mit eigenem Namen versehen

„Wichtig war dabei insbesondere, uns im Bereich nachhaltige Geldanlagen zu positionieren und unseren Kundinnen und Kunden einen Mehrwert bieten zu können“, sagt Ines Dietze, Vorsitzende des Vorstands der Kreissparkasse Waiblingen. „Nachhaltigkeit ist für uns eine umfassende Haltung, die sich in allen Geschäftsbereichen widerspiegelt. Nachhaltig erfolgreich ist nur, wer Nachhaltigkeit im Kerngeschäft verankert hat.“ Das Anforderungsprofil zielte deshalb auf ein weltweites Fondskonzept mit einem konsequenten Nachhaltigkeitsansatz, einer flexiblen Aktienquote und einer individuellen Namensgebung ab.

Die Performance (Wertentwicklung 2020: 19,3 Prozent) und die große Nachfrage nach dem Fonds geben dem Konzept recht. Die Kreissparkasse Waiblingen hat für den RM Vermögensstrategie Nachhaltigkeit als erste Sparkasse in Deutschland das renommierte FNG-Siegel mit zwei Sternen erhalten. „Darauf sind wir sehr stolz. Die Auszeichnung für unseren Labelfonds bestätigt, dass wir uns mit der LBBW Asset Management für den richtigen Produktpartner entschieden haben“, sagt Dietze.

Die LBBW Asset Management, die ein Volumen von 86,2 Milliarden Euro verwaltet (Stand: 31. Dezember 2020), verfügt über eine langjährige Expertise bei der Erarbeitung individueller Anlagelösungen – insbesondere auf dem Gebiet der nachhaltigen Geldanlage. Hier gehört sie zu den Pionieren und bietet seit fast 20 Jahren nachhaltige Investmentlösungen an. Heute managt sie ein Volumen von 22,5 Milliarden Euro in nachhaltigen Strategien – das sind fast 30 Prozent des verwalteten Vermögens. Wichtig war der KSK WN allerdings neben der Erfahrung auch das partnerschaftliche Miteinander auf Augenhöhe, der mehrstufige nachhaltige Investitionsprozess, die Marketing-Unterstützung sowie Seed Money als Startinvestment für die Zusammenarbeit.

Regionaler Aspekt erhöht Kundeninteresse

Die LBBW Asset Management betreut derzeit 22 White-Label-Fonds. Besonders gefragt sind vermögensverwaltende Strategien. „Da reine Rentenfonds im aktuellen Zinsumfeld keine sinnvolle Ertragsperspektive bieten, konzipieren wir die White-Label-Fonds in der Regel als Mischfonds“, berichtet Adamla. „So können die Ertragschancen der Aktienmärkte mit der höheren Stabilität der Rentenmärkte kombiniert werden. Je nach Ausgangslage beim Vertriebspartner sind weitere Anlageklassen möglich, um das Portfolio noch breiter zu diversifizieren.“

Die White-Label-Fonds eint dabei ein Erfolgsrezept: eine globale Expertise nutzen und diese lokal ausspielen. „Der regionale Aspekt erhöht das Interesse der Sparkassenkunden an den gelabelten Fondslösungen“, so Ines Dietze. Darüber hinaus können Sparkassen mit Eigeninvestitionen zusätzlich die Glaubwürdigkeit bei ihren Anlegern erhöhen.

„Wenn die Sparkasse selbst von ihrem Fonds überzeugt ist und auch als Ankerinvestor in den Fonds investiert, liefert sie ihren Kunden ein entscheidendes Glaubwürdigkeitsargument, das ihr bei herkömmlichen Fonds nicht zur Verfügung steht“, erklärt Adamla. Um für höchstmögliche Glaubwürdigkeit zu sorgen, könnten bei der Fondskonzeption – soweit möglich – auch Erfordernisse der Depot-A-Seite der Sparkasse berücksichtigt werden.

Konkreten Einblick in den Fonds gewähren

Mit der Konzeption des Fonds selbst enden die Kooperationen in der Regel nicht – im Gegenteil. „Wir haben festgestellt, dass die Sparkassen ihren Erfolg durch praxisorientierte Vertriebstrainings steigern können“, sagt Adamla. Dazu ein Beispiel: Noch vor Beginn der Zeichnungsphase bereitet die LBBW Asset Management mit erfahrenen Schulungsleitern aus der Praxis die Beraterinnen und Berater der Sparkassen auf ihre Gespräche mit den Anlegern zum jeweiligen White-Label-Fonds vor.

Mit dem Vertriebstraining werden sie von der alten Standardprodukte-Welt in die neue Welt der hauseigenen Fonds begleitet. Auch nach der Auflage des Fonds werden die Vertriebspartner betreut. Dies reicht von regelmäßigen Updates zum Fonds für die Berater bis hin zur Unterstützung bei der Durchführung von Kundenveranstaltungen, auch in digitaler Form. Die Portfoliomanager geben den Anlegern dabei einen konkreten Einblick in den Fonds.

Fazit: Mit White-Label-Fonds können Sparkassen neue Beratungsansätze umsetzen, Passivbestände veredeln, sich als Wertpapierhaus mit einem individuellen Angebot in ihrer Region positionieren und so ihren Absatz stärken. Sicherlich von Vorteil ist, dass sie sich für die Konzeptionierung ihres eigenen Fonds einen erfahrenen Asset-Manager ins Boot holen, der das Institut umfassend begleitet und ihm beratend zur Seite steht.

Uwe Adamla, LBBW Asset und Wealth Management
– 20. April 2021