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| Branchenreport: Maschinenbau

Zwischen Optimismus und Sorge

Der Maschinenbau ist Deutschlands Vorzeigebranche. Dennoch stehen hiesige Anbieter aktuell unter Druck. Sie müssen als exportfokussierte und mittelständisch geprägte Branche nicht nur politische Risiken verkraften, sondern auch die notwendigen Mittel für Forschung und Entwicklung beschaffen, um international wettbewerbsfähig zu sein. Die Sparkassen als Finanzierungspartner können hier eine wichtige Anlaufstelle sein.

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Der weltweite Technologie- und Innovationsvorsprung sowie die langjährige Erfahrung und das exzellente Know-how der hiesigen Ingenieure haben den deutschen Maschinenbau zum mittlerweile größten Industriezweig in Deutschland gemacht. Im Jahr 2016 erwirtschafteten die rund eine Million Beschäftigten nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro. Das sind knapp 37 Prozent mehr als 2009, wo der Umsatz der Branche infolge des Ausbruchs der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise bei lediglich 161 Milliarden Euro lag. Die Produktion nahm preisbereinigt um 0,1 Prozent zu und verharrte somit leicht über dem Vorjahresniveau.

Asiatische Länder beflügeln Exportgeschäft

Hauptgrund für die positive Entwicklung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau war die gute Auftragslage in Europa, Asien und Nordamerika. Schließlich zählt die hiesige Branche mit ihrer Werkzeug-, Förder-, Antriebs- und Drucktechnik zur Weltspitze, die die Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Investitionsgütern kontinuierlich steigen lässt. Infolgedessen sind allein 2016 Maschinenbauerzeugnisse im Wert von rund 156 Milliarden Euro exportiert worden. Davon entfielen 88,6 Milliarden Euro auf europäische Regionen, 36,2 Milliarden Euro auf Asien und 17,8 Milliarden Euro auf Nordamerika. Weit dahinter folgten Lateinamerika mit 6,5 Milliarden, Afrika mit 4,9 Milliarden sowie Australien/Ozeanien mit 1,8 Milliarden Euro.

 
© BBL
Auch das erste Halbjahr 2017 ist erfreulich verlaufen. Abermals hat vor allem die Nachfrage aus dem Ausland für eine dynamische Geschäfts­entwicklung gesorgt. Nach VDMA-Angaben sind die Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nominal noch einmal um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Impulsgeber waren auch diesmal vor allem die asiatischen Länder. China hat 22,6 Prozent mehr Maschinenbauerzeugnisse nachgefragt, und auch Südkorea kam auf ein Exportplus von 15,8 Prozent. Angesichts des gut gehenden Exportgeschäfts lag die Exportquote (Ausführen in Prozent der Produktion) im Jahr 2016 schätzungsweise bei 76,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr, als die Exportquote bei 77,3 Prozent lag, entspricht das einem leichten Minus von 0,6 Prozent (s. Abb. 1).

Auch künftig dürfte es dem deutschen Maschinenbau leichtfallen, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Die Umsatzprognosen fallen daher optimistisch aus. Laut einem Branchenreport zum Maschinenbau von Statista soll der Umsatz der Branche im Gesamtjahr 2017 rund 236 Milliarden Euro betragen. 2021 sollen es dann bereits 271,1 Milliarden Euro sein. Die erfreulichen Ergebnisse sind vor allem den langfristigen Absatzperspektiven für innovative, branchenübergreifende Spitzen­technologien in Zukunftsmärkten geschuldet. Ein Beispiel für einen solchen Megatrend ist etwa der Wandel von der Verbrennungs­technolo­gie hin zur Elektromobilität. Vor allem von der Produktion von Batterie­zellen für Elektroautos verspricht sich die Vorzeigebranche einiges.

Darüber hinaus sind Batteriewechselanlagen sowie Ladestationen für Strom in großer Zahl zu errichten. Auch in diesem Bereich ist das Land der Mitte ein starker Nachfrager. Schließlich sind im smoggeplagen China heute bereits mehr als 640 000 Elektroautos unterwegs. Aber auch hierzulande nimmt die Bedeutung von Elektromobilität zu. Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, soll bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Kaufprämien und Steuervorteile sowie verkehrsrechtliche Vorgaben in den Innenstädten sollen die notwendigen Anreize bringen. Die Grünen wollen alle Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030 sogar ganz verbieten.

 
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Neben der Elektromobilität birgt auch die Drucktechnik erhebliches Geschäftspotenzial für deutsche Maschinenbauunternehmen. Schließlich wird heutzutage von der Zahnpastatube bis zur Weinflasche alles bedruckt. Zudem werden marktreife Lösungen im Digitaldruck und 3D-Effekte immer stärker nachgefragt. Aktuell macht jedoch noch die Herstellung von Werkzeugen den größten Anteil am Umsatz aus (20,5 Milliarden Euro); zweitgrößter Sektor ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Antriebstechnik mit 18,1 Milliarden Euro Umsatz – trotz eines leichten Rückgangs um 0,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich Fördermittel konnte der Umsatz dagegen gesteigert werden von 15,3 auf 15,8 Milliarden Euro (s. Abb. 2).

Aktuelle Herausforderungen nicht unterschätzen

Derzeit ist die deutsche Maschinebaubranche angesichts ihres großen technischen Know-hows noch gut aufgestellt. Vor allem das die Branche tragende Exportgeschäft läuft nach wie vor gut. Allerdings gilt es, diesen Qualitätsvorsprung auch weiterhin zu halten. Insofern steht die Vorzeigebranche trotz positiver Aussichten unter ständigem Transformationsdruck.

Risiko Fachkräftemangel
Eine weiterhin dynamische Geschäftsentwicklung und Weltführerschaft setzt einerseits voraus, dass es genügend Fachkräfte und Spezialisten gibt. Laut der Fachkräfte-Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2017 ist in vielen Bereichen des Maschinenbaus ein Fachkräftemangel erkennbar. Besonders groß ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage in Bereichen, die eng mit der zunehmenden Digitalisierung der Industrie verbunden sind wie in der Automatisierungs­- und in der elektrischen Betriebstechnik. Laut VDMA bietet die Bundes­agentur für Arbeit für Berufe in der elektrischen Betriebstechnik aktuell 9172 offene Stellen an, denen aber nur 3049 Arbeitssuchende gegenüberstehen. In der Automatisierungstechnik gibt es 1662 offene Stellen, aber nur 615 gemeldete Arbeitssuchende. Zugleich ist auch der Bedarf an Mechatronikern groß. Hier sind 5387 offene Stellen registriert, während nur 1339 Mechatroniker derzeit arbeitslos sind.

Weniger Wachstum durch politische Risiken
Weitere Unwägbarkeiten betreffen das globale Umfeld und die damit verbundenen politischen Risiken. Da die Maschinenbaubranche stark abhängig vom Ausland ist, ist vor allem das Wachstum vieler Abnehmer­länder eine entscheidende Größe für den künftigen Geschäfterfolg. Derzeit können die jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch überzeugen. Für die Eurozone prognostiziert der IWF ein gleichbleibendes Wachstum von 1,7 Prozent. Für die USA erwartet der IWF nach 1,6 Prozent im Vorjahr eine Wirtschaftsleistung von nunmehr 2,3 Prozent und in China soll das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr 6,6 Prozent betragen (nach 6,7 Prozent im Vorjahr). Allerdings können sich die jüngsten und optimistischen Wachstums­prognosen schnell ins Gegenteil verkehren.

 
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Viele Experten gehen davon aus, dass das Wachstum in China abflachen wird. Eine große Gefahr geht zum einen vom chinesischen Immobilienmarkt aus. Die Preise für Häuser und Eigentumswohnun-gen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Experten sprechen bereits von einer Immobilienblase, die im Falle eines Platzens drastische Folgen für die Wirtschaftsentwicklung des Landes und das wirtschaftliche Weltgeschehen haben wird. Ein weiteres Problem in China ist die Überschuldung. Vor allem der Privat- und Unternehmenssektor haben in den vergangenen Jahren einen gigantischen Schuldenberg angehäuft. Nach Angaben des Institute of International Finance (IIF) liegt die Schuldenlast chinesischer Unternehmen bei rund 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit deutlich höher als in den westlichen Industrieländern mit einer Relation von durchschnittlich knapp 90 Prozent.

Der IWF hat daher erst kürzlich vor einer weiteren Kreditvergabe an chinesische Unternehmen gewarnt. Die Gesamtverschuldung Chinas ist zuletzt auf 258 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt worden. Daneben könnte auch der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union das Wachstum in Europa gefährden und damit den Wertschöpfungsprozess des deutschen Maschinenbaus negativ beeinflussen. Im Gegensatz zum VDMA halten manche Experten diesen Effekt aber für schwach. Sie argumentieren, dass der britische Absatzmarkt für die deutsche Maschinenbaubranche kaum Bedeutung hat und ein möglicher Umsatzrückgang durch das Wachstum anderer Absatzmärkte kompensiert werden kann. Im Jahr 2016 exportierte Deutschland Maschinenbauerzeugnisse im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro nach Großbritannien (s. Abb. 3).

Hohe Aufwendungen für F&E
Im September 2015 wurden in Deutschland 6782 im Bereich Maschinenbau tätige Unternehmen gezählt. Eine große Rolle in dieser Branche spielen große Unternehmen und Konzerne wie Alstom, Siemens, Trumpf und MAN. Dennoch ist der deutsche Maschinenbau mittelständisch geprägt und beschäftigt durchschnittlich 168 Mitarbeiter. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Technologie­führerschaft nicht an Konkurrenten insbesondere aus Asien zu verlieren, müssen Maschinenbauunternehmen in Zeiten von Digitalisierung und eines immer schnelleren Wandels mehr denn je in Forschung und Entwicklung investieren. Damit sind viele mittelständische Maschinen­bauer auf die Unterstützung von Banken und Sparkassen angewiesen, da die eigenen Mittel nicht immer ausreichend sind.

Hier haben sich die Sparkassen besonders bewährt, da sie aufgrund ihres Regionalprinzips nicht nur die Verhältnisse vor Ort kennen, sondern auch mit dem notwendigen Wissen über den relevanten Markt punkten können. Allerdings sind die deutschen Maschinenbauunterneh­men auch nicht untätig geblieben. Sie haben die vergangenen Jahre verstärkt genutzt, um ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Nach Angaben des DSGV stieg die Quote 2015 im Mittel auf 30,9 Prozent und lag damit um 0,9 Prozent höher als noch 2014.

Dass deutsche Maschi­nen­bauunternehmen äußerst attraktiv sind und im Visier ausländischer Unternehmen stehen, zeigt sich auch an den zahlreichen Übernahmen der vergangenen Jahre. Prominentestes Beispiel war wohl die Übernah­me des Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Midea-Kon­zern, der in den Bereichen Klimaanlagen und Hausgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke zwar führend ist, jedoch keine Erfahrung in der Automatisierung hat. Demnach lag es nahe, einen der führenden Roboterhersteller zu übernehmen, um den chinesischen Markt bis 2020 mehrheitlich mit Industrierobotern aus eigener Herstellung auszurüsten.

Nachgefragt: Kreditvergabe zurzeit kein Hemmnis für Innovationen

 
Bianca Illner, VDMA-Abteilungsleiterin Betriebswirtschaft © VDMA
Was sind denn nun aktuell die größten Herausforde­rungen der deutschen Maschinenbaubranche, und welche Rolle sollten Banken und Sparkassen als Wegbegleiter für Investitionen in Forschung & Entwick­lung spielen? Das wollten die Betriebswirtschaftli­chen Blätter aus erster Hand erfahren und haben dazu Bianca Illner, Leiterin der Abteilung Betriebswirtschaft des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt/M., befragt.

BBL: Die deutsche Maschinenbaubranche ist derzeit noch gut aufge­stellt. Dennoch hat auch diese Branche mit vielen Herausforde­rungen zu kämpfen. Was macht der Branche derzeit am meisten zu schaffen?
Bianca Illner: Der konjunkturelle Aufschwung des laufenden Jahres wird sich nach Ansicht der VDMA-Volkswirte 2018 im bisherigen Tempo fortsetzen. Daher rechnet unser Verband auch im kommenden Jahr mit einem realen Produktionswachstum des Maschinen- und Anlagenbaus von drei Prozent. Wir bewegen uns in einem grundsätzlich positiven Umfeld. Die größten Herausforderungen liegen daher in der globalen politischen Unsicherheit wie protektionistischen Tendenzen, Brexit, Sanktionen, deren Auswirkungen nur schwer abschätzbar sind.
Eine weitere Herausforderung für die Industrie ist die Digitalisierung und ihre Rahmenbedingungen, auch unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bekannt. Hier benötigt es nicht nur technische Lösungen, denn wenn Wertschöpfungsketten über Unternehmen und Landesgrenzen hinweg verlaufen, brauchen wir auch rechtliche Rahmenbedingungen in einem gesamteuropäischen Ansatz, denn in einer globalisierten Wirtschaft und einem exportorientierten Land wie Deutschland ist Industrie 4.0 nicht ein rein deutsches Thema.

BBL: Glauben Sie, dass der Brexit die deutsche Maschinenbaubranche schwächt?
Illner: Zwischen dem Vereinigten Königreich einerseits und dem deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbau andererseits besteht eine enge wirtschaftliche Verzahnung. Mit einem Marktvolumen von rund 40 Milliarden Euro zählt das Vereinige Königreich zu den vier größten Absatzmärkten für Maschinen und Anlagen in der Europäischen Union und den zehn größten weltweit. Die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland und im Vereinigten Königreich sind ausgestattet mit Direktinvestitionen mit Ursprung im jeweils anderen Land im höheren zweistelligen Milliardenbereich in Euro. Bereits anhand dieser wenigen Kennzahlen wird deutlich, in welch erheblichem Ausmaß der Maschinen- und Anlagenbau von der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die EU zu verlassen, betroffen ist. Unsicherheit über die künftige Investitionstätigkeit bzw. die Konditionen des Zugangs von Gütern, Dienstleistungen, Kapital und Personen aus der EU-27 im VK belasten die Wirtschaft bereits heute.
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat ein Interesse an guten Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich. Mit zunehmender Sorge reagiert der Maschinenbau daher auf die schleppenden Verhand­lungen über den EU-Austritt Großbritanniens. Handels- und Geschäfts­barrieren werden schlagartig zunehmen, wenn es nicht gelingt, ein unmit­telbar nach dem Austritt wirksames horizontales für alle Wirt­schafts­bereiche gleichermaßen geltendes Abkommen zu vereinbaren.

 
© BBL
BBL:  Leidet die deutsche Maschinenbaubranche wirklich unter einem Fachkräftemangel? Oder ist das vielmehr eine Erfindung unserer Politiker, um etwa die derzeit vermehrte Zuwanderung zu rechtfertigen?
Illner: Die Kapazitäten in der Industrie sind inzwischen so stark ausgelastet wie seit 2008 nicht mehr. Es mehren sich bei den Kunden die Klagen über Kapazitätsengpässe bei Maschinen und Anlagen. Umfragen des ifo-Instituts und des VDMA zu Produktionsbehinderungen im Maschinenbau zeigen, dass 2016 und 2017 der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zum größten Hindernis bei der Ausweitung der Produktionskapazitäten geworden ist, noch deutlich vor Materialengpässen und Mangel an Aufträgen oder technischen Kapazitäten (s. Abb. 4). Der Fachkräftemangel in unserer Industrie ist somit nicht nur eine Erfindung, um die Zuwanderung zu rechtfertigen. Das Schicksal der Asylbewerber beschäftigt unsere Unternehmer menschlich, und der Maschinenbau engagiert sich in vielen Aktionen bei der Integration. Doch die Unternehmen hinterfragen genau das tatsächliche Fachkräftepotenzial und die Integrationsmöglichkeiten in den Arbeits­markt. Der derzeitige Fachkräftemangel lässt sich durch die Zuwanderung der vergangenen zwei Jahre wohl nicht lösen – wenn es aber in Zukunft gelingt, diese Asylbewerber gut in den Arbeitsmarkt zu integrieren, kann dies langfristig zu einer Entlastung des Fachkräfte­mangels beitragen.

BBL:  Auch die Elektromobilität spielt eine große Rolle in der Branche. Welche Rolle kommt dem Maschinen- und Anlagenbau für die Schaffung der Infrastruktur des elektrischen Fahrens zu?
Illner: Der Maschinenbau liefert die Technologien für die Elektromobilität von morgen. Dem Maschinenbau kommen dabei verschiedene Rollen zu. Er ist "Enabler" mit seiner Produktionstechnik, Anwender bei mobilen Maschinen (Energie- und Schadstoffeinsparungs-potenzial mit neuen Technologien von 20 bis 40 Prozent) und Innovationstreiber mit seiner Forschung. Die Forschungsvereinigungen des VDMA sind die hier weltweit führenden Innovationsnetzwerke auf ihren Gebieten mit zirka 50 Projekten zur Elektromobilität und mehr als 3000 beteiligten Unternehmen. Der Maschinenbau unterstützt die Elektromobilität auch darüber hinaus, indem er Technologien bereitstellt, die für einen risikoarmen Anlauf neuer Fertigungskonzepte sorgen, die wandlungsfähig, skalierbar und kosteneffizient sind und für eine Kostenreduktion bei Batteriezellen durch optimalen Materialeinsatz und minimale Ausschussquote sorgen.

BBL: Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass asiatische Konkurren­ten den deutschen Maschinenbauunternehmen Marktanteile streitig machen? In welchen Bereichen könnte das am ehesten geschehen?
Illner: Innovation ist eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Sie erlaubt eine klare Marken­po­sitionierung und damit die Differenzierung von in- und ausländischen Wettbewerbern. Innovation findet – gerade im Maschinen- und Anlagenbau – nicht nur bei Produkten und Technologien statt, sondern auch bei Prozessen und Anwendungen. Deutsche Innovationen profitieren von eingespielten Innovationsprozessen, etwa zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, gut ausgebildeten Fachkräften und einem starken Kooperationsnetzwerk. Dagegen müssen deutsche Unternehmen, die sich statt über Innovationen über niedrige Preise positionieren, mit Kostennachteilen gegenüber Anbietern aus Emerging Markets kämpfen.

BBL: Der deutsche Maschinenbau steht unter einem enormen Innovations­druck. Zugleich ist die Branche vornehmlich mittelständisch geprägt. Wie sind Ihre Erfahrungen hinsichtlich der Kreditvergabe der Banken und Sparkassen? Erhalten kleinere Maschinenbauunternehmen mittlerweile wieder Kredite zu angemessenen Konditionen?
Illner: Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine mittelständische Indu­striebranche. 87 Prozent der Unternehmen haben weniger als 250 Mitarbeiter. Aber mit einem Anteil von neun Prozent der internen For­schungs- und Entwicklungsaufwendungen der Gesamtwirtschaft zählt der Maschinenbau neben Fahrzeugbau, Elektrotechnik und pharmazeu­tischer/chemischer Industrie zu den forschungsstärksten Industrie­bran­chen. Bei der aktuellen Zinssituation, der gestiegenen Eigenkapitalquote der Unternehmen und der positiven Wirtschaftslage im Maschinen- und Anlagenbau ist die Kreditvergabe durch Banken und Sparkassen zurzeit kein Hemmnis für Innovationen. Der VDMA begrüßt zudem die Innovationsförderung durch den neuen KfW-"ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit", der für die Finanzierung von Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben eingesetzt werden kann. Gefördert wird damit auch die Digitalisierung von Produkten, Produktionsprozessen und Verfahren – beispielsweise die Vernetzung der Produktionssysteme unter dem Stichwort Industrie 4.0.

Fazit

Die deutsche Maschinenbaubranche kann auf eine beispiellose Erfolgs­geschichte zurückblicken und auch aktuell ist die Branche angesichts ihres großen technischen Know-hows und Erfahrungsschat­zes noch gut aufgestellt. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die Karten neu gemischt werden. So drängen zunehmend ausländische Wettbe­werber auf den Markt, die hochkomplexe und qualitativ gute Maschinen bauen. Eine große Herausforderung für die deutschen Maschinenbauer wird es daher sein, sich in schnell verändernden Märkten so zu positionieren, dass sie keine nennenswerten Marktanteile an die Konkurrenten vor allem aus Asien verlieren.

Allein die Importe aus dem Reich der Mitte haben zwischen 2015 und 2016 um 8,3 Prozent zugelegt. Und auch die Importe aus Polen und Tschechien sind im gleichen Zeitraum um 10,2 bzw. 9,6 Prozent gestiegen. Beim weiteren Wachstum der Schlüsselbranche Maschinen­bau können die Sparkassen als Partner des Mittelstands einen wichtigen Beitrag zur Realisierung von Investitionen leisten und dafür sorgen, dass es auch mittelständischen Maschinenbauunternehmen gelingt, wichtige Absatzmärkte außerhalb Europas zu erschließen.

Autorin
Carmen Mausbach ist freie Journalistin in Niederkassel und spezialisiert auf Wirtschaft- und Finanzthemen im Umfeld von Sparkassen und Banken.